Konjunkturgipfel: Ein neues Bündnis für Arbeit

KommentarKonjunkturgipfel: Ein neues Bündnis für Arbeit

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WirtschaftsWoche-Reporterin Cornelia Schmergal

Der Konjunkturgipfel im Kanzleramt erinnert erstaunlich an die Konsens-Runden vergangener Krisen - und längst vergangener Regierungen.

Es sind 30 höchst illustre Gäste, die heute im Kanzleramt über die Konjunkturlage beraten. BDI-Präsident Hans-Peter Keitel ist dabei, DGB-Chef Michael Sommer oder Konzernchefs wie Telekom-Lenker René Obermann oder Deutsch-Banker Josef Ackermann. Und ihre Wunschliste ist in etwa so lang wie die Wirtschaftslage undurchsichtig: Weniger Sozialabgaben wünschen die Arbeitgeber, mehr Kredite von den Banken erhofft die Industrie und ein neues Konjunkturpaket ersehnen die Gewerkschaften.

Von diesem Gipfel, so viel ist klar, wird man vielleicht keine konkreten Ergebnisse erwarten dürfen und schon gar kein drittes Konjunkturpaket. Viel zu unterschiedlich sind die Interessenlagen und viel zu unrealistisch ist die Vorstellung, man könne es Unternehmen einfach staatlich verordnen, an jedem einzelnen Arbeitsplatz festzuhalten. Nein, im Kanzleramt geht es heute schlicht darum, zu reden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Kurz: die Stimmung zu verbessern. Das mag butterweich klingen – und ist in der Krise doch nicht zu unterschätzen.

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Pragmatisch in der Krise

Manager im Allgemeinen und Bankmanager im Besonderen müssen sich derzeit mit einem Ruf als kollektives Feindbild abfinden. Zumindest öffentlich. In vielen Betrieben sieht die Wahrheit ganz anders aus: In der Krise arbeiten Unternehmenschefs und Betriebsräte vor Ort gemeinsam an unkonventionellen Lösungen und Bündnissen, um Arbeitsplätze zu erhalten. Und selbst im Verhältnis von Spitzenverbänden, Bundesregierung und Gewerkschaften ist ein neuer Ton eingezogen. In der Krise will man zusammen arbeiten, nicht gegeneinander. Ganz pragmatisch.

Noch in jeder Wirtschaftskrise besannen sich auch die Regierungen auf den bundesrepublikanischen Korporatismus und suchten nach einer einvernehmlichen Lösung. Die Namen wechselten, die Idee blieb gleich. Karl Schiller schuf die konzertierte Aktion. Gerhard Schröder das Bündnis für Arbeit. Inzwischen denken auch aktuelle Regierungsmitglieder darüber nach, die Runde wieder zu beleben. Es wäre in der Konjunkturkrise keine schlechte Idee. Selbst wenn es nur darum gehen kann, die Stimmung im Lande zu heben.

DGB-Chef Sommer sollte man allerdings einen Rat geben: Bei einem Konjunkturgipfel im Kanzleramt geht es vor allem darum, Gemeinsamkeiten zu suchen. Vor einem solchen Treffen mit „sozialen Unruhen“ zu drohen, ist mehr als schlechter Stil. Es ist gänzlich kontraproduktiv.

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