Lindner-Rücktritt: Durchhalteparolen bei der FDP

Lindner-Rücktritt: Durchhalteparolen bei der FDP

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Das junge Trio Lindner, Rösler und Daniel Bahr hat es nicht wie angestrebt geschafft, die FDP nach der Ära Westerwelle zu retten. Generalsekretär Christian Lindner erklärte seinen Rücktritt.

von Henning Krumrey

Der Rücktritt von Generalsekretär Christian Lindner ist ein destruktives Misstrauensvotum gegen Philipp Rösler. Der Parteichef versucht nun, sich ins neue Jahr zu retten.

Es war der 114. Geburtstag Thomas Dehlers, und der Laden war rappelvoll. Doch in der FDP-Parteizentrale, benannt nach dem Urliberalen, drängten sich nicht ehrfürchtige Festgäste, sondern sensationsgierige Journalisten. Gleich drei Mal wurden sie an diesem Tag zu den Freidemokraten gerufen.

Erst erklärte FDP-Generalsekretär Christian Lindner in dürren Worten seinen Rücktritt, zwei Stunden später sprach der Vorsitzende Philipp Rösler eine ebenso knappe Durchhalteparole in die Mikrofone. Am Abend konnte er zwar immerhin schon einen Lindner-Nachfolger präsentieren, dennoch war allen klar: Die Krise des kleinen Koalitionspartners und seines Chefs ist damit nicht vorüber.

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Schon am Morgen, gleich nach der für alle überraschenden Rücktrittsnachricht, hatten Mitarbeiter des Dehler-Hauses und FDP-Sympathisanten erste Wetten abgeschlossen: Hält Rösler bis zum traditionellen Dreikönigstreffen in Stuttgart am 6. Januar durch, oder muss auch er vorher die Segel streichen? Der Einsatz: eine Flasche Besserverdiener-Brause, rosé.

Denn Lindners Flucht aus Verantwortung und Parteizentrale war ein Misstrauensvotum gegen den Vorsitzenden, Ausdruck jener Zweifel, die den Generalsekretär in den vergangenen Wochen umgetrieben hatten: dass nämlich der junge Chef, überfordert mit der Doppelbelastung als Wirtschaftsminister und Parteichef, weder in der völlig verunsicherten Partei noch beim Bürger Vertrauen erlangt, nicht mal bei der FDP-Klientel.

Der letzte Anstoß zum Ausstieg: Röslers überflüssige Feststellung vom Wochenende, die Euro-Kritiker in der Partei seien gescheitert – drei Tage bevor die Abstimmungsfrist endete. Die Pein, den Fauxpas des Chefs bemänteln zu müssen, war Lindner anzusehen.

Falsche Wahl beim Generalsekretär

Das Verhältnis war in den vergangenen Monaten erodiert, und Rösler hatte seinen wichtigsten Mitarbeiter bei mancher Illoyalität erwischt. Mal organisierte der vor dem jüngsten Parteitag ein Treffen mit Funktionären, obwohl die Führung dies abgelehnt hatte. Dann sprach Lindner jüngst gern von der „neuen Führung um Philipp Rösler und Rainer Brüderle“. Die Aufwertung des Fraktionsvormanns sah der Vorsitzende mit Skepsis. Auch der vorige Parteichef Guido Westerwelle hatte seine Kür Lindners zum Generalsekretär später als einen seiner Fehler gesehen.

Das Urteil im Parteiapparat über Lindners Rücktritt ist einheitlich: „Loyal ist das nicht“, entfuhr es dem NRW-Landesvorsitzenden Daniel Bahr, der sich zusammen mit Rösler und Lindner auf den Weg gemacht hatte, die Partei zu erneuern.

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