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Konjunktur: Das neue deutsche Wirtschaftswunder

von Noch Fragen? malte.fischer@wiwo.de und rolf ackermann

Die Konjunktur brummt, die Unternehmen schaffen neue Jobs, die Stimmung ist so gut wie seit Jahren nicht. Wie stark der Aufschwung wird und wer davon profitiert.

In den Büros an der Kleine Märkerstraße 8 in Halle brennen die Lichter in diesen Tagen bis in die späten Abendstunden. In der schmucken Altbauresidenz des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle brüten die Konjunkturexperten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute über dem Frühjahrsgutachten zur Lage der deutschen Wirtschaft, das sie an diesem Donnerstag Bundeswirtschaftsminister Michael Glos überreichen werden. Bei den Forschern dürfte Wehmut herrschen. Denn es ist das letzte Gutachten, das sie in dieser Runde erstellen. Die Regierung will die Gemeinschaftsdiagnose reformieren – und vom Herbst an weniger Institute damit betrauen. Trotz der gedrückten Stimmung dürfte das Gutachten der Institute vor Optimismus strotzen. Denn die deutsche Konjunktur läuft blendend. Die Auftragsbücher der Unternehmen sind prall gefüllt, die Kapazitäten bis zum Anschlag ausgelastet, die Stimmung so gut wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Um mit der Nachfrage Schritt zu halten, investieren die Betriebe in neue Maschinen und Anlagen und stellen zusätzliche Mitarbeiter ein. Eine exklusive Umfrage des Münchner ifo Instituts für die WirtschaftsWoche unter knapp 680 Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen zeigt: 42 Prozent der Unternehmen wollen ihre Investitionen in diesem Jahr erhöhen. Und, eine kleine Sensation: Für die meisten steht dabei nicht mehr die Rationalisierung, sondern die Ausweitung der Produktionskapazitäten im Vordergrund. Ein Drittel plant, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen. Nur noch jeder zehnte Betrieb will Personal entlassen. Kein Wunder, dass bei so guten Nachrichten auch unter eher vorsichtigen Konjunkturbeobachtern nun der Optimismus ausbricht. „Die lang anhaltende Wachstumsschwäche ist überwunden“, jubeln die Ökonomen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, die in den vergangenen Jahren stets zu den größten Skeptikern der Zunft zählten. Nach dem überraschend starken Wachstum von 2,7 Prozent 2006 trauen die Forscher von der Förde Deutschland in diesem Jahr sogar ein BIP-Plus von 2,8 Prozent zu. Auch die meisten Bankvolkswirte gehen von deutlich mehr als zwei Prozent Wachstum aus. Auch für nächstes Jahr haben die meisten Auguren ihre Prognosen auf mehr als zwei Prozent nach oben revidiert. Ist aus dem „kranken Mann Europas“ binnen weniger Jahre tatsächlich eine neue Wachstumslokomotive für den Kontinent geworden? Erleben wir derzeit den Beginn eines neuen Wirtschaftswunders? Oder übertünchen die derzeitigen Erfolgsmeldungen nur die nach wie vor bestehenden strukturellen Risiken für die Konjunktur?

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Tatsache ist: Trotz Anhebung der Mehrwertsteuer zu Jahresbeginn steht die deutsche Wirtschaft zurzeit unter Volldampf. Der kräftige Boom in der Weltwirtschaft beschert den Exporteuren glänzende Geschäfte. Mit Warenexporten von knapp 894 Milliarden Euro sicherte sich Deutschland 2006 zum vierten Mal in Folge den Titel des Exportweltmeisters. Dabei profitieren die Unternehmen davon, dass sie auf allen wichtigen Wachstumsmärkten in Asien, Osteuropa und dem Nahen Osten überdurchschnittlich aktiv sind. Und exakt die Produkte anbieten, die die aufstrebenden Schwellenländern benötigen: Maschinen, Anlagen, Autos, elektrotechnische und chemische Erzeugnisse. Die boomenden Geschäfte im Ausland haben dazu geführt, dass die Unternehmen wieder mehr Geld in die Erweiterung ihrer Produktionskapazitäten auch im Inland investieren. Davon profitiert sogar die Bauwirtschaft. Dank des steigenden Bedarfs der Betriebe an Lagerhallen, Logistikzentren und Verwaltungsgebäuden konnte die Baubranche im vergangenen Jahr ihre zehnjährige Talfahrt beenden. Mehr Jobs. Aber nicht nur für neue Maschinen, Anlagen und Gebäude geben die Unternehmen mehr Geld aus. Seit einigen Monaten stellen sie auch wieder mehr Personal ein. Von Januar 2006 bis Januar 2007 fanden weit mehr als 600.000 Menschen einen neuen, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. Heuerten die Firmen anfangs vorwiegend Zeitarbeiter an, sind sie nun auch bereit, feste Mitarbeiter einzustellen. Beispiel Duravit. Bei dem Badhersteller aus dem Schwarzwald kletterte der Umsatz im vergangenen Jahr infolge der anziehenden Baukonjunktur um 23 Prozent. Auch in diesem Jahr rechnet Vorstandschef Franz Kook wieder mit einem zweistelligen Umsatzplus. Mehr als 70 Prozent des Umsatzes erzielt Duravit im Ausland, und schaffte rund 80 neue Jobs im Inland.

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