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Kommunen: Der Bund reformiert die tiefroten Gemeindefinanzen

von Christian Ramthun (Berlin) und Max Haerder (Berlin)

Viele Kämmerer deutscher Kommunen schreiben tiefrote Zahlen. Anderen geht es gut. Nun will die Bundesregierung die Gemeindefinanzen reformieren. Gewinner und Verlierer kämpfen um ihre Zukunft.

Duisburg Quelle: dpa
Duisburg Quelle: dpa
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Die Stadt mit den höchsten Gewerbesteuer-Einnahmen je Einwohner liegt wo? Nicht jeder denkt gleich an das oberfränkische Coburg. Die 40.000-Seelen-Stadt kam 2008 auf 2668 Euro pro Bürger und verwies damit die Bankenmetropole Frankfurt (2473 Euro) auf den zweiten Platz, die bayrische Landeshauptstadt München folgte mit 1272 Euro erst auf Rang fünf. Darauf sind sie stolz in Coburg; „Made in CO“ lautet ihr kraftstrotzender Slogan.

Dafür hegt und pflegt Stadtkämmerer Wilhelm Austen seine örtlichen Unternehmen, darunter die Versicherung Huk Coburg, der Automobilzulieferer Brose und die Kaeser-Kompressorenwerke. Die kommunalen Einrichtungen sind gut in Schuss. „An unseren Schulen blättert keine Farbe von den Wänden“, sagt Austen. Vor allem aber betont der Coburger Kassenwart: „An der Gewerbesteuer darf nicht gerüttelt werden!“

Und wo ist das Gewerbesteueraufkommen am geringsten? Keine 30 Autominuten von Coburg entfernt, in Suhl. Die für ihre Waffenschmiede bekannte Stadt erzielte 2008 dürftige 184 Euro je Einwohner, noch weniger als die Goethe- und Schiller-Stadt Weimar mit 191 Euro. Der „einst südlichste Zipfel der DDR“, wie Suhls Oberbürgermeister Jens Triebel süßsauer sagt, kämpft noch immer mit den Folgen der Wende, die unter anderem den Fahrzeughersteller Simson in die Pleite trieb und die Bevölkerungszahl von 56.000 auf 40.000 Einwohner schrumpfen ließ. Für seine chronisch unterfinanzierte Stadt wünscht sich der -Suhler OB mehr funktionsgebundene Zuweisungen vom Bund und dem Land Thüringen – und fügt hinzu: „Die Gewerbesteuer ist kein angemessenes und planbares Instrument für die kommunale Finanzierung!“

Stabilere Finanzierung der Gemeinden

Suhl und Coburg liegen überall in Deutschland. Reiche und arme Kommunen bilden einen Flickenteppich quer durch die Republik. Einige leben gut aus eigener Kraft, andere hängen am mehrstufigen föderalen Tropf. Die einen verteidigen vehement die Gewerbesteuer, die anderen könnten gern darauf verzichten.

Nun will die Bundesregierung das heiße Eisen der Kommunalfinanzierung anpacken. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat dafür dem Kabinett am Mittwoch den Entwurf für eine Regierungskommission „Reform der Gemeindefinanzen“ vorlegt. Anfang März könnte die Gruppe dann ihre Arbeit aufnehmen. Ergebnisse soll es noch in diesem Jahr geben, sagt der kommunalpolitische Sprecher der Union, Peter Götz. Mehr Geld aber, so viel scheint angesichts der ebenfalls leeren Bundeskasse gewiss, dürfen die blanken Gemeinden von der Regierungskommission nicht erwarten.

Schäuble setzt eine Vereinbarung aus dem schwarz-gelben Koalitionsvertrag um. Danach soll das Gremium Vorschläge zur Neuordnung der Gemeindefinanzierung erarbeiten und ausdrücklich „auch den Ersatz der Gewerbesteuer durch einen höheren Anteil an der Umsatzsteuer und einen kommunalen Zuschlag auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer mit eigenem Hebesatz prüfen“. So sollen die Kommunen eine stabilere Finanzierung erhalten.

Die Passage trägt die Handschrift des liberalen Koalitionspartners. Dabei denken die Liberalen nicht nur an die Kommunen, sondern auch an die Wirtschaft – und an ihr eigenes Image als Steuerreformpartei. Und doch wittert die FDP erneutes Ungemach vom alten Fuchs Schäuble, der ihr schon die große Steuerreform madig macht. „Wir sind gegen Schäubles Regierungskommission“, sagt FDP-Finanzexperte Frank Schäffler und findet dessen schnellen Vorstoß „irritierend“. Der CDU-Finanzminister wolle, so Schäffler, wohl „Fakten schaffen“ und sei, da er Vertreter der kommunalen Spitzenverbände in die Reformkommission berufe, offenbar nicht sehr an einer Abschaffung der Gewerbesteuer interessiert.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.03.2010, 07:47 UhrAnonymer Benutzer: Anton

    "Mehr Geld aber, so viel scheint angesichts der ebenfalls leeren bundeskasse gewiss, dürfen die blanken Gemeinden von der Regierungskommission nicht erwarten."

    Wenn der bund unter o. g. Prämisse eine sogenannte Reform angeht, würde ich eher vermuten, daß den Kommunen daraufhin weiteres Geld fehlen wird.

    Statt wieder nur umzuverteilen, sollte man endlich dieses Finanzunwesen angehen! Mir scheint, hier werden sich nach gusto passende Nebenjobs ausgesucht. Wo man sich aber nicht ranwagt, wird weiter die Arbeit verweigert.

  • 28.02.2010, 20:45 UhrAnonymer Benutzer: WAM

    Lobbyorientierte Politik lese ich hier? Die einzige Lobby, die sich hier immer wieder durchsetzt, ist die des staatlichen Personals inkl beamten. Die Städte verschleudern Geld vor allem in 2 bereichen: Prachtbauten und Personalkosten. eine Reform, die das transparent und die Kommunen unabhängiger und damit verantwortlivher macht, ist dringend notwendig.

  • 28.02.2010, 16:45 UhrAnonymer Benutzer: Ogdan Ücügr

    Das Spiel ist aus. Wir bürger haben uns in unseren Gemeinde- und Stadträten seit Jahren selbst über jedes vernünftige Maß hinaus alimentiert. Hier ein Posten für einen studierten Sozialarbeiter, da ein Posten für eine Verwaltungsangestellte. Hier ein beheiztes Schwimmbad und da ein Stadttheater. Gratis Sportstätten für die Kumpels von den Vereinen. Schulden machen ging ja so einfach.

    Seit den 68ern wurden den Kindern die Kosten für die eigene bildung als Schulden mit auf den Weg gegeben, während die Mitglieder der ehemaligen Kommunen und sozialistischen Experimente das heutige sozial-ökologische Kartell einrichteten und die öffentliche Meinung übernahmen.

    Zahlen dürfen das die Selbstständigen und Unternehmer sowie die braven Steuerzahler in den produzierenden betrieben Deutschlands.

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