Lebensmittel: Aigner kritisiert Konzerne, Spekulanten und Verbraucherorganisation

Lebensmittel: Aigner kritisiert Konzerne, Spekulanten und Verbraucherorganisation

von Christian Ramthun

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) plant einen Agrargipfel gegen Rohstoffspekulanten. Sie kritisiert zudem Ernährungs- und Handelskonzerne und nennt Foodwatch-Kampagnen „bedenklich".

„Wir Deutschen sollten unsere Esskultur mehr pflegen und überhaupt ein stärkeres Bewusstsein bei der Ernährung entwickeln“, sagt Aigner im Interview mit der WirtschaftsWoche. Die Ministerin erklärte, sie wolle die Verbraucher dazu ermuntern, sich ausgewogenen zu ernähren und Lebensmittel gezielter auszuwählen. Aigner: „Wer selbst kocht, muss für mehr Geschmack zwar etwas Zeit investieren, aber meist spart er Geld.“ Allerdings würden die Deutschen schon beim Einkauf knausern. So gäben die Bundesbürger im Schnitt etwa zehn Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus, die Franzosen dagegen 13 und die Italiener fast 15 Prozent. Viele Deutsche würden „ihr Auto liebevoller als ihren eigenen Körper behandelt“, kritisierte die Verbraucherministerin.

Daneben fordert Aigner auch mit Blick auf den Klimaschutz mehr Bewusstsein bei Einkaufen: „Peruanischer Spargel oder südafrikanische Erdbeeren im Winter – das muss nicht sein, schon aus Gründen des Klimaschutzes.“ Außerdem störe sie der oft unachtsame Umgang mit Nahrungsmitteln. In Deutschland landeten nach Schätzungen jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll, sagte Aigner der WirtschaftsWoche: „Das ist auch ein ethisches Problem und eine Verschwendung von Ressourcen.“

Anzeige

Warnung vor Nahrungsmittelknappheit

Aigner warnt außerdem vor einer Ausbreitung des Hungers in der Welt. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung müsste die Nahrungsmittelproduktion deutlicher als bisher steigen, sagte die Ministerin im Interview. Bei Getreide müssten die Erträge jährlich um 3,3 Prozent zunehmen, der tatsächliche Zuwachs liege derzeit aber nur bei zwei Prozent. Allerdings sieht Aigner noch große Potenziale bei den Flächenerträgen. Diese seien bei Getreide „in Deutschland oder England doppelt so hoch wie in den USA und mehr als viermal so hoch wie in den meisten afrikanischen Ländern“. Dabei könnte die notwendige Produktionssteigerung mit konventionellen Methoden der Technik und Züchtung erreicht werden.

Kritik übt Aigner an Rohstoffspekulanten und kündigte Gegenmaßnahmen an. Es gehe darum, „Mittel gegen rein kapitalmarktgesteuerte Spekulationen zu finden, ohne dabei die Stabilisierungseffekte der Warenterminbörsen zu beeinträchtigen“. Im Landwirtschaftsministerium hat Aigner inzwischen eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, „alle Instrumente auf den Prüfstand zu stellen“. Für Anfang 2011 will die Ministerin in Berlin einen Agrarministergipfel einberufen, der sich mit Fragen des Agrarrohstoffhandels und der globalen Ernährungssicherung befasst.

"Schwarze Schafe"

Im Kampf gegen Verbrauchertäuschung will Ilse Aigner stärker gegen Auswüchse in der Wirtschaft vorgehen. Die CSU-Politikerin erklärte: „Es gibt in der Ernährungswirtschaft schwarze Schafe, und die sollten auch benannt werden dürfen.“ Zum Teil liege das „am wahnsinnigen Preisdruck“ im Lebensmittelsektor, sagte Aigner: „Viele Hersteller sehen sich durch den Handel gezwungen, ständig ihre Kosten zu optimieren und ihre Produkte so günstig wie möglich zu produzieren.“ Mit der Einrichtung einer Internet-Plattform im kommenden Frühjahr will die Ministerin „einen längst überfälligen Dialog“ zwischen Verbrauchern und Herstellern initiieren.

Von der Ernährungswirtschaft verlangt die Ministerin, auf das neue Verbraucherbewusstsein zu reagieren. „Die Verbraucher sind keine statischen Wesen. Sie entwickeln seit einiger Zeit ein stärkeres Bewusstsein bei Lebensmitteln, auch Faktoren wie eine Zunahme von Lebensmittel-Unverträglichkeiten und Allergien verändern das Verhalten. Daneben gibt es immer mehr technologische Entwicklungen im Nahrungsmittelbereich. Ein Beispiel: Vermeintliche Innovationen wie Klebeschinken sind zwar nicht gesundheitsschädlich, aber vielen Verbrauchern zuwider.“

Scharfe Kritik übt die Verbraucherschutzministerin an Ex-Greenpeace-Aktivist Thilo Bode, der seit einigen Jahren mit der von ihm gegründeten Organisation Foodwatch öffentlich auf Missstände hinweist. Bode lebe von der „Skandalisierung“, so Aigner: „Das ist sein Geschäftsmodell, um möglichst viele Mitglieder und Spendengelder zu gewinnen.“ Sie halte jedoch „Kampagnen, die ein Klima der Verunsicherung schüren, für bedenklich“.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%