Lebensmittelkennzeichnung: Die Ampel lebt noch

KommentarLebensmittelkennzeichnung: Die Ampel lebt noch

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Jürgen Rees

von Jürgen Rees

Die Vertreter der Nahrungsmittelindustrie haben alles dafür getan, die verhasste Lebensmittelampel zu verhindern. Den Schaden haben die Verbraucher und die Versicherten, denn sie zahlen die Folgeschäden der Fehlernährung. Doch vor der endgültigen Entscheidung des Parlaments im Mai gibt es plötzlich wieder Hoffnung auf eine klare Kennzeichnung.

Es könnte so einfach sein: Rot, gelb, grün. Auf einen Blick würde mit den drei Ampelfarben jeder Verbraucher im Supermarkt erkennen, wie viel Fett, Zucker und Salz in der Fertigpizza, der Cola, Keksen oder den Kartoffelchips enthalten ist. Gesunde Waren würden einen grünen Punkt, besonders süße, fettige oder salzige Speisen jeweils einen roten Punkt erhalten. Aber seit Monaten laufen Vertreter der Lebensmittelindustrie Sturm gegen die verhasste Ampel. Sie sei unwissenschaftlich ist eines der Hauptargumente der Nahrungsindustrie, das sich auch die Berichterstatterin Renate Sommer (CDU) zu eigen gemacht hatte.

Die Überraschung: Trotz des massiven Drucks ging die Abstimmung im Umweltausschuss des Europaparlaments denkbar knapp aus. Je 30 Ja- und Nein-Stimmen sowie zwei Enthaltungen führten zwar dazu, dass der Antrag für die EU-weit verpflichtende Einführung der Ampelkennzeichnung abgelehnt wurde. Doch schon keimt bei Verbraucherschützern die Hoffnung, dass der Kampf für die Ampel doch nicht so aussichtslos ist, wie es lange schien. Mit Spannung warten sie auf die Entscheidung im Plenum, die im Mai stattfinden soll.

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Vielleicht haben sich die Parlamentarier des Ausschusses selbst ein Bild im Supermarkt gemacht. Dann haben sie gesehen wie verwirrend und intransparent das von der Industrie favorisierte Modell der „Guideline daily amount“ (GDA) wirklich ist. Der GDA soll ein Richtwert für die Tageszufuhr von Energie sowie bestimmten Stoffen mit der Nahrung sein, doch wissenschaftlicher als die Ampel sind auch die GDA nicht. So stehen etwa auf einer Packung mit Kartoffelchips Werte für die praxisfremde Portionsgröße von 15 Gramm und für 100 Gramm. Das zusammen ergibt einen Wust von Werten, Zahlen und Begriffen, die vielleicht ein Lebensmittelchemiker durchschaut, aber nicht der Kunde, der im Supermarkt nur wenig Zeit hat.

1,9 Millionen Kinder übergewichtig

Das haben neben Verbraucherschützern auch Krankenkassen und Ärzte erkannt, die für die Folgen der Fehlernährung zahlen oder sie in ihren Praxen sehen: Zwei von drei deutschen Männern und jede zweite Frau sind zu dick. Dazu kommen erschreckende 1,9 Millionen übergewichtige Kinder. Für die deutschen Kinderärzte liegt die Ursache der grassierenden Dickleibigkeit auf der Hand: Männer, Frauen, Kinder nehmen zu viel Fett zu sich. Dabei handelt es sich vor allem um in Lebensmittel versteckte Fette, beispielsweise in Wurst, Käse, Backwaren oder Süßigkeiten. Übergewicht ist ein erheblicher aber vermeidbarer Risikofaktor für chronische Krankheiten wie Diabetes und Herz- Kreislauferkrankungen. Die Kosten für ernährungsbedingte Krankheiten belaufen sich alleine in Deutschland auf rund 70 Milliarden Euro.

Es ist ganz klar: Aufklärung tut not. Aber bitte so, dass sie möglichst jeder versteht. Denn vor allem sogenannte bildungsferne Schichten sind von dieser Entwicklung zur Fettleibigkeit ganz besonders betroffen. Deshalb müssen Lebensmittel so einfach gekennzeichnet sein, dass auch Analphabeten auf den ersten Blick erkennen, ob Lebensmittel gesund sind oder nicht. Das kann die Ampel am besten.

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