Krankenkassen: Abschaffung poliert Image

KommentarKrankenkassen: Abschaffung poliert Image

Bild vergrößern

Versicherte der HEK können sich freuen: Bei Zahnarztbesuchen entfallen für sie künftig die zehn Euro Praxisgebühr, wenn sie einen jährlichen Zahn-Check nachweisen können

von Anke Henrich

Die hohen Krankenkassen-Überschüsse wecken Begehrlichkeiten. Die erste Krankenkasse schafft die Praxisgebühr ab. Eine gelungene PR-Maßnahme.

Falls Sie diese Kasse bisher nicht kannten: Macht nichts, unter den rund 150 Kassen gehört sie mit 400.000 Versicherten nicht in die Top-Liga. Und trotzdem ist sie jetzt in aller Munde: Die Hanseatische Krankenkasse (HEK) schafft die Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal bei Zahnarztbesuchen ab und will ihren Kunden das Geld über ein Bonusprogramm gutschreiben. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat prompt in der "Bild" die übrigen gesetzlichen Krankenkassen aufgefordert, dem Beispiel zu folgen. Er begrüße, dass die HEK als erste Kasse die Versicherten am derzeitigen Finanzüberschuss beteilige. "Zudem wird so ein zusätzlicher Anreiz für mehr Zahngesundheit gesetzt, das sollte Schule machen", so der Gesundheitsminister.

Zugleich fordert HEK-Chef Horst Wittrin vom Gesetzgeber, die Pflicht zur Praxisgebühr bei gesetzlich Krankenversicherten generell abzuschaffen. Die Praxisgebühr habe keinerlei Steuerungsfunktion und verursache unnötige Bürokratiekosten. Stimmt.

Anzeige

Verbesserung des Images

Trotzdem ist der HEK-Vorstoß vor allem eine gute Marketingmaßnahme in Zeiten des einheitlichen Beitrags für alle Kassen. Seitdem können sich die Wettbewerber im Kampf um Kunden nicht mehr durch günstigere Beiträge von der Konkurrenz absetzen. So schön die HEK-Offerte klingt: Sie gilt ausschließlich für Zahnarztbesuche und auch nur dann, wenn der HEK-Kunde einen jährlichen Zahn-Check beim Arzt nachweisen kann. Treibt das manchen Bohrer-Verweigerer nun doch rechtzeitig in die Praxis, würde es der Kasse langfristig auch Behandlungskosten ersparen.

Weitere Links zum Thema

Ob aber andere Kassen zur Freude der Kunden nachziehen? Danach sieht es bisher konkret nicht aus. Dennoch freuen sich viele Mitwerber über den schlagzeilenträchtigen Vorstoß aus Hamburg: Er poliert das Image der GKV als Rächer der Versicherteninteressen gegenüber unsozialen Politikern in Berlin.

Aber viele Kassen sind viel zu klamm, als dass sie sich den Verzicht auf Praxisgebühr freiwillig leisten könnten. Wegen der hochgradig mangelhaften Transparenz der Kassen-Bilanzen kann das nur kaum ein Kunde erkennen.

Die HEK kann die Summe verschmerzen. Vorbehaltlich das Aufsichtsamt segnet den Deal noch ab – davon ist auszugehen – kostet die Maßnahme die HEK-Kasse 2,5 Millionen Euro ihres 916 Millionen Euro schweren Haushalts.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%