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Landtagswahl: Kommt es in Nordrhein-Westfalen zu Schwarz-Grün?

von Andrea Auler und Max Haerder (Berlin)

In Nordrhein-Westfalen könnten die Grünen künftig mit der CDU regieren. Doch inhaltlich haben beide Parteien kaum etwas gemeinsam.

Grünen-Politiker in Quelle: AP
Grünen-Politiker in Düsseldorf: Sylvia Löhrmann (v.l.), Cem Özdemir, Claudia Roth, Arndt Klocke, Daniela Schneckenburger und Reiner Priggen Quelle: AP
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Sylvia Löhrmann ist dieser Tage eine höchst gefragte Gesprächspartnerin. Die Spitzenkandidatin der Grünen in Nordrhein-Westfalen soll die Partei zurück auf die Regierungsbank führen. Am liebsten mit, aber notfalls auch ohne die SPD. Nach Umfragen hätte Schwarz-Grün derzeit eine Mehrheit, aber auch Rot-Rot-Grün wäre denkbar. So sieht sich Löhrmann mit vielen Fragen konfrontiert: Rot-Grün? Schwarz-Grün? Am Ende vielleicht sogar mit den Linken? Da hilft es wenig, dass Löhrmann immer wieder betont, man sei keine Bindestrich-Partei, sondern kämpfe allein für grüne Politik.

Für die NRW-Grünen ist das Regieren wieder in greifbare Nähe gerückt. Sie profitieren von einer zunehmenden Unzufriedenheit mit der schwarz-gelben Bundespolitik, die sich unmittelbar auf Nordrhein-Westfalen überträgt. In den Wahlumfragen im Land verlieren die Liberalen massiv an Unterstützung, während die SPD sich verbessert. Ginge die Wahl im bevölkerungsreichsten Bundesland ein gutes halbes Jahr nach der Bundestagswahl für Schwarz-Gelb verloren, wäre das für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Guido Westerwelle (FDP) ein verheerendes Ergebnis. Die Mehrheit im Bundesrat wäre dahin, zähe Gesetzesverhandlungen die Folge. Noch betont NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) die Nähe zum kleinen Koalitionspartner. Doch er könnte nach dem 9. Mai auf die Grünen angewiesen sein, will er weiterregieren und sich nicht in einer großen Koalition wiederfinden.

Hindernisse in der Energiepolitik

Allerdings dürften die Koalitionsverhandlungen für beide Parteien ein hartes Stück Arbeit sein. Besonders bei den zentralen und für das Land bedeutsamen Politikfeldern Energie, Verkehr sowie Bildung und Forschung hakt es gewaltig. Die Grünen wollen neben dem konsequenten Ausstieg aus der Atomenergie auch ein Ende der Kohleverstromung im Land. Die Christdemokraten setzen sich dagegen für den Bau neuer Kohlekraftwerke ein, ändern dafür gar das Landesgesetz. Ende 2009 wurde das Kohlekraftwerk Datteln zum politischen Zankapfel. Der Energieriese E.On baut seit 2007 das neue Werk, bis Anwohner klagten. Das Oberverwaltungsgericht Münster gab den Klägern recht und verhängte den vorläufigen Baustopp. Unter anderem sei der Neubau nicht mit dem Landesentwicklungsprogramm vereinbar, das das Land verpflichtet, bei der Stromerzeugung vorrangig regenerative und einheimische Energieträger einzusetzen. Im Fall Datteln wäre weder das eine noch das andere der Fall, da zum größten Teil Importkohle verstromt werden würde. Die Landesregierung strich daher kurzerhand diese Verpflichtung als nicht mehr zeitgemäß. Bis zum Sommer soll nun ein neues Landesentwicklungsprogramm verabschiedet werden, das die Fertigstellung ermöglichen und etwaigen weiteren Klagen der Kraftwerksgegner den Boden entziehen soll. „Am Ende steht dann ein Gesetz, das auch für die Wirtschaft mehr Planungssicherheit bringt“, sagt Oliver Wittke, Wirtschaftsexperte der CDU-Landtagsfraktion in Düsseldorf.

Für die Grünen ist das kaum hinzunehmen. „Hier werden klimaschutzpolitische Grundsätze über Bord geworfen, um das Kraftwerk in Datteln zu retten“, urteilt Sylvia Löhrmann. Laut Plan sollte das Werk bereits Anfang 2011 ans Netz gehen, das wird nicht einzuhalten sein, auch wenn E.On jetzt zumindest in Teilabschnitten weiterbauen darf. Ende November 2009 stellte E.On bei der Stadt Datteln einen Antrag auf einen neuen Bebauungsplan für zwei der fünf Bauabschnitte. Der wird aber voraussichtlich frühestens Ende 2010 vorliegen. Spätestens dann sollen auch politisch alle Hindernisse ausgeräumt sein. „Wir werden alles dransetzen, um Datteln zu realisieren“, kündigt Oliver Wittke an.

Auch die von der Landesregierung mitgetragene Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke sorgt bei den Grünen für Unmut. Sie werfen den Christdemokraten vor, durch die Verlängerung und den Bau neuer Kohlekraftwerke den konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien unnötig hinauszuzögern. Eine Kompromisslösung in der Energiepolitik ist schwer vorstellbar.

Die Bildungspolitik dürfte in möglichen Koalitionsverhandlungen ebenfalls zur unüberwindbaren Hürde werden. Die Grünen fordern ein „längeres gemeinsames Lernen bis zum Ende der Pflichtschulzeit“ im Rahmen einer Gemeinschaftsschule. Das dreigliedrige Schulsystem wäre damit passé. An dem aber will die CDU unbedingt festhalten.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.04.2010, 10:23 UhrAnonymer Benutzer: WDW

    Auch wenn einige interessante Aspekte für eine schwarz-grüne Koalition sprechen, wird diese an den betonköpfen in beiden Lagern scheitern. Für mich hat der konservative Charakter der CDU und die nachhaltig aufgestellten Grünen in der Kombi viel Charme. Nachhaltige Politik, die seriös rüberkommt, würde auch dem Land guttun. Das sehen leider viel zu wenige so. Daher: Ein Wolkenschloß

  • 14.02.2010, 13:26 UhrAnonymer Benutzer: Münster-Fan

    @ Klimagegner: Wer ist hier ein Dummkopf? Wer begreift noch immer nicht, dass es einen Unterschied zwischen Wetter und Klima gibt?

    @ alle: ideologien eigenen sich wohl kaum zur Problemlösung. Deshalb wäre Schwarz-Grün besonders interessant: beide Seiten könnten die Chance nutzen, aus ihren befestigten Stellungen herauszukommen und unkonventionelle, sachgerechte Entscheidungen zu treffen. "Es gibt viel zu tun - packen wir's an!" (Esso). Mutig ans Werk: "Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr!" (Martin Luther)

  • 13.02.2010, 14:11 UhrAnonymer Benutzer: Philipp Rebmann

    Auch wenn FDP nicht meine Hauspartei, wage ich die Prognose, daß sie gegen alle Umfragen überraschend gut in NRW abschneiden wird,
    unter Verweis auf Widerspruch von Theorie und Praxis bei den Grünen,
    die symbolische Nötigung des Pays réel in Hamburg, der jegliche Schulreform ablehnt, sowie das Weiterwirken von August Winnig und Karl Valentin Müller im kollektiven Gedächtnis zumindest des rechten SPD-Flügels. Anders als in Frankreich oder Spanien deutsche Grüne bildungstheoretisch faktisch elitär. Der offenen und semantisch vielleicht verletzenden Kritik von Westerwelle an manchen Hartz-beziehern entspricht die DSM-iV-Etikettierung abweichenden Verhaltens durch klinischen Psychologieflügel der Ökopartei, mit präziser berechnung der Machtwirkungen auf das
    soziale Gesamtfeld nach Pierre bourdieu, John Lofland(1969) sowie
    Paul Conrad

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