Landtagswahl am Sonntag: Die SPD hat in Hessen eine echte Chance

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Landtagswahl am Sonntag: Die SPD hat in Hessen eine echte Chance

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Der Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl in Hessen 2013, Thorsten Schäfer-Gümbel, versucht die Fehler Andrea Ypsilanti vergessen zu machen

von Max Haerder

Thorsten Schäfer-Gümbel könnte bei der hart umkämpften Wahl die SPD vom Ypsilanti-Makel befreien. Wenn er Kurs hält.

Noch ist das ein Auflauf wie aus dem sozialdemokratischen Wahlkampf-Lehrbuch. Thorsten Schäfer-Gümbel hechtet aus dem Tourbus in den Nieselregen, kurze Absprache mit einem Betriebsrat, dann ab durch die trillerpfeifende Menge, schnell noch den Gewerkschaftssticker ans Revers geheftet und ran ans Mikro. Der SPD-Spitzenkandidat blickt in viele Dutzend grimmige Gesichter unter roten IG-Metall-Kappen und weiß, was zu tun ist.

Der Autozulieferer Continental hat Schäfer-Gümbel kein Gespräch auf dem Betriebsgelände in Karben angeboten, aber er wirkt nicht wirklich unglücklich darüber, dass er hier nun vor statt hinter dem Werkstor steht. Belegschaft und Arbeitgeber streiten heftig, die Drohung einer Standortverlagerung ins Ausland liegt in der Luft. "Gute Arbeit muss gut entlohnt werden", ruft er in die Menge. "Und ihr leistet gute Arbeit!" Applaus. "Druck", "Auslagerung", damit müsse es vorbei sein! Noch mehr Beifall.

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Schäfer-Gümbel muss die Linke hinter sich lassen

Als der Kandidat fertig ist, tritt der Betriebsrat wieder ans Mikro und bedankt sich mit einer Metaller-Kappe für die Unterstützung. Schäfer-Gümbel könnte jetzt ein zufriedenes Häkchen an diesen Termin machen. Wäre da nicht der Betriebsrat. Es seien ja noch andere Politiker hier, ruft er, mit denen solle Schäfer-Gümbel bitte endlich mal reden. Dieser andere ist Willi van Ooyen, leider von der Linkspartei. Da muss er sich beherrschen, das Gesicht nicht allzu sehr zu verziehen.

Thorsten Schäfer-Gümbel "Ich will CDU und FDP ablösen"

Am 22. September wird nicht nur über die Kanzlerschaft entschieden, auch Hessen wählt einen neuen Ministerpräsidenten. Der hessische SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel spricht im Interview über seine Abneigung gegen die Linkspartei, notwendige Steuererhöhungen und das Klischee vom bösen Banker.

Der hessische SPD-Vorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Thorsten Schäfer-Gümbel Quelle: dpa

Seitdem Andrea Ypsilanti in Wiesbaden vor gut fünf Jahren mit ihrem rot-rot-grünen Griff nach der Macht scheiterte, versucht ihr Nachfolger unablässig, diesen verstörenden Wortbruch vergessen zu machen. Zuerst haben ihn alle unterschätzt, in der eigenen Partei, vor allem jedoch beim politischen Gegner. Aber der Gießener hat aus einem zerstrittenen Haufen Genossen eine Truppe geformt, die am 22. September gute Chancen hat, den amtierenden Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) abzulösen.

Nur eines muss Schäfer-Gümbel jetzt ein für alle Mal hinter sich lassen: diese Linke.

CDU gewinnt mit Kuschel-Kurs die Wähler

Die wichtigsten Fakten zur Landtagswahl in Hessen

  • Wer sitzt aktuell im Landtag?

    Fünf Fraktionen gab es zuletzt im Landtag: CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke. Umfragen zufolge muss die Linke aber zittern, ob sie die Fünf-Prozent-Hürde erneut überwinden kann.

  • Wie setzt sich der Landtag zusammen?

    Zu vergeben sind 110 Sitze im Parlament, 55 Abgeordnete werden aus den Wahlkreisen direkt in den Landtag gewählt, 55 Abgeordnete kommen von den Listen der Parteien. Hinzu könnten Überhang- und Ausgleichsmandate kommen. Der Landtag wird für fünf Jahre gewählt.

  • Wer tritt an?

    672 Kandidaten treten an, 424 davon sind von den im Landtag vertretenen Parteien aufgestellt, darunter 148 Frauen. Ihr Anteil beträgt 35 Prozent und ist damit um sechs Punkte gesunken.

  • Wer darf wählen?

    Rund 4,4 Millionen Menschen sind wahlberechtigt. Etwa 276.000 junge Menschen nehmen erstmals an einer Landtagswahl teil.

  • Wie wird gewählt?

    Jeder Wahlberechtigte kann am Sonntag in Hessen insgesamt vier Stimmen vergeben, zwei für die Bundestags- und zwei für die Landtagswahl.

"Die Linkspartei will die Schuldenbremse und den Verfassungsschutz abschaffen", sagt er. "Wie soll ich da regieren?" Und doch weiß er ganz genau, dass CDU und FDP in den verbleibenden Tagen bis zur Wahl gnadenlos seine Glaubwürdigkeit unter Beschuss nehmen werden. Einen Vorgeschmack auf die neue Schärfe gab CDU-Fraktionschef Christean Wagner: Die SPD mache "zum Schluss doch mit der Linkspartei gemeinsame Sache", warnte er. "Es ist ein Wahlbetrug mit Ansage."

Dabei fährt die zutiefst konservative Hessen-CDU mit dem väterlich inszenierten Bouffier bislang in erster Linie eine kuschelige Sorge-dich-nicht-Kampagne und verweist auf die respektable Wirtschaftslage. Ein sehr erfolgreicher Kurs: Die CDU kletterte seit dem Winter in den Umfragen von 32 auf 38 Prozent. Der einst dicke Vorsprung von Rot-Grün ist komplett dahin.

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