Landtagswahl: Bayern: Wie die Opposition in die Regierungsverantwortung kommen will

Landtagswahl: Bayern: Wie die Opposition in die Regierungsverantwortung kommen will

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SPD-Spitzenkandidat Franz Maget: Die Sozialdemokraten wollen mit den Grünen, den Freien Wählern und der FDP in Bayern an die Macht.

Es gibt sie, die Opposition in Bayern – und mehr denn je hofft sie, bei der Landtagswahl das Ende der jahrzehntelangen Alleinherrschaft der CSU besiegeln zu können.

Guten Tag, mein Name ist Tim Weidner, ich bin SPD-Landtagskandidat aus Starnberg und habe bei der Kommunalwahl im März 42 Prozent geholt“ – der Herr im dunklen Anzug, Anfang 40, geht durch die Reihen der Tische und schüttelt Hände. Münchner trinken hier am Ammersee ihr Feierabendbier, Urlauber genießen die letzten Sonnenstrahlen. „42 Prozent“ und „SPD“ – mehr muss der Politiker nicht sagen. Die Leute nicken anerkennend. Wenn in Bayern einer von der SPD so ein Ergebnis einfährt, ist das ein kleines Wunder.

Auch deshalb hat ihn Franz Maget, der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 28. September, mitgenommen auf die Wahlkampftour am Ammersee. Maget träumt von einem Wunder. Er will Ministerpräsident Günther Beckstein ablösen und erstmals seit 51 Jahren eine Nicht-CSU-Regierung bilden, zusammen mit den Grünen, den Freien Wählern und der FDP.

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Zwar wird das auch dieses Mal nicht klappen – auch wenn sich die bayrische SPD durch die Aufbruchstimmung bei der Bundes-SPD im Aufwind fühlt. Denn wahrscheinlich reicht es der bayrischen Staatspartei immer noch für die absolute Mehrheit der Mandate. Und wenn nicht, würde die CSU mit der FDP koalieren und notfalls auch mit den Freien Wählern – mit der SPD jedenfalls als Letztes. Trotzdem befindet Maget sich in Hochstimmung: „So nahe am Verlust der absoluten Mehrheit war die CSU seit Jahrzehnten nicht.“

Wo man derzeit in Bayern auch hinkommt, überall schimpfen die Leute auf die CSU. Der „schwarze Filz“ sei unerträglich, erklärt ein älterer Herr in der Münchner S-Bahn. „Diese Arroganz, mit der die in München denken, sie könnten alles machen“, echauffiert sich eine ältere Dame in dem Café am Ammersee, „verkürztes Gymnasium, Rauchverbot, Verwaltungsreform – die Zweidrittelmehrheit von 2003 ist der CSU zu Kopf gestiegen.“ Am Nebentisch erzählen ein emeritierter Professor aus Würzburg und seine Frau empört von einer Bekannten, die tagsüber als Büroangestellte arbeitet und abends kellnert, um sich und ihren Sohn über die Runden bringen.

Also Franz Maget wählen, der sich für flächendeckende Mindestlöhne einsetzt? Die beiden zögern. „Wissen Sie, wir sind alte CSU-Wähler“, sagt die Frau. „Schaun wir mal“, sagt der Mann.

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