Linkspartei: "Hurra, die SPD hat verloren"

KommentarLinkspartei: "Hurra, die SPD hat verloren"

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Lothar, Gregor, Oskar: Die Linkspartei feiert in der hippen Kulturbrauerei in Berlin Prenzlauer Berg

Die Linke freut sich über ihr gutes Wahlergebnis, aber noch viel mehr über das schlechte Abschneiden der SPD. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteurin Katharina Koufen.

Die Linke freut sich über ihr Wahlergebnis von gut 12 Prozent, keine Frage. Als bekannt wird, dass die Partei sogar in Bayern sechs Prozent geschafft hat, verfallen die Linken und ihre Gäste sogar in rhythmisches Klatschen,  begleitet von "Yeah-Rufen". Aber so richtig von den Socken sind die Anwesenden, als die Hochrechnungen für das SPD-Ergebnis bekannt werden. Je trauriger Franz Müntefering von der Riesenleinwand schaut, desto frenetischer  wird der Jubel in dem weißen Bierzelt im Hof der Kulturbrauerei, einer der hippesten Orte im hippen Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Hurra, die Kriegstreiber und Hartz-IV-Verbrecher sind so richtig abgeschmiert! "Wir waren die Einzigen, die im Wahlkampf über Politik geredet haben", prahlt Ulrich Maurer, der "Westbeauftragte" der Linken. "Hartz IV abwählen" – die Leute klatschen – "raus aus Afghanistan" – die Leute johlen. Müntefering ist unbeliebt, aber Steinmeier eine Hassfigur – als er im Fernsehen spricht, werden "Buh-Rufe" laut. Münte werde wohl als Bauernopfer gehen müssen, aber eigentlich sollte es Steinmeier treffen, diesen "Architekten von  Hartz IV" – so die einhellige Meinung hier im Zelt.  Wie so oft bei politischen Veranstaltungen, und hier bei der Linken besonders, befällt einen diese besondere Art von  Gänsehaut: Je platter die Botschaft, desto lauter der Beifall. 

Viel Grund zur Freude bei den Linken

 "Gegen Militarismus und Billig-Löhne", wettert auch Bodo Ramelow, der erfolgreiche Spitzenkandidat bei der Thüringer Landtagswahl vor gut einem Monat, von der Bühne.

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Für die Thüringer Linke gibt es heute Abend besonders viel Grund zur Freude: Die SPD wird auf Bundesebene aller Voraussicht nach in die Opposition wandern – und kann künftig nur noch über den Bundesrat einer schwarzgelben  Koalition in Berlin contra geben. Die Thüringer SPD werde es sich deshalb drei Mal überlegen, ob sie auf Rotrotgrün auf Länderebene verzichtet, nur weil sie im Wahlkampf versprochen hat, sie werde den Linken Bodo Ramelow nicht zum Ministerpräsidenten wählen, ist man bei der Linken überzeugt. Nun geht man davon aus, dass Ramelow auf den Posten verzichtet und die Thüringer SPD einen anderen Kandidaten der Linken mit trägt. An eine Große Koalition in Thüringen glaubt seit heute keiner mehr, hier im Bierzelt nicht, und ein paar Kilometer weiter im Konrad-Adenauer- und im Willy-Brand-Haus bei Union und SPD wohl auch nicht.

Der Kaiser ist nackig

Katharina Koufen

Katharina Koufen

„Der Kaiser mit Namen Christoph Matschie ist nackig“, ätzt Ramelow über seinen Thüringer SPD-Kollegen. "Die SPD wird schon merken: Gegen schwarzgelb hilft nur eine rotrotgrüne Mehrheit im Bundesrat."

Später kommt auch Bruno  Ehrlicher auf die Bühne, man wünscht sich, er wäre Tatortkommissar geblieben und hätte sich die Episode als Kandidat für die Bundespräsidentenwahl gespart. Und natürlich das Trio "Bodo, Gregor und Oskar" – alle drei schwenken Blumensträuße und strahlen um die Wette. "Wir haben die Schallmauer durchbrochen", verkündet Parteichef Lothar Bisky. "Als ich mich 1989 auf den Weg machte, hätte ich mir so etwas in meinen Träumen nicht ausgemalt", sagt Fraktionschef Gregor Gysi. "Wir haben die Gesellschaft durcheinander gebracht, und das war auch richtig". Und Parteichef Oskar Lafontaine witzelt: "Ab wann ist man eigentlich Volkspartei?" Vier Landtage müssten die Linken noch "nehmen" – und "das schaffen wir auch noch!" Der Rüttgers, Ministerpräsident in Düsseldorf, habe heute schon so traurig dreingeschaut – "der weiß schon: Bald ziehen wir auch in Nordrhein-Westfalen in den Landtag ein!"

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