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Länderfinanzausgleich: NRW-Regierung greift Bayern an

von Christian Ramthun

Die nordrhein-westfälische Landesregierung wehrt sich gegen Vorwürfe des bayrischen Finanzministers Markus Söder (CSU), unsolide zu wirtschaften.

Norbert Walter-Borjans Quelle: dapd
Norbert Walter-Borjans Quelle: dapd

Dessen Düsseldorfer Kollege Norbert Walter-Borjans (SPD) weist darauf hin, dass sein Bundesland die niedrigsten staatlichen Pro-Kopf-Ausgaben habe. Mit rund 3000 Euro je Einwohner seien sie um rund zehn Prozent geringer als in Bayern. Walter-Borjans: „Im Vergleich zu uns wirtschaftet Herr Söder geradezu verschwenderisch.“

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Die höhere Verschuldung seines Landes führt Walter-Borjans auf die Probleme beim Strukturwandel zurück, den die Abkehr von der Montanindustrie erzwingt: „Solche Herausforderungen hat Bayern nicht zu bewältigen.“ Gleichwohl will er bis 2020 ebenfalls einen schuldenfreien Landeshaushalt erreichen. Dazu soll es neben der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse nun auch eine in der Landesverfassung geben, nicht zuletzt, um „damit Begehrlichkeiten abzuwehren“.

Kritisch sieht der Sozialdemokrat die von der Bundesregierung geplante Steuerreform. Von den sechs Milliarden Euro Steuerausfall müsste Nordrhein-Westfalen allein 400 Millionen Euro tragen. Das würde die Anstrengungen zur Konsolidierung konterkarieren, sagt Walter-Borjans, „jeder Euro Steuersenkung ist ein Euro mehr an Schulden. Deswegen sind wir strikt dagegen.“

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.02.2012, 12:20 UhrAnonymer Benutzer: RDA

    Haha, wer die Länderhaushalte sanieren will, muss bei Pensionen und Beihilfen ansetzen. Aber bis auf kosmetische Korrekturen und Kürzungen bei jungen Beamten hat man das Thema bisher ignoriert.
    Dabei könnten Bund, Länder und Gemeinden 19 Mrd. Euro jährlich sparen, wenn Pensionen auf den Durchschnitt der gesetzlichen Rente gesenkt und noch ein monatlicher "Betriebsrentenzuschlag" von 300 Euro gezahlt würde.

  • 12.02.2012, 20:11 UhrIgnazwrobel

    da regt sich Herr Söder wegen der paar Milliarden Länderfinanzausgleich auf, die ohnehin anderen deutschen Bundesländern zu Gute kommen. Dabei haftet die Bundesrepublik derzeit für 785 Mrd. zur Eurorettung (WiWo Nr 5/2012 S. 33). Die weitere Aufstockung des Rettungsfond wird gefordert und die EZB verleiht im Widerspruch zum geltenden Recht für 1% 500 Mrd. € an schwächelde Banken die diese Unsumme zum Ankauf von Staatsanleihen kriselder Südländer verwenden. Da hört man keinen Ausfschrei der CSU Politik und dabei bräuchten die CSU Minister im merkelschen Kabinett und die CSU-Abgeordenten im Bundestag lediglich gegen die weitere Ausplünderung des deutschen Steuermichels via EFSF oder ESM oder EZB stimmen. Und wie äußert sich Herr Staatsminister Söder zum Mißbrauch der EZB als Gelddruckmaschine?

  • 12.02.2012, 06:56 UhrAnonymer Benutzer: Wegweiser

    Leider ist dieses Problemfeld komplexer und man muss sich mit diesem näher und intensiver beschäftigen.

    Welche grundlegenden Annahmen, welche grundlegenden Überlegungen sind anzustellen:
    1. Wir haben eine bundestaatliche förderale Struktur, die einfach in vielen Teilen reformbedürftig ist und die an Besitzstände und an Machtsphären rührt. Manche Bundesländer sind einfach zu klein, das (Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen) könnte zusammengelegt werden, (Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein), (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin), (Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen). Dann hätte man Größenordnungen wie Bayern, BaWü oder NRW.

    2. Die Finanzierung der ökonomischen Vollendung der Deutschen Einheit läuft auch über den Länderfinanzausgleich (siehe GA-Förderung), statt Transparenz will man Verschleierung.

    3. Die fehlenden Aufwertungseffekte einer eigenen Währung als volkswirtschaftliche Sozial- und Wohlfahrtsdividende.

    Hinzu kommen jetzt noch die gigantischen Risiken der Eurorettung.

    Und wie kann man in diesem Zusammenhang eine wirkliche finanzielle und strukturelle Neuordnung innerhalb Deutschlands gestalten? Kaum, ohne grundlegende Machtstrukturen anzutasten.

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