Kristina Schröder : "Jede Quote ist eine Krücke"

Kristina Schröder : "Jede Quote ist eine Krücke"

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Kristina Schröder

von Cornelia Schmergal und Max Haerder

Die Bundesfrauenministerin will Vorstände weiblicher machen. Jetzt muss sie die Dax-Konzerne bei einem Spitzentreffen von ihrem Stufenplan überzeugen.

WirtschaftsWoche: Frau Schröder, sind Sie eine Quotenfrau?

Schröder: Allein diese Frage ist ein Argument gegen die Quote. Jede Frau bekommt sie immer wieder gestellt, auch wenn sie nur ein einziges Mal irgendwo von einer solchen Regelung profitiert hat. Das ist der Grund, warum viele jüngere Frauen ein Problem mit der Quote haben.

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Wann hat die Quote Ihnen denn geholfen?

Bei meiner ersten Bundestagskandidatur 2002 habe ich gewiss profitiert – und davon, dass ich Spitzenkandidatin der Jungen Union in Hessen war. Das hat mir damals einen Listenplatz eingebracht, der für eine 25-Jährige beachtlich war.

Die Opposition stichelt, ausgerechnet eine „Quotenfrau“ wie Sie weigere sich, Aufsichtsräten per Gesetz einen einheitlichen Frauenanteil vorzuschreiben.

Das ist schizophren. Gerade diejenigen, die mir diesen Vorwurf machen, behaupten, eine Quote wirke sich in keiner Weise nachteilig auf Frauen aus. Und: Es ist ein großer Unterschied, ob eine Partei sich selbst eine Quote gibt oder ob der Staat der Wirtschaft eine solche vorschreibt.

Bislang sitzen in den Dax-30-Vorständen nur 2,2 Prozent Frauen. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen glaubt nicht, dass sich ohne eine starre gesetzliche Quote etwas daran ändere.

In den vergangenen zwei Jahren ist viel geschehen, das bestätigen Unternehmer und Personalberater mir immer wieder. Headhunter berichten, dass sie oft gar die Ansage bekommen: Liefert uns alles, nur keinen Mann. Ich nehme den Unternehmen daher ein ehrliches Bemühen ab – allerdings muss noch mehr kommen.

Am Mittwoch trifft sich die Bundesregierung mit den Dax-30-Konzernen, um über Frauen in Chefpositionen zu reden. Dabei müsste sich das Kabinett selber abstimmen: Die Arbeitsministerin plädiert für starre Vorgaben, Sie wollen flexible Quoten, die FDP-Minister wollen gar keine...

Also, am Mittwoch ist erst mal die Wirtschaft am Zug. Wir wollen wissen, wie die Unternehmen selbst den Anteil von Frauen in Führungspositionen steigern wollen. Für die Bundesregierung ist klar, dass substanziell etwas vorangehen muss, da herrscht große Einigkeit. Wir sind mittendrin in der Detailarbeit, auf der Basis meines Stufenplanes.

Unternehmer und Aktionäre schätzen es gar nicht, wenn der Gesetzgeber ihnen Vorgaben für die Personalpolitik macht...

Die Unternehmen sind zu Recht sensibel, wenn es um Eingriffe in ihre Personalpolitik geht. Deshalb ziehen sie auch eine Pflicht zur Selbstverpflichtung vor. Mein Konzept ist marktwirtschaftlich: Die Wirtschaft soll sich Ziele setzen, muss sich dann aber sowohl für die Ziele als auch für deren Erreichung öffentlich verantworten.

Pardon, in einem ersten Schritt wollen Sie Unternehmen vorschreiben, den Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten bis 2013 im Schnitt zu verdreifachen. Was soll daran marktwirtschaftlich sein?

Das ist keine Vorschrift, sondern das muss das gemeinsame Ziel sein! Damit haben es die Unternehmen selbst in der Hand, ob die Politik eingreift oder nicht. Bis 2013 wird sich ohnehin viel bewegen, weil bis dahin die nächste Wahlperiode in den Aufsichtsräten begonnen hat. Nur wenn die deutliche Erhöhung nicht gelingt, soll meine Pflicht zur Selbstverpflichtung kommen.

Um welche Unternehmen geht es dabei?

Mein Vorschlag ist: um die börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen Konzerne. Betroffen sind also rund 1000 Unternehmen – und damit deutlich mehr, als durch den Corporate-Governance-Kodex erfasst sind.

Was glauben Sie denn: Gelingt den Betrieben die Verdreifachung?

Ich halte das sowohl bei den Vorständen als auch bei den Aufsichtsräten für machbar. In den Aufsichtsräten würde das bis 2013 einen Frauenanteil von 30 Prozent bedeuten, das klingt in der Tat relativ hoch. Aber gerade für Aufsichtsräte stehen viele qualifizierte Frauen zur Verfügung. Für ein Mandat muss man schließlich nicht 80 Stunden in der Woche verfügbar sein...

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