Krankenkassen: Werbung statt Zusatzbeitrag

KommentarKrankenkassen: Werbung statt Zusatzbeitrag

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Katharina Koufen

Die Werbekosten der gesetzlichen Krankenkassen sind seit der Einführung des Gesundheitsfonds drastisch gestiegen.

Laut dem Marktforschungsinstitut TMC Thomson Media Control erhöhten sich die Kosten bei der Barmer Ersatzkasse um 83 Prozent auf fast vier Millionen, die KKH-Allianz vervielfachte ihre Ausgaben sogar von 293.000 Euro auf fast 2,5 Millionen Euro. Die AOK investierte fast 9,5 Millionen, das sind 28 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, die DAK fast 2,5 Millionen und die Techniker Krankenkasse knapp 900.000 Euro. Dieser Kostenanstieg ist kein Wunder - schließlich ist es wegen des Einheitsbeitrags nicht mehr so einfach, sich posititv von der Konkurrenz abzuheben. Und klüger, als einen Zusatzbeitrag zu erheben, ist teure Werbung allemal.

Jetzt gibt es schon einen Einheitsbeitrag, mögen sich manche Leute denken – und dann haben die Krankenkassen nichts besser zu tun, als die Gelder, die sie aus dem Gesundheitsfonds erhalten, in Werbung zu stecken! Wozu?

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Dass viele Kassen ihre Werbekosten drastisch erhöht haben, hat seinen guten Grund. Gerade wegen des Einheitsbeitrags, der vom Staat festgelegt wurde, hatten DAK, Barmer und Co erst mal keine Chance mehr, mit niedrigen Beitragsätzen Kunden zu locken. Sie müssen sich stattdessen durch besonders attraktive Angebote von der Konkurrenz abheben – und dafür werben.

Synergieeffekte durch Fusionen

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Bild: obs

Denn je mehr Mitglieder, desto besser - gilt doch seit der Einführung des Gesundheitsfonds Anfang diesen Jahres die Devise: big is beautiful. Früher konnten auch kleine Kassen überleben, wenn sie es schafften, viele gute Risiken, also junge gesunde Gutverdiener, an sich zu binden. Dieses Kalkül geht nicht mehr auf, der Fonds nivelliert die Unterschiede zwischen krank und gesund sowie reich und alt. Der Trend geht daher entweder zum Kassenwachstum – oder zur Kassenfusion. Es wird in den kommenden Jahren eine Marktbereinigung geben, viele kleinere Wettbewerber werden sich mit größeren zusammentun, oder verschwinden.

Dieser Entwicklung einen Schritt voraus ist die KKH-Allianz. Sie ist das Produkt zweier fusionierter Kassen, der gesetzlichen KKH und der privaten Allianz. Und nicht durch Zufall ist die KKH die Kasse, deren Werbekosten im vergangen Jahr am stärksten gestiegen sind: Sie haben sich fast verzehnfacht. Denn sämtliche Allianz- und KKH-Mitglieder werden angeschrieben und über die Kooperation informiert. Die Kasse hofft, dass gesetzlich Versicherte mit einer Zusatzversicherung bei der Allianz vermehrt in die KKH wechseln – und umgekehrt sollen den KKH-lern die Vorzüge einer privaten Zusatzversicherung bei der Allianz schmackhaft gemacht werden. „Synergieeffekte“ nennt man das.

Gelingt es einer Kasse nicht, genügend Versicherte zu werben, bleibt ihr im schlimmsten Falle nur noch der Ausweg, einen Zusatzbeitrag zu erheben. Doch diesen Schritt scheuen die gesetzlichen Kassen wie der Teufel das Weihwasser – lieber gegen sie viel Geld für Werbung aus. Denn eine zusätzliche Belastung der Versicherten würde mit Sicherheit höhere Folgekosten nach sich ziehen als ein hoher Marketingetat. Der Zusatzbeitrag würde den Mitgliedern gesondert in Rechnung gestellt, jeder Beitragszahler würde also – anders als sonst bei Beitragserhöhungen - mitbekommen, dass seine Kasse schlecht haushaltet, und womöglich zur Konkurrenz wechseln.

Und für alle, die sich trotzdem noch darüber aufregen, dass ihre Techniker beispielsweise Plakate drucken lässt, anstatt die eigene Krankengymnastik zu bezahlen, ein kleiner Trost: Insgesamt geben die gesetzlichen Krankenkassen rund 160 Milliarden Euro aus. Die 879.424 Euro Werbekosten der TK beispielsweise sind dagegen - sorry - peanuts!

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