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Ländervergleich: Deutschland und Frankreich: Ein ungleiches Paar

von Mark Fehr

Deutschland und Frankreich verbindet eine enge Freundschaft - und reger Handel. In der Krise zeigen beide Länder aber unterschiedliche Stärken und Schwächen, sagt eine neue Studie.

Carlos Ghosn auf einer Quelle: dpa
Carlos Ghosn auf einer Pressekonferenz der IAA in Frankfurt. Französische Autobauer, wie Ranault, haben besonders von der Abwrackprämie profitiert. Quelle: dpa

Frankreich ist Deutschlands mit Abstand wichtigster Handelspartner – mit rund 68 Milliarden Euro Exportvolumen und mehr als zehn Prozent Anteil an der Gesamtausfuhr. Beide Staaten hängen wirtschaftlich stark voneinander ab, daher schmerzt es doppelt, dass die Ausfuhren im vergangenen Jahr krisenbedingt deutlich schrumpften. Von Januar bis Oktober 2009 kauften die Franzosen fast 15 Prozent weniger bei deutschen Unternehmen ein als im Vorjahreszeitraum.

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Wie unterschiedlich beide Staaten ungeachtet der engen Verflechtung von der Krise betroffen sind, beschreibt nun eine aktuelle Studie* der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Die globale Rezession hat hierzulande zwar einen tiefen Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ausgelöst, aber bisher kaum Spuren bei der Beschäftigung hinterlassen. Anders in Frankreich: Dort hat sich die Arbeitsmarktsituation stark verschlechtert, obwohl das Wachstum wesentlich weniger sank. Die Exportnation Deutschland litt heftiger unter der weltweiten Krise als Frankreichs Wirtschaft, die sich stärker auf die heimische Nachfrage stützt und 2009 nur um 2,2 Prozent geschrumpft sein dürfte. Doch in Deutschland federte vor allem die Kurzarbeit die Folgen für die Beschäftigten ab. Auch 2010 wird laut Studie die deutsche Arbeitslosenquote niedriger ausfallen als die des Nachbarlands.

Von der Abwrackprämie profitierten hauptsächlich französiche Hersteller

Und was macht die Politik? Berlin hat ein größeres Konjunkturpaket geschnürt als Paris. Doch dieses hilft vor allem dem Konsum und der Baubranche, nützt der für Deutschland wichtigen Exportindustrie aber nichts. An der in vielen europäischen Ländern gezahlten Abwrackprämie für Altautos verdienten vor allem französische Hersteller von Mittelklassewagen wie Renault und PSA (Peugeot, Citroën), während die deutschen Premiummarken Audi, BMW oder Mercedes nahezu leer ausgingen. Die Tatsache, dass der Staat den Ausfuhren schwerer auf die Beine helfen könne als dem Konsum, „muss das exportorientierte Wirtschaftsmodell Deutschlands jedoch noch nicht infrage stellen“, schreiben die Autoren der DGAP-Studie, Christophe Blot und Stefan Kooths. Denn im Aufschwung dürften die Deutschen mehr als die Franzosen von der Erholung des Welthandels profitieren.

* Christophe Blot/Stefan Kooths: Zwei Wirtschaftssysteme in der Bewährungsprobe: Die deutsch-französische Debatte über die Wirtschaftskrise und deren Auswirkungen, DGAP, Dezember 2009

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10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.03.2010, 19:46 UhrAnonymer Benutzer: Frankreich-Deutschland

    Es täte den Politikerinnen und Politikern vermutlich sehr gut, wenn sie dem Rat des Philosophen Sloterdijk folgten:"interessiert euch nicht zu sehr füreinander."
    Frankreich ist ein starkes und interessantes Land, Deutschland ist ein starkes und interessantes Land. Was soll der öffentlich demonstrierte Freundschaftskitsch? Das Ganze wirkt doch pubertär und ist beider Länder nicht würdig. Wir sind und bleiben Konkurrenten, die, soweit dies eben möglich ist, fair miteinander umgehen sollten. Dem Volk sollte kein Zuckerguss übergestülpt werden, vor allem nicht von den sogenannten intellektuellen, die sich mit dem vermeintlich höherwertigen Frankreich gerne schmücken. im übrigen: Hat jemand bei diesem Freundschaftsgetue schon einmal laut in der EU Separatismus gerufen? Die Kleinen werden sich wehren. (siehe jetzt EZb Weber)

  • 24.01.2010, 12:17 UhrAnonymer Benutzer: Elfriede

    Die überwiegende Deutschenfeindlichkeit der französischen Elite ist inzwischen legendär.

  • 22.01.2010, 15:04 UhrAnonymer Benutzer: Linus

    Zitronenfalter:
    "..französische Elite...Deutschenfeindlichkeit". Das betrifft nicht alle und insofern möchte ich das Vorurteil relativieren. Es gibt Familien, die eine eher pessimistisch gestimmte Skepsis gegenüber Deutschland von Generation zu Generation weitergeben, aber viele Eliten verlangen von ihren Kindern, deutsch als (erste) Fremdsprache zu lernen. Meine Familie hat das auch mit mir so gemacht und ich glaube, das Resultat kann sich sehen lassen. Darüber hinaus: beide Länder sind und bleiben Konkurrenten, das sollte man nie vergessen. Frankreich hat Deutschlands Existenz seit seiner Gründung 1871 nie wirklich akzeptiert, es hatte ja schon mit England als Konkurrenten genug zu tun. Und Deutschland wollte als junge Macht seinen Platz an der Sonne. Hoffen wir, dass weiterhin ein enger Wirtschaftsaustausch stattfindet, so dass offene Feindseligkeiten nie wieder Realität werden.

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