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Kritik ausländischer Ökonomen: „Ifo-Chef Sinn riskiert Euro-Kollaps“

Quelle: Handelsblatt Online

Im Ökonomenstreit über die Euro-Rettung widerspricht Ifo-Chef Sinn den Einwänden von Kollegen und Politikern. Doch die Kritik an seinem Protestaufruf reißt nicht ab. Jetzt melden sich ausländische Ökonomen zu Wort.

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Quelle: Reuters
Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Quelle: Reuters

BerlinDer Aufruf einer deutschen Ökonomengruppe um den Ifo-Chef Hans-Werner Sinn gegen eine Bankenunion hat nun auch im Ausland heftigen Widerspruch ausgelöst. „Der Brief ist reich an hitziger Rhetorik und arm an sachlichen Details“, sagte Berkeley-Ökonom Barry Eichengreen der „Financial Times Deutschland“. „Ich halte den Aufruf für zu simpel, unklar und ideologisch“, sagte der Harvard Ökonom Alberto Alesina.
„Dieser Text zeigt kein Verständnis davon, was eine Bankenkrise ist - als ob sie 2008 und in den früheren Krisen geschlafen hätten“, sagte der Genfer Ökonom Charles Wyplosz. „Es würde zum Kollaps des Euro führen, wenn man dem Rat dieser Ökonomen folgen würde“, sagte Harvard-Professor Dani Rodrik.

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Hintergrund ist ein offener Brief, der inzwischen von 207 Volkswirten unterzeichnet wurde. Darin hatten sich die Ökonomen um Sinn gegen eine Bankenunion im Euroraum ausgesprochen, die Haftungsrisiken für pleitebedrohte Kreditinstitute den Steuerzahlern in soliden Ländern aufbürdet - und nicht den betroffenen Staaten sowie privaten Gläubiger.

Gegen diese Einschätzung hatten zahlreiche andere deutschsprachige Ökonomen protestiert – mit eigenen Gegenaufrufen. Auch in der Politik wurde Sinns Krisenanalyse zerpflückt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) empfahl Sinn & Co, erst mal das Kleingedruckte der EU-Beschlüsse zu lesen – von einer zusätzlichen Haftung könne nicht die Rede sein. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich sogar „empört“ und nannte den Appell „unverantwortlich“. Aus dem Dauer-Rettungsschirm ESM sei kein Rettungsschirm für Banken geworden.

Die Volkswirte um den Ifo-Chef verteidigten derweil ihren Brandbrief gegen Kritik aus der Politik. „Wir weisen die Anschuldigung, die Öffentlichkeit sei in unserem Aufruf falsch informiert worden, entschieden zurück“, schrieben Sinn und sein Kollege Walter Krämer von der Technischen Universität Dortmund in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Die Ökonomen widersprachen der Einschätzung der Bundesregierung, dass es keine zusätzliche gemeinsame Haftung für Banken gebe. Sie schreiben dazu, Berlin sei mit dieser Interpretation allein, die eigene Sichtweise werde hingegen auch von den Finanzmärkten geteilt. „Überall auf der Welt wird der Gipfelbeschluss genau so interpretiert.“

Gustav A. Horn, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in Düsseldorf, hält die Behauptung für abwegig. Indirekt ruft er die Unterzeichner des Sinn-Aufrufs zur Umkehr auf. „Ich würde jedem Kollegen oder Kollegin, die ihren Irrtum einsieht, höchsten Respekt entgegen bringen. Jeder von uns hat schon Fehler gemacht“, schreibt Horn auf seiner Facebook-Pinnwand. „Mir scheint, dass Wolfram Richter aus Dortmund hierfür ein positives Beispiel ist, das ich zur Nachahmung empfehle.“

Richter hatte den Sinn-Aufruf unterschrieben, sich aber später davon distanziert. Der Brief von Sinn enthalte keine Hinweise zur Lösung der Probleme, sagte Richter laut FTD. Der Aufruf einer dritten gewichtigen Professorengruppe, zu der der Präsident des Kieler Weltwirtschaftsinstituts, Dennis Snower, ebenso gehört, wie die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro und die Professoren Michael Burda, Frank Heinemann, Martin Hellwig, Gerhard Illing und Moritz Schularick sei "in Ton und Inhalt überzeugender". "Der Aufruf erreichte mich leider erst nach Unterzeichnung des Sinn-Aufrufs", so Richter.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.07.2012, 20:07 Uhrshadowdancer

    Herr Sinn, ich bin so froh, daß wir Sie haben ! Bleiben Sie bei uns !

  • 11.07.2012, 17:24 UhrHarald_Muenzhardt

    Prof. Barry Eichengreen irrt gewaltig

    Volltext 7 Punkte Kommentar FTD


    1) “Euro steht und fällt ..."

    a) Der Euro ist ein Kunstprodukt, aus Furcht vor einer starken DM

    b) Es verhindert Kursanpassungen über nationale Währungen, je nach Wirtschaft

    c) Prof. Eichengreen, nennen Sie nur EINEN ökonomisch sinnvollen Grund für den EUR!


    2) „...USA eine zentralisierte Aufsicht, ,...“

    Prof. Eichengreen, Sie versuchen zu suggerieren, der Dollar wäre wegen Aufsicht etc. relativ stabil
    Die Wahrheit:
    Ölproduzierende Länder wurden durch die USA genötigt, den Dollar als Zahlungsmittel zu fördern.

    „Das Ende des Petro-Dollar?Indien will iranisches Erdöl mit Gold bezahlen“
    youtube.com/watch?v=anf7DCsdI5I

    So wie die USA den Einfluss in diesen Ländern verlieren, wird der Dollar international bedeutungslos. Über den dann folgenden Zusammenbruch des Dollars könnten nationale STAATLICHE Währungen folgen.


    3) „Deutschland … die Ressourcen aufbringen kann, um den Euro zu retten“

    12 Billionen Schulden?
    Bankrott für Deutschland!

    Harald Münzhardt

  • 10.07.2012, 14:51 UhrWalter

    Eine Bankenunion stellt eine sozialistische Umverteilung dar. Sie hat nichts mit einer vernünftigen Marktwirtschaft zu tun. Sie ist geeignet, Verantwortungsträger aus der Verantwortung zu entlassen, weil man Schäden ja umverteilen kann. Überlebensfähig wäre eine solches Prinzip der Verantwortungslosigekeit ohnehin schon mittelfristig nicht. Es hat auch nichts mit einer vernünftigen Ökonomie zu tun, in der jeder für seine aus profitgier verursachten Risiken eben selbst einstehen sollte.

    Insoweit verwundern die Stellungnahmen Eichengreens und Alesinas.

    Diese erwecken den Eidruck, dass sie selbst dem Sozialmus zu Füßen liegen würden, um den Finanzakteuren eine erweiterte Haftungsgrundlage, die nur für kurze Zeit reicht, zu verschaffen.

    Wenn Dauer- Defizit- Länder aus dem Euro austreten würden, könnte dies schon mittelfristig für alle ein Vorteil sein.

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