Kurzarbeit: Schrecken ohne Ende beim Kurzarbeitergeld

KommentarKurzarbeit: Schrecken ohne Ende beim Kurzarbeitergeld

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WirtschaftsWoche-Redakteurin Stefanie Augter

Die neuen Kurzarbeitregeln, die sich in der Wirtschaftskrise als Puffer gegen Entlassungen bewährt haben, werden nochmal um ein Jahr verlängert. Doch der Nutzen dieses Instrumentes nimmt ab, je länger man daran festhält.

Das Bundeskabinett ist vorweihnachtlich gestimmt, das nächste Geschenk bereits geschnürt: Die zum Jahresende auslaufende Kurzarbeiterregelung soll verlängert werden. Damit können Unternehmen auch 2010 erweiterte Kurzarbeit beantragen. Nach Vorschlag von Arbeitsminister Franz Josef Jung wird das Geld künftig nur noch 18 Monate lang bezahlt. Immerhin. Derzeit sind es maximal 24 Monate.

Arbeitsminister Franz Josef Jung  preist die Gabe enthusiastisch an: „Mit Hilfe des Kurzarbeitergeldes können Arbeitgeber auch weiterhin Phasen mit schlechter Auftragslage überstehen, ohne Arbeitnehmer entlassen zu müssen.“ Die Erfahrung spreche dafür, so der Minister: Allein in diesem Jahr seien auf diese Weise hunderttausende Arbeitsplätze gerettet und damit die wertvolle Kenntnisse von Mitarbeitern gesichert worden.

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Falsche Signale

Das stimmt. Doch diese kurzfristigen Erfolge verschleiern langfristige Probleme. Das Horten von Arbeitskräften hat schließlich seinen Preis. Weil die Stundenlöhne gestiegen sind, während die Produktion einbrach, sind die Lohnstückkosten explodiert. Dieser Kostenschub lässt sich nicht durch höhere Absatzpreise auffangen, zumal der starke Euro beim Export eher zu Preisnachlässen zwingt. Oder die internationale Wettbewerbsfähigkeit leidet.

Zudem setzt die Kurzarbeit die falschen Signale: Sie schmälert die Bereitschaft der Arbeitnehmer, sich einen neuen Job zu suchen – und verhindert damit auch, das die Angestellten dahin wechseln, wo sie gebraucht werden. Kurzarbeit bremst somit den Strukturwandel und verringert den langfristigen Wachstumstrend. Die Kurzarbeit kann kurzfristig eine wichtige Stütze sein – doch langfristig geht die Strategie nicht auf.

Wie so oft im Arbeitsleben gilt: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

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