Literaturnobelpreisträger : Günter Grass ist tot

Literaturnobelpreisträger : Günter Grass ist tot

, aktualisiert 13. April 2015, 11:51 Uhr
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Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass ist gestorben.

Mit der „Blechtrommel“ schrieb Günter Grass Weltliteratur, als gesellschaftspolitischer Moralist erregte er Widerspruch. Jetzt ist der große deutsche Nachkriegsautor und Nobelpreisträger mit 87 Jahren gestorben.

Günter Grass ist tot. Der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger starb am Montag im Alter von 87 Jahren in Lübeck, teilte der Steidl Verlag in Göttingen mit. Grass galt als einer der weltweit bedeutendsten deutsche Autoren der Gegenwart. Lebenslang schaltete er sich leidenschaftlich in gesellschaftspolitische Debatten ein. Gleich sein erster, 1959 erschienener Roman „Die Blechtrommel“ geriet zum Welterfolg. 40 Jahre später wurde Grass für sein Gesamtwerk mit dem Literaturnobelpreis geehrt.

„Die Blechtrommel“ brachte dem gebürtigen Danziger auch international den Durchbruch. Sie gehört zu den wichtigsten Romanen der deutschen Nachkriegsliteratur und gilt als Jahrhundertwerk. Das Nobelpreis-Komitee nannte das Buch die „Wiedergeburt des deutschen Romans im 20. Jahrhundert“. Grass erzählt darin von den Erlebnissen des aus Danzig stammenden Zwerges Oskar Matzerath, der sich mit drei Jahren weigert, weiter zu wachsen.

Das Erscheinen des Bildungs- und Schelmenromans rief in der Bundesrepublik manche Sittenwächter auf den Plan, die sich an den teils deftigen erotischen Szenen störten. Seit den „Buddenbrooks“ von Thomas Mann habe kein Erstling einen derartigen Aufruhr verursacht, befand das Nobelpreiskomitee. Die Verfilmung des deutschen Regisseurs Volker Schlöndorff wurde 1980 mit dem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet.

Der zuletzt in Behlendorf bei Lübeck lebende Grass hatte nach dem Krieg eine Steinmetzlehre gemacht und in Düsseldorf und Berlin Kunst studiert; er war Bildhauer und Grafiker. Er zeichnete auch und schrieb Gedichte. „Die Blechtrommel“ bildet zusammen mit der Novelle „Katz und Maus“ (1961) und dem Roman „Hundejahre“ (1963) die sogenannte Danziger Trilogie. Weitere wichtige Werke sind die Novelle „Aus dem Tagebuch einer Schnecke“, die Romane „Der Butt“ (1977) und „Die Rättin“ (1986), das skandalumrankte Buch „Ein weites Feld“ (1995) sowie die Novelle „Im Krebsgang“ (2002). Fast ein halbes Jahrhundert nach der „Danziger Trilogie“ schrieb Grass seine „Erinnerung der Trilogie“ mit drei autobiografischen Bänden.

Die wichtigsten Fragen zum Literatur-Nobelpreis

  • Wie wichtig ist der Preis?

    Der Literaturnobelpreis gilt als die wichtigste literarische Auszeichnung der Welt. Er wird nicht nur renommierten Autoren verliehen, sondern verhilft manchmal auch weitgehend unbekannten Schriftstellern zu Ruhm und Ehre. Auch die Verlage profitieren.

  • Wofür wird er verliehen?

    Nach dem Willen des Stifters, des schwedischen Chemikers, Erfinders und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896), soll den Preis derjenige erhalten, „der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat“. Das Werk soll von hohem literarischen Rang sein und dem Wohle der Menschheit dienen.

  • Seit wann gibt es ihn?

    Der Preis wird seit 1901 mit wenigen Ausnahmen jährlich verliehen.

  • Wie ist er dotiert?

    Mit 8 Millionen Schwedischen Kronen (etwa 920.000 Euro).

  • Wer bestimmt darüber, an wen der Preis geht?

    Die Schwedische Akademie entscheidet über die Preisvergabe. Zusammensetzung und Arbeitsweise richten sich nach Regeln, die auf die Gründung des Gremiums 1786 zurückgehen. Die Akademie hat bis zu 18 Mitglieder. Sie werden von der Akademie selbst auf Lebenszeit gewählt. Bis zur endgültigen Abstimmung über einen Preisträger liegt die Hauptarbeit beim Nobelkomitee mit fünf Mitgliedern. Es wird für drei Jahre gewählt.

  • Gibt es dabei auch Überraschungen?

    Zuletzt war im Jahr 2000 der in Frankreich lebenden Chinese Gao Xingjian der literarischen Öffentlichkeit so gut wie komplett unbekannt. Er ist es trotz des Preises auch geblieben.

  • Wer waren die Preisträger der letzten zehn Jahre?

    2016: Bob Dylan (USA)

    2015: Swetlana Alexijewitsch (Weißrussland)

    2014: Patrick Modiano (Frankreich)

    2013: Alice Munro (Kanada)

    2012: Mo Yan (China)

    2011: Tomas Tranströmer (Schweden)

    2010: Mario Vargas Llosa (Peru)

    2009: Herta Müller (Deutschland)

    2008: J.M.G. Le Clézio (Frankreich)

    2007: Doris Lessing (Großbritannien)

    2006: Orhan Pamuk (Türkei)

  • Welche deutschsprachigen Autoren haben ihn bisher erhalten?

    Bisher haben 13 deutschsprachige Autoren den Preis erhalten, davon 8 aus Deutschland:

    Herta Müller (2009), Elfriede Jelinek (Österreich/2004), Günter Grass (1999), Elias Canetti (Großbritannien/1981), Heinrich Böll (1972), Nelly Sachs (Schweden/1966), Hermann Hesse (Schweiz/1946), Thomas Mann (1929), Carl Spitteler (Schweiz/1919), Gerhart Hauptmann (1912), Paul Heyse (1910), Rudolf Eucken (1908), Theodor Mommsen (1902).

Der erste autobiografische Band „Beim Häuten der Zwiebel“ sorgte 2006 für manchen Aufschrei. Überraschend machte Grass öffentlich, dass er als 17-Jähriger am Ende des Zweiten Weltkriegs Mitglied der Waffen-SS war. Dem Autor wurde vorgeworfen, seine SS-Zugehörigkeit zu lange verschwiegen zu haben, während er andere immer wieder wegen ihrer NS-Vergangenheit öffentlich kritisiert habe.

In der Bundesrepublik engagierte sich Grass schon seit den 1960er Jahren als Gesellschaftskritiker. Seit den 1960er Jahren warb er in Wahlkämpfen für die SPD. Aus Protest gegen deren Asylpolitik trat er 1992 zwar aus der Partei aus, blieb ihr aber bis zuletzt verbunden. Früh setzte er sich auch für eine deutsch-polnische Verständigung und für den Verzicht auf die ehemaligen deutschen Ostgebiete ein. Immer wieder löste er heftige Kontroversen aus, zuletzt 2012 wegen eines Israel-kritischen Gedichts. Das Gesamtwerk des Literaturnobelpreisträgers ist im Göttinger Steidl Verlag erschienen.


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