Kuren: Was Zuzahlungen im Gesundheitswesen bewirken

Kuren: Was Zuzahlungen im Gesundheitswesen bewirken

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Sinkendes Interesse. Die Kurbetriebe und die durchschnittliche Behandlungsdauer.

von Mark Fehr

Der Missbrauch von Gesundheitsleistungen lässt sich durch höhere Zuzahlungen der Patienten eindämmen. Das sagt die weltweit erste Studie zur Preiselastizität von Kuren.

Die Lust an der Kur gilt als typisch deutsch – und eine solche verschrieben zu bekommen als nicht übermäßig schwierig. Zahlen müssen die gesetzlichen Krankenkassen; anders als in den meisten Ländern haben Patienten hierzulande lediglich eine Zuzahlung zu leisten.

Aus ökonomischer Sicht ist das gefährlich, denn viele Versicherte, das zeigt die Erfahrung, missbrauchen die Leistungen auf Kosten anderer Beitragszahler. Die schwarz-gelbe Bundesregierung unter dem damaligen Kanzler Helmut Kohl hatte deshalb 1997 die Zuzahlungen mehr als verdoppelt. Rund ein Viertel der Behandlungen galt damals als überflüssig. Seitdem müssen westdeutsche Patienten je -Kurtag 13 statt sechs Euro auf den Tisch legen; Ostdeutsche zahlen zehn statt vier Euro.

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Zuzahlungen drücken Inanspruchnahme

Hat die Maßnahme langfristig gefruchtet? Ja, sagt eine noch unveröffentlichte Studie des Ökonomen Nicolas Ziebarth vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Ziebarth ist der erste Wissenschaftler, der eine Untersuchung* über die Preiselastizität von Kuraufenthalten durchgeführt hat. Die Ergebnisse erscheinen im Juni in der Fachzeitschrift „The Economic Journal“. Das Papier zeigt: Die Inanspruchnahme von reinen Vorbeugetherapien in Sana-torien sank nach Beginn der höheren Zuzahlungen deutlich. Relativ starr blieb die Nachfrage nach Kuren, wenn den Patienten Arbeitsunfähigkeit drohte oder wenn sie sich nach einem Unfall behandeln ließen. „Durch die doppelte Zuzahlung wurden bis zu einem Viertel weniger Kuren in Anspruch genommen“, so Ziebarth. Das entspricht genau dem Anteil der nach Expertenschätzungen zuvor überflüssigen Behandlungen.

Die Daten für seine Analyse hat der Wissenschaftler aus dem Sozioökonomischen Panel (SOEP) des DIW. Das SOEP ist eine regelmäßige repräsentative Befragung von über 20.000 Menschen aus fast 11.000 Haushalten. Abgefragt werden zahlreiche sozioökonomische Daten, darunter auch, wie häufig die Leute medizinische Leistungen in Anspruch nehmen. Ziebarth machte sich zunutze, dass das SOEP sowohl Mitglieder gesetzlicher als auch privater Kassen erfasst. Da Privatversicherte in der Regel ihre Kuren komplett selbst bezahlen müssen und daher von der Zuzahlungsreform nicht betroffen waren, konnte der Ökonom sie als neutrale Kontrollgruppe heranziehen.

* Nicolas Ziebarth: Estimating Price Elasticities of Convalescent Care Programmes, The Economic Journal, Juni 2010

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