Liberale: Das mitfühlende Gesicht der FDP

Liberale: Das mitfühlende Gesicht der FDP

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Philipp Rösler beim Landesparteitag der FDP in Braunschweig

von Henning Krumrey

Ein neues Gesicht – mehr nicht. Die inhaltliche Gesundung der Partei will der neue Vorsitzende in den kommenden Wochen leisten. Sein Rezept: Bescheidenheit in Zielen und Auftreten.

Am Anfang war das „Kuriosum“. In der Studentenkneipe in der hannoverschen Nordstadt fragte sich im Jahr 1992 ein eher schmächtiger Asiate zur Gruppe adretter Altersgenossen durch: Er wolle bei den Jungen Liberalen mitmachen. 19 Jahre später soll Philipp Rösler Bundesvorsitzender der FDP werden.

Mit dem neuen Gesicht an der Spitze wollen die Freidemokraten Vertrauen und vor allem Sympathie zurückgewinnen. Der Mediziner muss den zweitgrößten Koalitionspartner führen, der bei den Landtagswahlen an Schwindsucht leidet. Und er möchte neue inhaltliche Schwerpunkte setzen. Doch wie sein „mitfühlender Liberalismus“ ganz konkrete politische Alltagsfragen entscheidet, ist bislang unklar.

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Die größte Veränderung für Rösler fand schon in den vergangenen Monaten statt. Vorsicht und Misstrauen haben sich des Novizen in der Bundespolitik bemächtigt. Mit seinem Einsatz auf der Bundesebene, so hatte er früher gern kokettiert, habe sich sein Wortschatz erweitert. Als niedersächsischer Landespolitiker müsse man nur drei Worte können: „Moin, Jau und Korn.“ Für den Streit mit der Opposition im Vermittlungsausschuss, witzelte er vergangenes Jahr, habe er sich zwei weitere zugelegt: „Schiet und Nö!“ Jetzt ist Schluss mit lustig: Rösler steht allein im Rampenlicht, und seine Partei erwartet, dass er „Schiet und Nö“ der Bundeskanzlerin Angela Merkel entgegenhält.

Das wird schwer, denn seinen Aufstieg in die Bundespolitik verdankt er nicht seinem langjährigen Förderer und Vorgänger Guido Westerwelle, sondern der CDU-Vorsitzenden. Als es im Oktober 2009 an die Kabinettsbildung ging, konfrontierte Merkel ihren FDP-Partner mit der Frage, ob man nicht auch einige frische Gesichter im Kabinett bräuchte – wie seinen Rösler. Den Niedersachsen hatte sie erst bei den Verhandlungen kennen- und während eines längeren Vier-Augen-Gesprächs über die Gesundheitspolitik schätzen gelernt.

Doch Westerwelle winkte ab. Rösler sei doch erst seit wenigen Monaten Landesminister, habe gerade in Hannover ein Haus gekauft, seine Zwillingstöchter seien gerade mal ein Jahr alt. Aber Merkel ließ nicht locker: „Darf ich denn mal mit ihm sprechen?“, fragte sie unschuldig. Westerwelle willigte ein.

Dann schaltete die raffinierte CDU-Vorsitzende auf Charme. Bei einer der letzten Koalitionsrunden pirschte sie sich an den Neuling heran: „Sagen Sie mal, Sie wollen nicht nach Berlin?“, fragte sie mit verwundertem Unterton. „Ich darf doch nicht“, antwortete Rösler. Und es blieb unklar, ob er den eigenen Vorsitzenden meinte oder die private Lage. „Lassen Sie uns mal drüber reden“, schlug Merkel vor – und Rösler am Ende ein: „Gut, ich mach’s!“

Es war die fröhliche Leichtigkeit, mit der Rösler in der Vergangenheit erfrischend und weitgehend unbeschadet seinen politischen Aufstieg geschafft hat. Der in Vietnam geborene 38-Jährige, als Baby von einer deutschen Familie adoptiert, verkörpert alle preußischen Tugenden: Fleiß, Pflichterfüllung, Geradlinigkeit, Pünktlichkeit. Fast im Zeitraffer gelang sein Aufstieg bis zum Wirtschaftsminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten in Niedersachsen. Im Herbst 2009 wechselte er in die Bundesregierung: Der frühere Bundeswehr-Arzt übernahm das Gesundheitsministerium.

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