Konjunktur : DIW-Präsident Zimmermann warnt vor längerer Kurzarbeit

Konjunktur : DIW-Präsident Zimmermann warnt vor längerer Kurzarbeit

Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), erwartet den Höhepunkt der Jobkrise erst 2010. Außerdem rechnet Zimmermann spätestens im kommenden Jahr mit höheren Beiträgen für die Arbeitslosenversicherung.

Allerdings hält der DIW-Chef Szenarien von fünf Millionen Arbeitslosen im nächsten Jahr für übertrieben.

Zimmermann: „Wir werden kein neues Zeitalter der Verelendung und Massenarbeitslosigkeit erleben. Weil es um Fachkräfte geht, die man im nächsten Aufschwung dringend braucht, versuchen die Betriebe, die Leute so lange zu halten, bis es wirklich nicht mehr geht.“

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Auch ein Ende des Zeitarbeit-Booms ist laut Zimmermann nicht in Sicht: „Zeitarbeit wird sogar weiter zunehmen.“ Schon jetzt gebe es Betriebe mit Großaufträgen, die Zeitarbeiter anheuerten, weil ihnen Festanstellungen zu riskant sind.

Damit der Jobabbau gestoppt wird oder gar neue Arbeitsplätze entstehen, muss die Wirtschaft nach Zimmermanns Einschätzung „um 1,3 bis 1,5 Prozent“ wachsen: „Es dürfte uns in den nächsten Jahren aber schwerfallen, diese Wachstumsraten zu erreichen.“

Der DIW-Chef kritisiert die Arbeitsmarktpolitik der Großen Koalition

Einer Verlängerung des Bezugs von Kurzarbeitergeld von 18 auf 24 Monate, wie sie die Bundesregierung erwägt, steht Zimmermann skeptisch gegenüber. „Wenn sich die Lage bis Herbst 2010 nicht entspannt, müsse man das Instrument generell infrage stellen.

Es bestehe sonst die Gefahr, so Zimmermann, dass die Aufarbeitung von Schwächen einzelner Unternehmen und Branchen verhindert und die strukturelle Anpassung verzögert werde.

Die verlängerte Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld dürfe „auf keinen Fall zum Dauerzustand werden. Die Regierung muss sie nach dem Ende der Krise wieder auf sechs Monate zurückführen.“

Ohnehin vertraut der Wirtschaftsexperte der Arbeitsmarktpolitik der Großen Koalition kaum und rechnet fest mit einer Beitragserhöhung bei der Arbeitslosenversicherung: „Die Regierung wartet nur die Wahl ab. Spätestens 2010 ist die Erhöhung fällig.“

Zimmermann forderte im Gespräch mit der WirtschaftsWoche zudem eine schnelle Lösung für die Jobcenter. „Dass die Neuorganisation der Arbeitsvermittlung gescheitert ist, halte ich für verantwortungslos. Hier betreiben die Parteien politische Spielchen auf dem Rücken der Langzeitarbeitslosen.“

Es sei versäumt worden, so Zimmermann weiter, die "Arbeitsvermittlung vernünftig zu evaluieren.“ Der DIW-Chef: „Auch nach Jahren wissen wir nicht, wer bessere Arbeit leistet, die Kommunen, die sich in Eigenregie um Hartz-IV-Empfänger kümmern, oder die Arbeitsgemeinschaften von Arbeitsagentur und Kommune. Langfristig macht es keinen Sinn, zwei Systeme nebeneinander laufen zu lassen. Hier muss eine schnelle Entscheidung her – notwendigerweise noch vor der Wahl.“

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