
Die Anwesenden zweifeln nicht daran. Es ist eine Mischung aus Rentnern und sehr jungen Leuten. Die Älteren mit Polohemd und Freizeitjacke sehen so aus, als hätten sie ein, zwei Stunden vorher noch in ihrem Kleingarten irgendwo im Ostteil Berlins faule Äpfel aufgesammelt. Die jüngeren tragen Cordjacket und Che-Guevara-Mützen oder angesagte Brillen mit dunklem Plastikgestell. Viele haben haben sich ihre politischen Botschaften ans Revers geheftet: "Make Capitalism history" zum Beispiel. Am Buchstand kann man "DDR-Witze, das Original" käuflich erstehen, "Chinas Weg – 60 Jahre Volksrepublik" oder "So haben wir uns eingerichtet – das DDR-Zuhausebuch" mit Fotos von Plaste-Schrankwänden und Couchgarnituren. Außerdem gibt es für 1,50 Euro ein kleines Fläschchen "Jubellikör" über "fast 60 Jahre DDR".
Die heulende Braut traut sich noch nicht
Doch neben all den älteren Ostdeutschen, die in der Linken ihre Volkspartei sehen, haben auch Menschen ihr Kreuz bei den Dunkelroten gemacht, die sonst andere Parteien wählen. Ein schon sehr alter Herr, offensichtlich aus Westdeutschland, erklärt draußen vor dem Festzelt ein paar jungen Leuten, dass er nach der Erfahrung der Nazi-Zeit nie wieder deutsche Soldaten im Ausland sehen möchte – und deshalb links wählt. Ein Kreuzberger Journalist, der sonst für die Grünen stimmte, entschied sich für Links, weil es seinem "demokratischen Empfinden" widerspricht, dass in Thüringen, wo die Linke fast stärkste Partei geworden wäre, während die CDU herbe Verluste hinnehmen musste, "der Wählerwille im Falle einer Großen Koalition mit den Füßen getreten wird", sagt er.
Nach dem Besuch am Bücherstand wundert es nicht mehr, dass diese Partei einen Westbeauftragten braucht. Noch dringender aber braucht sie endlich mögliche Koalitionspartner, das weiß auch Lafontaine, der zum Abschied kokett seinen Blumenstrauß in die Menge wirft. Bis zum Willy-Brandt-Haus, wo die heulende Braut, die sich nicht traut, sitzt, hat er allerdings nicht getroffen.














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Alle Kommentare lesen01.10.2009, 10:59 UhrAnonymer Benutzer: Jens
bevor man solch einen indifferenten Quark abläßt, sollte man sich doch vielleicht etwas sachkundig machen. ihr nicht gerade neues Stammtisch-Argument, mit Volksentscheiden ginge alles besser, hinkt auf allen Füßen. Unsere Verfassungsväter haben dieses Thema lange diskutiert und sind angesichts der negativen Erfahrungen in der (von Radikalen zerlegten) Weimarer Republik zu dem Schluß gelangt, dieses plebiszitäre Element nicht ins Grundgesetz aufzunehmen. im Klartext: Sie haben offenbar dem deutschen Volk nicht die politische Reife testiert, damit verantwortungsvoll umzugehen, wenn Radikale zu jedem populistisch geeigneten Thema Volksbefragungen inszenieren. Das müßte selbst für Sie nachvollziehbar sein.
01.10.2009, 09:40 UhrAnonymer Benutzer: Helago
Demokratie ist: banken (HRE und Commerzbank) mit Milliarden zu retten, weil im Falle der HRE andere banken und Versicherungen sonst ein großes Abschreibungsproblem gehabt hätten. Und für Herr Ackermann wären seine 25 % Rendite nicht erreichbar gewesen. Leute die mich als Demokratiefeindlich diffamiert haben frage ich, weshalb verhindert die CDU seit Jahren Volksentsscheide? Demokratie bedeutet für mich NiCHT Konzerene bestimmen sondern das Volk. Übrigens gibt es in Deutschland KEiNE Demokratie, sondern eine Dikatur der Parteien.
30.09.2009, 19:31 UhrAnonymer Benutzer: pirat
Da es in der SPD keinen Kanditaten gibt der solange beine hat, um auf dem trockenen rechten und linken Ufer des Wählerspektrums Fuss zu fassen, ist die Analyse von Herrn Fenslau zutreffend. Weder Herr Steinmeier noch Herr Gabriel scheinen mir zur erfolgreichen bewältigung dieser schweißtreibenden Körperbelatung geeignet. Frau Nahles möchte ich mir im Spagat erst gar nicht vorstellen. Die Decke wird also immer zu kurz sein. Das ist das bittere Los des alten Tante SPD. Entweder kalte Füsse oder kaltes Herz.