Landtagswahlen: Thüringen kämpft gegen die Stromtrasse

Landtagswahlen: Thüringen kämpft gegen die Stromtrasse

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Mit dem Kampf gegen die Stromtrassen versucht die Thüringer CDU Wählerstimmen gewinnen

von Matthias Streit

Am Sonntag wählen die Thüringer einen neuen Landtag. Dafür unterstützt Kanzlerin Merkel ihre Parteikollegin Christine Lieberknecht sogar in der Provinz. Zu den Top-Wahlkampfthemen gehört eine Gleichstromtrasse.

Ganz am anderen Ende des Marktplatzes, fast schon außer Hör- und Sichtweite der Bühne, hat die CDU sie platziert: die Demonstranten der Bürgerinitiative „Masse gegen Trasse“. Gut 40 Teilnehmer tragen neon-gelbe Westen und halten Plakate in die Luft. Darauf ist ein Strommast zu sehen, darüber steht in fetten roten Lettern „Nein“. Ihre vereinzelten Rufe gehen in dem Dröhnen der Lautsprecher unter.

An diesem Montag ist Bundeskanzlerin Angela Merkel in die thüringische Kleinstadt Schleiz gereist, etwa 60 Kilometer südlich von Jena, unweit der Grenzen zu Bayern und Sachsen.  Hier unterstützt sie die amtierende Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) im Landtagswahlkampf.

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Die Demonstranten hoffen, dass Merkel sich zu der umstrittenen Gleichstromtrasse äußert, die unter anderem Windstrom aus dem Norden in den Süden Deutschlands transportieren soll. Für Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel ist die Verbindung ein unverzichtbares Element der Energiewende. Ohne sie, so Gabriel, drohen in Teilen Deutschlands Stromengpässe.

Demonstranten sind enttäuscht

Insgesamt gab es 27.000 Einwendungen gegen die Stromtrasse. Der Großteil dessen stammt jedoch aus Bayern. Nur rund 1000 kamen aus den ostdeutschen Bundesländern und Hamburg. Die Protestler kritisieren, dass die Leitung unnötig sei. Statt Grünstrom transportiere sie billigen Braunkohlestrom aus Sachsen. Vorrangig gelten ihre Sorgen allerdings der eigenen Gesundheit, sinkenden Grundstückpreisen und der reduzierten Attraktivität ihrer Region.

Zu ihren Bedenken sagt die Kanzlerin an diesem Abend: nichts. Die Demonstranten sind enttäuscht. „Das war wie ein Schlag ins Gesicht“, schimpft Lutz Heidrich, Mitinitiator der Bürgerinitiative. „Wir fühlen uns nicht ernst genommen. Wir wurden isoliert, während andere Privilegierte direkt vor der Bühne Platz nehmen dürfen. Ich fühle mich in die DDR zurückversetzt.“

Ministerpräsidentin Lieberknecht müht sich, die Empörung zu beruhigen. „Mit mir gibt es hier keine Trasse“, erklärt sie einer Traube von Bürgern selbstbewusst im Gespräch nach der Veranstaltung. Das kommt bei der potenziellen Wählerschaft an. Aktuellen Umfragen zufolge steigt das Wahlergebnis der CDU auf 36 Prozent – fast fünf Punkte mehr als bei der letzten Landtagswahl 2009. Zweitstärkste Kraft würde die Linke mit 26 Prozent, gefolgt von der SPD mit 16 Prozent.

Damit wird voraussichtlich auch in der kommenden Legislaturperiode eine Koalition aus CDU und SPD regieren. Nach Sachsen würde die AfD in Thüringen in den zweiten Landtag einziehen. Die Partei liegt aktuell bei 8 Prozent.

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