
So hat das Ruhrgebiet den Zusammenbruch der Montanindustrie nie überwunden. Von Duisburg und Oberhausen über Essen, Gelsenkirchen bis Dortmund und Hagen sackten die Einnahmen aus der Gewerbesteuer ab, die Ausgaben für Sozialleistungen schnellten hoch. Rund zwei Drittel der 53 Ruhrgebietskommunen wirtschaften seit Jahren mit Nothaushalten.
Bei den dauerkranken Gemeinden kumulieren sich inzwischen die Kassenkredite auf den Rekordwert von 34 Milliarden Euro, und nach einer unveröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) rechnen die Stadtkämmerer für 2010 mit einem weiteren kräftigen Anstieg auf voraussichtlich über 40 Milliarden Euro. Die Hälfte dieser kurzfristigen Darlehen entfällt dabei auf Gemeinden in Nordrhein-Westfalen und hier wiederum die Hälfte aufs westliche Ruhrgebiet.
Die einen krebsen, die anderen klotzen. Die Frankfurter reißen gerade am Alten Markt ihr Verwaltungsgebäude aus den Siebzigerjahren ab und bauen neu, die U-Bahn-Geschädigten Kölner wollen gleiches mit ihrem Schauspielhaus machen, die Hamburger gönnen sich die Elbphilharmonie; Kosten: jeweils Hunderte Millionen Euro – und in all diesen Städten sind die Hebesätze für die Gewerbesteuer überdurchschnittlich hoch.
Alte Industrie zerstört
Trotzdem oder gerade deswegen wollen die Wortführer des Städtetages nichts von einer Abschaffung der Gewerbesteuer wissen. Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Roth (CDU) und ihr Münchner Kollege Christian Ude (SPD) kämpfen energisch für den Erhalt der Gewerbesteuer als vermeintlichem Band zwischen Kommunen und Unternehmen.
Dieses Band liegt auch dem Coburger Kämmerer Austen am Herzen. „Wir investieren gut und bleiben so attraktiv“, sagt Austen. Das oberfränkische Städtchen betreibt vier Gymnasien, hält reichlich Kindergartenplätze vor und gewährt Familien Zuschüsse für den Hauskauf. „Das zieht qualifizierte junge Arbeitskräfte an“, erklärt der Kämmerer: „Eine lohnende Investition in unseren Standort.“
Solch ein Band gibt es in Suhl leider nicht. Der dramatische Strukturwandel nach dem Mauerfall hat es zerrissen. Die alte Industrie wurde zerstört, nur die alten Lasten blieben, stellt Oberbürgermeister Triebel fest. Zu DDR-Zeiten war Suhl Bezirksstadt für eine halbe Million Menschen, entsprechend groß fielen die kommunalen Einrichtungen samt Kongresszentrum und Philharmonie aus. Und natürlich Platte, Platte, Platte. Viel Kraft geht für Abriss und Umbau der Häuserblocks drauf, bedauert Triebel. Ein ganzer Stadtteil, Suhl-Nord mit ungeliebten Plattenbauwohnungen für 15.000 Einwohner, soll bis 2025 „konvertiert“ werden und dafür – in der Hoffnung auf Arbeitsplätze – ein Gewerbegebiet entstehen.
Und dass Nachbar Coburg heute so glänzend dastehe, merkt man in Suhl gallig an, sei zudem historischer Zufall: 1919 hatte sich die einstige Residenzstadt des Hauses Sachsen-Coburg in einer Volksabstimmung für Bayern und gegen Thüringen entschieden, was die Coburger später vor der DDR bewahrte.














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Alle Kommentare lesen01.03.2010, 07:47 UhrAnonymer Benutzer: Anton
"Mehr Geld aber, so viel scheint angesichts der ebenfalls leeren bundeskasse gewiss, dürfen die blanken Gemeinden von der Regierungskommission nicht erwarten."
Wenn der bund unter o. g. Prämisse eine sogenannte Reform angeht, würde ich eher vermuten, daß den Kommunen daraufhin weiteres Geld fehlen wird.
Statt wieder nur umzuverteilen, sollte man endlich dieses Finanzunwesen angehen! Mir scheint, hier werden sich nach gusto passende Nebenjobs ausgesucht. Wo man sich aber nicht ranwagt, wird weiter die Arbeit verweigert.
28.02.2010, 20:45 UhrAnonymer Benutzer: WAM
Lobbyorientierte Politik lese ich hier? Die einzige Lobby, die sich hier immer wieder durchsetzt, ist die des staatlichen Personals inkl beamten. Die Städte verschleudern Geld vor allem in 2 bereichen: Prachtbauten und Personalkosten. eine Reform, die das transparent und die Kommunen unabhängiger und damit verantwortlivher macht, ist dringend notwendig.
28.02.2010, 16:45 UhrAnonymer Benutzer: Ogdan Ücügr
Das Spiel ist aus. Wir bürger haben uns in unseren Gemeinde- und Stadträten seit Jahren selbst über jedes vernünftige Maß hinaus alimentiert. Hier ein Posten für einen studierten Sozialarbeiter, da ein Posten für eine Verwaltungsangestellte. Hier ein beheiztes Schwimmbad und da ein Stadttheater. Gratis Sportstätten für die Kumpels von den Vereinen. Schulden machen ging ja so einfach.
Seit den 68ern wurden den Kindern die Kosten für die eigene bildung als Schulden mit auf den Weg gegeben, während die Mitglieder der ehemaligen Kommunen und sozialistischen Experimente das heutige sozial-ökologische Kartell einrichteten und die öffentliche Meinung übernahmen.
Zahlen dürfen das die Selbstständigen und Unternehmer sowie die braven Steuerzahler in den produzierenden betrieben Deutschlands.