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Krisenmanager: Deutschlands stille Euro-Retter

von Ruth Berschens Quelle: Handelsblatt Online

Sie sind in Brüssel extrem wichtig, doch in der Öffentlichkeit kennt sie kaum jemand: Drei Beamte aus Deutschland sind für das Krisenmanagement der Euro-Gruppe verantwortlich. Das macht ihr Leben bisweilen unsicher.

Matthias Mors, Direktor der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen in der Europäischen Kommission. Quelle: dapd
Matthias Mors, Direktor der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen in der Europäischen Kommission. Quelle: dapd

BrüsselWenn es um Uwe Corsepius geht, sind sich EU-Diplomaten weitgehend einig: "Schnell im Denken, sehr strukturiert, drückt sich manchmal recht harsch aus", sagt der Vertreter eines südeuropäischen Landes und fügt hinzu: "Sehr deutsch eben." Der gebürtige Berliner ist seit Juni 2011 Generalsekretär des Europäischen Rates und einer der einflussreichsten Beamten in Brüssel.

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Corsepius, der direkt unter EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy arbeitet, wirkt hinter den Kulissen kräftig mit an der Euro-Rettung. Doch außerhalb des EU-Betriebs bemerkt man ihn kaum. Der Ökonom, früher Europa-Berater von Kanzlerin Angela Merkel, will nicht im Rampenlicht stehen.

Dabei ist Corsepius längst nicht der Einzige. Es gibt eine ganze Reihe deutscher Beamte, die in der EU-Metropole Einfluss ausüben, öffentlich sichtbar sind dabei aber meist nur zwei: Klaus Regling, der nach dem provisorischen EFSF demnächst den definitiven Euro-Rettungsfonds ESM leiten soll. Und Werner Hoyer, Präsident der Europäischen Investitionsbank, die nach einer kräftigen Kapitalerhöhung bei der EU-Hausbank demnächst noch mehr Fördermilliarden in den EU-Krisenstaaten verteilen darf.

Ein dritter Deutscher tritt ebenfalls ab und zu vor Publikum auf: Horst Reichenbach leitet seit September 2011 die Griechenland-Task-Force der EU-Kommission. Der erfahrene EU-Spitzenbeamte soll eigentlich den Griechen aus ihrer schweren Rezession heraushelfen. Er und sein 30-köpfiges Team sollen das Land dabei unterstützen, neue Wachstumsbranchen zu entwickeln, EU-Fördermittel zu beantragen und die marode Verwaltung zu reformieren. Dabei kann Reichenbach es nicht immer vermeiden, die Griechen mit unangenehmen Wahrheiten zu konfrontieren - etwa mit der nach wie vor miserablen Steuerzahlungsmoral. Bei den Hellenen kam das nicht unbedingt gut an.

In Athen musste sich der 67-jährige Sozialdemokrat als "Gauleiter" und "Statthalter Angela Merkels" beschimpfen lassen. In seiner Heimatstadt Potsdam zündeten radikale Griechen im Mai sein Auto an und bewarfen sein Haus mit Farbbeuteln. Mit öffentlichen Statements hält sich Reichenbach seither zurück.


Deutscher Experte vertritt die EU-Kommission in Athen

Das gilt erst recht für seinen Kollegen Matthias Mors. Der 48-jährige Wirtschaftswissenschaftler vertritt die EU-Kommission in der sogenannten Troika, die regelmäßig die Spar- und Reformfortschritte der hochverschuldeten Griechen überprüft. Gemeinsam mit Vertretern vom Internationalen Währungsfonds und von der Europäischen Zentralbank reist Mors am 3. September erneut nach Athen. Auch von seinem Urteil wird es abhängen, ob und unter welchen Bedingungen die Euro-Zone Griechenland künftig Hilfskredite gewähren wird.

Die vielen Besuche in Athen haben Reichenbach und Mors gelehrt, Griechenland realistisch zu sehen. Beide gehen davon aus, dass das Land für den Wiederaufbau von Staat und Wirtschaft mehr als ein Jahrzehnt benötigen wird. Griechenland verloren geben, das wollen sie trotzdem nicht.

Das Gerede deutscher Parteipolitiker über einen bevorstehenden Austritt Griechenlands aus der Währungsunion hören die deutschen Spitzenbeamten in Brüssel nicht gern. Solche Spekulationen erschweren nur die Sanierungsarbeit in dem Land, heißt es in der Europa-Hauptstadt.

Die wachsenden Spannungen in der Währungsunion erlebt auch ein anderer deutscher Spitzenbeamter hautnah mit: Carsten Pillath leitet seit 2008 die Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen im Europäischen Rat. Der Ökonom bereitet die Finanzministerräte vor und arbeitet mit an den Schlusserklärungen der EU-Gipfel. Er weiß, wie mühsam sich die Politiker seit mehr als zwei Jahren durch die Euro-Schuldenkrise wühlen und wie weit die Interessen häufig auseinanderliegen. Er sagt: "Es wird immer schwieriger, konsensfähige Formulierungen zu finden."

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