Landes-Minister Machnig: "Die Zeit für Lohnerhöhungen ist da"

Landes-Minister Machnig: "Die Zeit für Lohnerhöhungen ist da"

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Matthias Machnig: "Thüringen wurde als Billigstandort verramscht"

von Henning Krumrey und Cornelia Schmergal

Der thüringische Wirtschaftsminister Matthias Machnig will mit höheren Löhnen die Abwanderung stoppen und neue Fachkräfte in den Osten locken.

WirtschaftsWoche: Herr Minister, die Löhne im Osten liegen immer noch 17 Prozent unter Westniveau. Ist das noch ein Standortvorteil?

Machnig: Nein, die erste Frage von Investoren ist: Gibt es genügend Fachkräfte in der Region? Bis zum Jahr 2020 braucht allein Thüringen 200.000 Fachkräfte: Rund 150.000 müssen wir wegen des demografischen Wandels ersetzen, 50.000 bis 60.000 brauchen wir für das weitere Wirtschaftswachstum. Aber jedes Jahr kommen nur 11.000 Schulabgänger auf den Arbeitsmarkt. Es fehlen also 100.000 Facharbeiter, die wir zusätzlich gewinnen müssen. Mit Niedriglöhnen klappt das nicht.

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War die jahrelange Werbung für das Land als Billigstandort falsch?

Thüringen ist über Jahre als Niedriglohnstandort positioniert, ja verramscht worden. 34 Prozent der Beschäftigten verdienen derzeit weniger als 8,50 Euro. Im Bundesschnitt sind es nur 16 Prozent. Wir können den Lohn nicht auf einen Schlag auf Münchner Niveau heben, aber es muss erkennbar werden: Es gibt bei den Löhnen eine Trendwende.

Fehlen bloß Köpfe, die die Arbeit machen könnten, oder fehlen gute Köpfe?

Beides. Von unseren 100.000 Arbeitslosen ist ein großer Teil qualifizierbar. Die Unternehmen suchen Auszubildende in Osteuropa. Wir wollen unsere Studenten durch Gründerinitiativen hierbehalten – immerhin ein Drittel kommt aus Westdeutschland. Und schließlich müssen wir denen eine Chance geben, die nach der Wende Mitte der Neunzigerjahre keine Berufsausbildung machen konnten, weil es keine Betriebe und keine Lehrstellen gab.

Was tun Sie dafür?

Ich starte im Mai zusammen mit Handelskammern, Handwerkskammern, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften eine Kampagne „Thüringen braucht dich“. Wir gehen ins Radio, wir gehen ins Kino, mit Plakaten, mit einer Hotline. Wir machen zwei Angebote: Wir wollen Menschen unter 35 die Chance geben, noch mal eine richtige Ausbildung zu machen. Wer das nicht will, bekommt zumindest qualifizierte Weiterbildung angeboten. In den Arbeitsagenturen gibt es spezielle Hilfe, wir führen sie an Unternehmen heran. Es geht um 15.000 bis 20.000 Menschen.

Was kostet das den Steuerzahler?

Die Werbekampagne kostet eine Million Euro. Was das Programm selbst kostet, hängt von der Teilnehmerzahl ab. Bei 10.000 kämen wir auf Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen im Umfang eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags. Damit geben wir auch das Image-Signal an alle: Bleibt hier!

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