Konflikt mit Russland: Wie Putin die Deutschen polarisiert

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KommentarKonflikt mit Russland: Wie Putin die Deutschen polarisiert

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Wladimir Putin

von Florian Willershausen

Kremlchef Putin vereint in Deutschland Links und Rechts: Die einen huldigen seinem Anti-Amerikanismus, die anderen seiner Politik der Stärke. Jetzt blasen staatliche Auslandsmedien zur Expansion in Deutschland – um dem Zuspruch vom Rand ein Forum zu geben.

Der Kreml geht in Deutschland in die mediale Offensive: Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ will die russische Regierung ihre Mittel für die deutschen Dependancen russischer Staatsmedien massiv aufstocken. Für die Nachrichtenagentur „Russland heute“ sollen künftig mindestens 30 statt zwei Journalisten aus Berlin berichten, zudem ist der Aufbau von zwölf Büros in deutschen Städten geplant. Sie sollen die russische Weltsicht über soziale Medien, Webseiten und per Radiosender rund um die Uhr verbreiten. Außerdem will der Auslandssender „Russia Today“ in der ersten Hälfte des kommenden Jahres ein deutschsprachiges TV-Programm an den Start bringen.

Zumindest an den Rändern des hiesigen politischen Spektrums dürfte die selektiv-provokante Information aus russischem Füllhorn gut verfangen. Das liegt insbesondere an Wladimir Putin: Russlands Präsident schafft es in der deutschen Öffentlichkeit meisterhaft, kritische Köpfe am rechten und linken Ende der Gesellschaft zu einen: Die Linken, so scheint es, imponiert der unverhohlene Anti-Amerikanismus des Kremlchefs. Er stemmt sich gegen Hegemonie-Anspruch und Missionseifer der USA – und spielt den Pazifisten dabei so überzeugend, dass ihm isolationistische Kriegsgegner sogar die Mär von der Nicht-Einmischung in den Ukraine-Konflikt abkaufen.

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Grenzgebiet zu Russland Tausende russische Soldaten in der Ukraine

Hat der Kreml russische Soldaten in die Ukraine geschickt? Der ukrainische Präsident Poroschenko behauptet das, Russland dementiert. Doch viele Hinweise sprechen für tausende russische Soldaten in der Ukraine.

Reuters-Reporter beobachteten Militärfahrzeuge im russischen Grenzgebiet zur Ukraine, die die Grenze überquerten - allerdings ohne die üblichen militärischen Identifikationsmerkmale Quelle: REUTERS

Stimmungsmache gegen Homosexuelle

Am rechten Rand punktet Putin gleich mehrfach: Stimmungsmache gegen Homosexuelle verfängt bei christlichen Ultra-Konservativen, die mit wachsendem Liberalismus und westlicher Toleranz-Kultur fremdeln. Vor allem mag Putins demonstrative Politik der Stärke jene beeindrucken, die mit der diskursiven Debattenkultur a là Brüssel wenig anzufangen wissen. Einer wie Putin, der die Krim mit einer cleveren Geheimdienst-Aktion „heimholt“, taugt als Idol für die Fans von Bismarck bis Sarrazin. Und wirkt zugleich als Anti-Modell zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die lieber aussitzt als aneckt und überhaupt viele Konservative heimatlos gemacht hat.

Deutschlands politische Elite hat es sich in der Mitte bequem gemacht – nun versucht Russland von den Rändern her, einen Keil zwischen Wähler und Establishment zu treiben. Russlands staatliche Medien sollen in Deutschland „Kriegs- und Globalisierungsgegner, sowie Konservative und Gegner homosexueller Propaganda“ ansprechen, zitiert das „Wall Street Journal“ einen russischen Regierungsvertreter in Berlin. Glaubt man der Lesart russischer Staatsmedien, steht Europa unter Vormundschaft der USA, deren Ziel die Weltherrschaft und das Kleinhalten Russlands als Großmacht ist. Toleranz für gleichgeschlechtliche Ehen führt demnach zum Untergang der europäischen Zivilisation. Und in Kiew herrschen angeblich Faschisten, die einen vom Westen finanzierten Krieg gegen die russische Bevölkerung führen.

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Verschwörungstheorien, Relativierungen, einseitige Information

So plump werden die Auslandsmedien des Kremls ihre Propaganda hierzulande sicher nicht verbreiten. Aber selbst wenn nur ein Minderheit der Deutschen anfällig ist für Verschwörungstheorien, Relativierungen und einseitige Information: Es wird genügen, um den Glauben in die Vorzüge der westlichen Wertegemeinschaft ein wenig mehr zu erschüttern. Wohlstand, Freiheit und Sicherheit sind für viele Europäer so selbstverständlich geworden, dass man ihren Wert nicht mehr recht zu schätzen weiß.

Für deutsche Qualitätsmedien muss dies bedeuten, mit Vor-Ort-Recherchen mehr denn je fair und kritisch zugleich über die Lage gerade in Osteuropa zu berichten – ohne sich von Anfeindungen irritieren zu lassen, die dieser Tage kübelweise in den Kommentarspalten abgeladen werden. Letztlich ist es die Aufgabe auch von Politik und gesellschaftlichen Akteuren, dass die Europäer über ein neues Narrativ von Europa zum Glauben an Freiheit und Demokratie zurückfinden. Oder träumt hierzulande wirklich jemand von den Freiheiten in Putins Russland?

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