
Falls Sie diese Kasse bisher nicht kannten: Macht nichts, unter den rund 150 Kassen gehört sie mit 400.000 Versicherten nicht in die Top-Liga. Und trotzdem ist sie jetzt in aller Munde: Die Hanseatische Krankenkasse (HEK) schafft die Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal bei Zahnarztbesuchen ab und will ihren Kunden das Geld über ein Bonusprogramm gutschreiben. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat prompt in der "Bild" die übrigen gesetzlichen Krankenkassen aufgefordert, dem Beispiel zu folgen. Er begrüße, dass die HEK als erste Kasse die Versicherten am derzeitigen Finanzüberschuss beteilige. "Zudem wird so ein zusätzlicher Anreiz für mehr Zahngesundheit gesetzt, das sollte Schule machen", so der Gesundheitsminister.
Zugleich fordert HEK-Chef Horst Wittrin vom Gesetzgeber, die Pflicht zur Praxisgebühr bei gesetzlich Krankenversicherten generell abzuschaffen. Die Praxisgebühr habe keinerlei Steuerungsfunktion und verursache unnötige Bürokratiekosten. Stimmt.
Bild: APKrank gespart
Die gesetzlichen Krankenkassen haben seit dem einheitlichen Krankenkassenbeitrag kaum noch eine Möglichkeit Mitglieder zu locken. Auch der Zusatzbeitrag ist zumindest auf absehbare Zeit bei keiner der Kassen ein Thema. Die letzten Kleinigkeiten, mit denen die Kassen sich attraktiver darstellen können sind freiwillig und jederzeit zu revidieren. Über Kürzungen werden die Mitglieder meist nur dezent und manchmal erst auf Nachfrage informiert. Eine Aufstellung, welche Kasse, welche Leistung streicht, ist nicht möglich, da viele Kassen über Ihre Pläne noch nicht abschließend beraten haben. Den Kunden bleibt nur, selber bei Ihrer oder einer anderen Krankenkasse nachzufragen, ob und in welchem Maße die freiwilligen Leistungen eingeschränkt werden. Dies betrifft vor allem die freiwillig Versicherten Mitglieder, die für die Krankenkassen in aller Regel besonders attraktive Mitglieder sind. Wenngleich Krankenkassen keine Aufnahmeanträge ablehnen dürfen, ist es gängige Praxis, jungen gesunden Mitgliedern etwas zu bieten und älteren Interessenten mit Hinweis auf eingeschränkte Leistungen die Mitgliedschaft wenig attraktiv erscheinen zu lassen. Nachfolgend eine Liste mit freiwilligen Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen, die Sie als Mitglied nutzen können und die bares Geld sparen können. Fragen Sie bei den Punkten, die Ihnen wichtig sind, bei Ihrer Krankenkasse nach, ob diese auch 2012 noch die freiwilligen Leistungen erfüllen oder sie schmälern wird.
Bild: Robert Kneschke - Fotolia.comZahnprophylaxe
Gesunde Zähne sind viel wert. Die jährliche Vorsorgeuntersuchung ist wichtig, um nicht etwaige Zuschüsse beim Zahnersatz zu verlieren. Allein aus hygienischen Gründen empfiehlt sich zusätzlich die professionelle Zahnreinigung oder Prophylaxe. Einige Krankenkassen zahlten bis Ende 2011 noch zwei dieser Reinigungen pro Jahr. Künftig kann es sein, dass die Prophylaxe, die je nach Zahnarzt zwischen 50 und 200 Euro kosten kann, nur noch einmal im Jahr übernommen wird.
Bild: dpaBonusheft
Mit gesundem Lebensstil Geld sparen – das ist das Versprechen der Bonushefte, mit denen verschiedene Krankenkassen Geld ausbezahlen, zum Beispiel für einen gesunden Body Mass Index, die Bestätigung Nichtraucher zu sein oder der aktiven Mitgliedschaft in einem Sportverein. Wer das Bonusheft 2012 neben die Ausgabe von 2011 legt, kann unter Umständen feststellen, dass die ausgelobten Prämien von 20 auf 10 Euro halbiert werden oder die Hürden deutlich höher gelegt werden. Grundsätzlich werden die Scheckhefte auch weiterhin angeboten, die einzelnen Auflagen aber strenger gehandhabt.
Bild: Robert Kneschke - Fotolia.comGesundheitskurse
Auf Kosten der Krankenkasse zum Yoga oder Rückentraining – der Zuschuss wird unter Umständen gesenkt. Einzelne Kassen tragen künftig nicht mehr die vollen Kosten, sondern nur noch anteilig und unter Umständen nur bis zu einem Maximalbetrag, der unter den Kosten des Kursus liegen kann.
Bild: gmsAkupunktur
Mit Nadeln gegen den Schmerz – eine umstrittene Therapie, die bislang nicht vom gesetzlichen Katalog der Leistungen umfasst wurde. Einige Kassen haben die Therapie dennoch getragen. Das kann 2012 anders sein.
Bild: dpaImpfungen
Bei einer Safari wilde Tiere sehen oder im Dschungel ganz nah bei den Tieren sein – manche Reisen bergen das Risiko, sich mit Malaria oder einer anderen Krankheit anzustecken. Impfungen bei Auslandsreisen sind eine freiwillige Leistung der Krankenkasse, die schnell auf die Prüf- und anschließend die Streichliste der Kasse kommen kann.
Bild: Peter Atkins - Fotolia.comHeilmittel
Nach einer Operation helfen Schienen oder Bandagen, die Wunde oder den Bruch schneller heilen zu lassen. Im besten Falle sind dies angepasste Modelle. Künftig kann es passieren, dass Ihre Kasse nur noch die Kosten für die Schiene von der Stange übernimmt. Das kostet Sie zwar erstmal nicht mehr Geld, wenn Sie jedoch die bestmögliche Versorgung wünschen, müssen sie unter Umständen bei Ihrer Kasse selbst in die Tasche greifen.
Bild: dpaKuren
Eltern-Kind-Kuren gehören für viele Kassen zu den Lockangeboten, mit denen vor allem junge Familien als Mitglieder geworben werden. Die Zusage zu erhalten könnte jedoch je nach Vorgaben der Krankenkasse immer schwieriger werden. Da lohnt es sich, die genauen Vorgaben anzuschauen.
Bild: dpaRehabilitation
Die Erholung nach einer schweren Operation trägt maßgeblich zur vollständigen Genesung bei. Künftig kann es Ihnen passieren, dass Ihre Krankenkasse zum einen den Aufenthalt in einer Rehaklinik ablehnt und Sie auffordert, diese ambulant von daheim aus zu gestalten und ferner, dies Reha-Phase auch von vier auf drei Wochen zu verkürzen. Sollte bei Ihnen eine Operation absehbar sein, lohnt es sich zu fragen, was Ihre Kasse künftig leisten wird.
Krank gespart
Die gesetzlichen Krankenkassen haben seit dem einheitlichen Krankenkassenbeitrag kaum noch eine Möglichkeit Mitglieder zu locken. Auch der Zusatzbeitrag ist zumindest auf absehbare Zeit bei keiner der Kassen ein Thema. Die letzten Kleinigkeiten, mit denen die Kassen sich attraktiver darstellen können sind freiwillig und jederzeit zu revidieren. Über Kürzungen werden die Mitglieder meist nur dezent und manchmal erst auf Nachfrage informiert. Eine Aufstellung, welche Kasse, welche Leistung streicht, ist nicht möglich, da viele Kassen über Ihre Pläne noch nicht abschließend beraten haben. Den Kunden bleibt nur, selber bei Ihrer oder einer anderen Krankenkasse nachzufragen, ob und in welchem Maße die freiwilligen Leistungen eingeschränkt werden. Dies betrifft vor allem die freiwillig Versicherten Mitglieder, die für die Krankenkassen in aller Regel besonders attraktive Mitglieder sind. Wenngleich Krankenkassen keine Aufnahmeanträge ablehnen dürfen, ist es gängige Praxis, jungen gesunden Mitgliedern etwas zu bieten und älteren Interessenten mit Hinweis auf eingeschränkte Leistungen die Mitgliedschaft wenig attraktiv erscheinen zu lassen. Nachfolgend eine Liste mit freiwilligen Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen, die Sie als Mitglied nutzen können und die bares Geld sparen können. Fragen Sie bei den Punkten, die Ihnen wichtig sind, bei Ihrer Krankenkasse nach, ob diese auch 2012 noch die freiwilligen Leistungen erfüllen oder sie schmälern wird.
Verbesserung des Images
Trotzdem ist der HEK-Vorstoß vor allem eine gute Marketingmaßnahme in Zeiten des einheitlichen Beitrags für alle Kassen. Seitdem können sich die Wettbewerber im Kampf um Kunden nicht mehr durch günstigere Beiträge von der Konkurrenz absetzen. So schön die HEK-Offerte klingt: Sie gilt ausschließlich für Zahnarztbesuche und auch nur dann, wenn der HEK-Kunde einen jährlichen Zahn-Check beim Arzt nachweisen kann. Treibt das manchen Bohrer-Verweigerer nun doch rechtzeitig in die Praxis, würde es der Kasse langfristig auch Behandlungskosten ersparen.
Ob aber andere Kassen zur Freude der Kunden nachziehen? Danach sieht es bisher konkret nicht aus. Dennoch freuen sich viele Mitwerber über den schlagzeilenträchtigen Vorstoß aus Hamburg: Er poliert das Image der GKV als Rächer der Versicherteninteressen gegenüber unsozialen Politikern in Berlin.
Aber viele Kassen sind viel zu klamm, als dass sie sich den Verzicht auf Praxisgebühr freiwillig leisten könnten. Wegen der hochgradig mangelhaften Transparenz der Kassen-Bilanzen kann das nur kaum ein Kunde erkennen.
Die HEK kann die Summe verschmerzen. Vorbehaltlich das Aufsichtsamt segnet den Deal noch ab – davon ist auszugehen – kostet die Maßnahme die HEK-Kasse 2,5 Millionen Euro ihres 916 Millionen Euro schweren Haushalts.














