Krankenversicherungen: Gut versorgt war gestern

Krankenversicherungen: Gut versorgt war gestern

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City BKK

von Cornelia Schmergal und Cordula Tutt

Die Deutschen sind von der Krankenversicherung enttäuscht. Mit der ersten Kassenpleite droht der Akzeptanzverlust. Über die Ohnmacht der Versicherten.

Das Urteil erstreckt sich über 316 Seiten, und es fällt vernichtend aus: In Deutschland verliere das Gesundheitssystem „an der notwendigen Legitimation seitens der Patienten“. Das Vertrauen in die Krankenversicherungen sei in den vergangenen zehn Jahren „massiv erschüttert“ worden. Frage man die Zeitgenossen zwischen Rostock und Rosenheim nach ihrem Blick auf das Gesundheitssystem, so gäbe es drei verschiedene Aussagen: „Intransparenz des Systems, Ohnmacht des Einzelnen, Zukunftsangst.“ Man könnte es auch die Wahl zwischen Pest und Cholera nennen.

In einer umfassenden Untersuchung hat das Heidelberger Sinus-Institut im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung erstmals die Einstellung der Deutschen zur medizinischen Versorgung untersucht. „Chancengerechtigkeit im Gesundheitssystem“, heißt die Studie, und ihre Ergebnisse sind alarmierend: Die zwangsverpflichteten Beitragszahler haben den Glauben in eine gute Versorgung verloren – die Versicherung steckt in der Sinnkrise.

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Die Ereignisse der vergangenen Wochen tun ein Übriges, das restliche Vertrauen zu zerstören. Nach der Insolvenz der City BKK suchen rund 168.000 Versicherte eine Ersatz-Kasse. Doch die versuchen nach Kräften, die überwiegend älteren (und damit für sie teuren) City-Kunden abzuwimmeln und an Mitbewerber abzuschieben – obwohl sie gesetzlich verpflichtet sind, diese aufzunehmen. Geschäftsstellen fahren Minimaldienst, manche Kasse macht kurzerhand ganz dicht. Man müsse, so die Barmer, sich erst mal um die eigenen Mitglieder kümmern.

Die Angst regiert, weil das Beispiel der City BKK den Kassen ihr Dilemma vor Augen führt: So lange wie möglich wollen sie Zusatzbeiträge vermeiden – die Abwanderung enttäuschter Versicherter könnte sie sonst als Nächste die Existenz kosten. Gleichzeitig stehen einige Institute wie die Vereinigte IKK finanziell schwer unter Druck und bräuchten die Beiträge dringend – Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

Das System wankt deshalb in seinen Grundfesten. Die Hintergründe beleuchten die Sinus-Forscher so gründlich wie selten. Für ihre Analyse griffen sie auf fünf repräsentative Studien mit zusammen rund 78.000 Befragungen und 120 mehrstündige Einzelinterviews zurück. Sie unterteilen die Bevölkerung regelmäßig in neun gesellschaftliche Gruppen – von „modernen Performern“ über die „bürgerliche Mitte“ bis hin zu „Hedonisten“. Nicht nur das Einkommen ist für die Einordnung entscheidend, sondern auch der Lebensstil oder die Wertvorstellungen der Befragten. Die Milieus sind demnach höchst verschieden – und dennoch herrscht überall die Meinung, „dass aus Kostengründen schon jetzt medizinisch notwendige oder sinnvolle Behandlungen nicht mehr übernommen werden“, wie es in der Analyse heißt. Die Adenauer-Stiftung stellt die Studie an diesem Montag vor. Der neue Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) wird danach viel zu erklären haben.

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