Lehrstellensituation im Osten: Schleyer: "Wir brauchen Azubis aus Polen und Tschechien"

Lehrstellensituation im Osten: Schleyer: "Wir brauchen Azubis aus Polen und Tschechien"

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Weil es im Osten Deutschlands zu wenig Bewerber für die offenen Lehrstellen gibt, will das Handwerk künftig junge Leute aus Polen und Tschechien für eine Ausbildung in Deutschland begeistern

Das deutsche Handwerk will in Zukunft auch Auszubildende aus Polen und Tschechien anwerben. Der Zahl der einheimischen Bewerber nimmt nach Aussage des Generalsekretärs des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hanns-Eberhard Schleyer, so stark ab, dass viele Betriebe nur noch durch Anwerbung von Ausländern ihre Existenz sichern können.

„Im Osten ist die Situation dramatisch. Hier halbiert sich die Zahl der jugendlichen Bewerber bis 2011. Viele unserer Betriebe schlagen Alarm, da sie ihre Stellen nicht mehr besetzen können. Langfristig kann das existenzgefährdend sein“, sagte Schleyer der WirtschaftsWoche. „In Brandenburg oder Sachsen schielen unsere Betriebe längst nach Osten. Wir sollten schon bald Jugendliche aus grenznahen Regionen in Polen oder Tschechien für eine Ausbildung in Deutschland gewinnen.“

Dabei denkt das Handwerk nicht an Gastarbeiter, sondern will die Arbeitskräfte auf Dauer gewinnen. „Wir reden ja nicht von Handlangern am Fließband, wir wollen jungen Menschen aus den Nachbarländern eine solide Ausbildung mitgeben. Wir bieten ihnen eine Lebensperspektive – auch als Facharbeiter in Deutschland“, unterstreicht Schleyer. „Im EU-Binnenmarkt darf solche Freizügigkeit kein Tabu sein. Sollte die Arbeitnehmerfreizügigkeit mit den Beitrittsländern 2009 noch um zwei Jahre aufgeschoben werden, müssen wir für Auszubildende eine Ausnahme machen. Sonst fehlt uns der Nachwuchs.“

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Inzwischen besetzen die Firmen Lehrstellen auch verstärkt mit Altbewerbern, die bisher mangels ausreichender Qualifikation nicht eingestellt wurden. Daneben setzt das Handwerk darauf, dass die Qualifikationen der Schulabgänger besser werden. „Die Zahl der Altbewerber wird weiter schrumpfen. Dann bleibt das Problem, dass bis zu einem Viertel der Schulabgänger die Ausbildungsreife nicht haben. Hier sind die Bundesländer in der Pflicht“, so Schleyer. „Vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien und solche mit Migrationshintergrund lernen oft zu spät und zu wenig Deutsch. Schon in der Grundschule kommen sie nicht mehr mit. Die Länder müssen diese Kinder frühzeitig fördern.“

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