Künftiger DIW-Chef Fratzscher: Zurück in den Kreis führender Institute

Künftiger DIW-Chef Fratzscher: Zurück in den Kreis führender Institute

Der neue Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung will sich stärker in die europäische Debatte einmischen. Er setzt dabei auf Beratung und Forschung.

Herr Fratzscher, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) leidet seit Jahren unter Führungsstreitigkeiten und Ansehensverlust. Warum verlassen Sie die EZB, um dieses Institut zu leiten?

Fratzscher: Die Überlegung, die EZB zu verlassen, ist in der Tat keine leichte Entscheidung. Ich bin überzeugter Europäer und Anhänger eines vereinten Europas. Die EZB steht für diese Idee. Auf der anderen Seite reizt mich am Berliner DIW die Verbindung von wirtschaftspolitischer Beratung und wissenschaftlicher Forschung.

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Worauf soll sich das DIW konzentrieren – Spitzenforschung und hochkarätige Politikberatung sind doch kaum gleichzeitig möglich?

Fratzscher: Das sehe ich nicht so. Solide und gründliche Forschung ist Grundlage für eine gute wirtschaftspolitische Beratung. Beides verstärkt sich gegenseitig.

Das DIW hat sich bisher vor allem mit Forschung zur deutschen Sozialpolitik einen Namen gemacht. Soll künftig die internationale Wirtschafts- und Geldpolitik eine größere Rolle spielen?

Fratzscher: Das DIW ist traditionell stark auf Gebieten wie Arbeitsmarkt, Bildungspolitik, Verteilung, Umwelt und Energie. Auch der makroökonomische Bereich ist gut, und es wird hohe Priorität für mich haben, diesen Bereich weiter zu stärken. Die Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass Wirtschaftsforschungsinstitute den europäischen Integrationsprozess noch enger begleiten.

Klopfen Sie dann auch Ihrem derzeitigen Arbeitgeber, der EZB, auf die Finger und kommentieren deren Geldpolitik?

Fratzscher: Auch die Geldpolitik ist eine wichtige makroökonomische Dimension, mit der sich das DIW beschäftigt und die es daher auch unabhängig kommentieren wird.

Wann ist das DIW wieder bei der Gemeinschaftsdiagnose der Institute für die Bundesregierung dabei?

Fratzscher: Mittelfristig ist das sicher ein Ziel. Ich hoffe, dass das bereits nächstes Jahr klappt.

Das DIW ist unter dem Interimschef Gert Wagner politisch stark nach links gerückt. Jüngste Forderung : eine Reichenabgabe. Wie geht es unter Ihnen weiter?

Fratzscher: Ich stimme Ihrer Aussage so nicht zu. Ein Wirtschaftsforschungsinstitut sollte immer politisch neutral und wissenschaftlich unabhängig sein. Meinungsvielfalt ist wichtig, allerdings steht eine solide wissenschaftliche Analyse im Vordergrund.

Fratzscher, 41, ist bisher Abteilungsleiter bei der Europäischen Zentralbank. Das DIW-Kuratorium wählte ihn am vergangenen Donnerstag zum neuen Institutschef. Er wird voraussichtlich im Februar 2013 beginnen.

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