KommentarKonjunktur: Die Ängstlichen

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Frachtcontainer werden im Hamburger Hafen für den Export verladen

Der deutschen Wirtschaft geht es glänzend. Dennoch droht ihr ein Abschwung. Der private Verbauch der Deutschen wird im dritten Quartal zu gering sein, um den schwächelnden Export auszugleichen.

Der Schriftsteller Peter Henning hat so etwas wie die Buddenbrocks des 21. Jahrhunderts verfasst. Seine in der Literaturszene bejubelte Chronik einer deutschen Musterfamilie ist eine zynische Komödie und ein Porträt der deutschen Gesellschaft. "Die Ängstlichen" lautet der Buchtitel. Es ist zugleich sein Resümee. Von der Angst der Deutschen können Ökonomen ein Lied singen. Doch gerade jetzt ist Mut gefragt. Wenn weltweit die Schuldenkrise tobt und europäische Nachbarn zunehmend unter Beschuss geraten, sind ängstliche Verbraucher Gift für die deutsche Wirtschaft.

Experten dampfen ihre Prognosen ein

Noch läuft die deutsche Konjunktur. Doch die jüngsten Daten geben einen Vorgeschmack darauf, wie schnell sich ein kräftiger Aufschwung in einen kräftigen Abschwung wandeln könnte. Um lediglich 0,1 Prozentpunkte wuchs die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal. Ökonomen hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg von 0,5 Prozent gerechnet. Zahlreiche Volkswirte korrigierten daraufhin ihre Erwartungen für das Gesamtjahr. Die Commerzbank senkte etwa ihre Prognose von 3,4 auf 3,0 Prozent. Das ist zwar immer noch ordentlich, doch die Gefahr ist groß, dass die Ökonomen ihre Voraussagen in den nächsten Monaten weiter nach unten drücken müssen.

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Exportnation in Not

Eigentlich könnte es mit der deutschen Wirtschaft weiter aufwärtsgehen. Die Unternehmen verdienen prächtig, die Lage auf dem Kreditmarkt ist nach wie vor entspannt, und die Beschäftigung steigt. Hinzu kommt: Für den unerwartet starken Wachstumseinbruch im zweiten Quartal sind auch Sondereffekte verantwortlich. Dennoch haben sich die Aussichten für die deutsche Wirtschaft merklich eingetrübt. Auslöser ist der Außenhandel: Die Importe wachsen schneller als die Exporte. Dieser Trend droht sich in den kommenden Monaten zu beschleunigen.

Bereits im Juni verkauften die deutschen Exporteure 1,2 Prozent weniger als im Mai. Rutscht die Weltkonjunktur in eine Rezession, wie viele Auguren befürchten, könnte die Exportnation Deutschland in Not geraten. Der größte Teil der deutschen Ausfuhren geht in die Mitgliedsländer der Währungsunion. Schon jetzt gehen Ökonomen davon aus, dass der Rest der Euro-Zone im kommenden Jahr nur um 1,1 Prozent wachsen wird. Selten war eine starke Binnennachfrage so wichtig, um die Konjunktur zu stützen. Stattdessen bremst der Konsum den Aufschwung.

Die Angst vor einer Krise sitzt den Deutschen in den Knochen. Im dritten Quartal wird der private Verbrauch laut Berechnungen des Berliner Instituts für Deutsche Wirtschaftsforschung lediglich um 0,1 Prozent zulegen. Das ist viel zu wenig, um die schwächelnden Exporte abzufangen und die Konjunktur anzutreiben. So wird die Angst vor einem Abschwung früher oder später zum Selbstläufer. Den deutschen Verbrauchern fehlt leider etwas, was der tschechische Autor Milan Kundera als unerträglich beschrieb: Eine gewisse Leichtigkeit des Seins.

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