Landtagswahl: Das FDP-Wunder von Niedersachsen

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KommentarLandtagswahl: Das FDP-Wunder von Niedersachsen

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Riesiger Jubel herrschte bei den FDP-Anhängern nach der Verkündung der ersten Hochrechnungen.

von Cornelia Schmergal

Die FDP erreicht bei der Landtagswahl ungeahnte Prozenthöhen. Rot-Grün und Schwarz-Gelb stehen im Patt – und bangen um die Regierungsbildung.

Allen Vorurteilen zum Trotz: Niedersachsen kann auch spannend sein. Wirklich. An diesem Sonntagabend erlebt Hannover einen Krimi, der ausnahmsweise mal ganz ohne die Tatort-Ermittlerin Charlotte Lindholm auskommt. Bei der niedersächsischen Landtagswahl zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem rot-grünen und dem schwarz-gelben Lager ab. Wer künftig den Ministerpräsidenten stellen wird, ist vorerst offen. Sicher ist nur: Der heimliche Gewinner der Wahl ist die FDP, die mit 10 Prozent der Stimmen (nach den ersten ARD-Prognosen) ungeahnte Prozenthöhen erzielte. Düpiert stehen sowohl die Volksparteien CDU als auch SPD da, die unter ihren Erwartungen blieben. Die CDU erreichte nach den diesen Frühprognosen nur 36 Prozent und verlor damit 6,5 Prozent der Stimmen. Die SPD erreichte mit 32,5 Prozent weniger Zustimmung als von ihr erhofft.

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Der Abend wird noch eine Weile spannend bleiben. Bei dieser Wahl sollen sich schließlich Schicksale entscheiden, die weit über Niedersachsen hinausstrahlen: Das von Philipp Rösler als FDP-Chef. Das von Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat der SPD. Und - natürlich - das von David McAllister als Ministerpräsident des Bundeslandes. Alles war drin vor diesem Wahltag – bis hin  zu politischen Meuchelmorden. Und alles bleibt noch ein Weilchen spannend.

Um es kurz zu machen: Vorerst gut schlafen wird heute Nacht nur Philipp Rösler können. Angesichts desaströser Umfragewerte vor der Wahl hätte in der vergangenen Woche kein Politiker sein Abgeordnetensalär darauf verwettet, dass die FDP es über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen werde. Dass sie nun nach ersten Hochrechnungen gleich 10 Prozent einfuhr, geht vermutlich auf eine Art Mitleids- und Panik-Effekt zurück. Viele frustrierte Ex-FDP-Anhänger haben aus Angst vor der eignen Courage (oder dem Ende des parlamentarischen Liberalismus) ihr Kreuzchen am Ende zähneknirschend doch bei den Liberalen gemacht. Die Tatsache, dass die CDU nur 36 Prozent holen konnte, lässt darauf schließen, dass viele Unionsanhänger mit der FDP fremdgingen, um eine schwarz-gelbe Mehrheit zu sichern. Dafür spricht auch die Tatsache, dass 79 Prozent der heutigen FDP-Wähler mit ihrer Erststimme einen CDU-Kandidaten gewählt haben.

Sechs Prozent, so hatten es Röslers Gegner in den vergangenen Wochen verkündet, sei die Zielmarke, die der Parteichef schaffen müsse. Satte zehn Prozent machen es ihnen nun schwer, ihren Vorsitzenden  schnell aus dem Amt zu drängen. Ganz abgesehen davon, dass das Ergebnis Röslers Verhandlungsbasis stärken wird, wenigstens seine Posten am Kabinettstisch zu behalten.

Wahlticker Wahlkrimi in Niedersachsen: Rot-Grün gewinnt knapp

Knappe Entscheidung in Niedersachsen: Das Bundesland wird künftig von Rot-Grün regiert. Trotzdem kann sich die FDP über ein Rekordergebnis freuen. Der Wahlabend im News-Ticker.

huGO-BildID: 29513974 Der SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil bejubelt seinen Wahlsieg am 20.01.2013 auf der Wahlparty der SPD in Hannover am Abend der Landtagswahl 2013 in Niedersachsen. Foto: Peter Steffen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

In der SPD ist die Stimmung an diesem Abend mau, Die Genossen hatten gehofft, ein solides Wahlergebnis und einen satten Wechsel zu einer rot-grünen Landesregierung zu schaffen. Das hätte ein Signal auch für die Bundestagswahl werden sollen. Die 32,5 Prozent, die die SPD nach ersten ARD-Prognosen einfuhr, sind kein glanzvolles Erlebnis – liegen sie doch nur um 2,2 Prozent über dem desaströsen Ergebnis der vergangenen Landtagswahl. Steinbrücks erster Test als Kanzlerkandidat droht an diesem Abend zu misslingen. Und die niedersächsischen Genossen geben vor allem ihm die Schuld daran, dass die SPD nicht stärker zulegen konnte. Steinbrück hat die SPD mit den Ungeschicklichkeiten seiner Kandidatur in ein Umfragetief gezogen, wie es die Sozialdemokratie seit drei Jahren nicht erlebt hat. Niedersachsens Spitzenkandidat Stephan Weill hat gekämpft. Gegen die eigene Unbekanntheit und gegen den Gegenwind aus Berlin. Er hat es geschafft, die eigene Sprödigkeit und Seriosität zum Markenzeichen zu erheben. Umso mehr haben ihm Steinbrücks Flapsigkeiten und der Gegenwind aus Berlin geschadet.

Sollte es am Ende dieses Sonntags noch für Rot-Grün reichen, dürfte die Kritik an Steinbrück sich in Grenzen halten. Sollte Schwarz-Gelb am Ende vorn liegen, wird Steinbrück sich verschärften Diskussionen in der Partei stellen müssen. Eine strategische Überlegung der SPD ist nicht aufgegangen: Dass ein schnelles Aus für FDP-Chef Rösler die öffentliche Kritik erst mal weg von den Sozialdemokraten hin zu den Liberalen lenken könnte

Eines jedenfalls hätten die Niedersachsen an diesem Wahlabend bewiesen. Dass ein Sonntagabend in Hannover auch spannend sein kann. Ganz ohne Charlotte Lindholm.

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