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Lockerung der Sparauflagen: Merkel in der Griechenland-Falle

von Dietmar Neuerer Quelle: Handelsblatt Online

In der Griechenland-Frage gerät Merkel zunehmend unter Druck, eine Lockerung der Sparauflagen nicht zu blockieren. Die FDP ist dafür. Wohl auch Teile der Euro-Gruppe. Doch in der Union formiert sich massiver Widerstand.

Angela Merkel. Quelle: AFP
Angela Merkel. Quelle: AFP

BerlinDass sich Angela Merkel immer wieder mit der quer schießenden FDP herumschlagen muss, ist nichts Neues. Seit die „Wunschkoalition“ vor drei Jahren an den Start ging, gab es immer wieder Reibereien. Bis heute hat sich daran nichts geändert. In der Griechenland-Frage wagte sich Außenminister Guido Westerwelle als erstes deutsches Regierungsmitglied hervor und brachte eine Lockerung der Sparauflagen ins Spiel. Das war nicht mit der Kanzlerin abgestimmt. Entsprechend äußerte sich der Regierungssprecher. Anschließend relativierte Westerwelle sein Angebot an die Griechen. Doch damit war die Büchse der Pandora schon geöffnet.

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Für die Opposition ist der Westerwelle-Vorstoß eine Steilvorlage. Auch SPD und Grüne wollen den Griechen mehr Zeit für ihre Reformen geben. Aber auch der Druck innerhalb der Euro-Zone auf Merkel wächst zusehends, sich nicht gegen eine Lockerung der Auflagen zu stellen. Es ist offensichtlich: Für Merkel wird die Luft dünner in der Griechenland-Frage, zumal sie kaum mit einer Unterstützung aus der Unions-Bundestagsfraktion rechnen kann, sollte sie einen Pro-Griechen-Kurs fahren.

Die mit Abstand größte Gruppe in der Unionsfraktion im Bundestag, der Parlamentskreis Mittelstand (PKM), lehnte zeitliche Zugeständnisse an das hoch verschuldete Griechenland vehement ab und will auch keine Mittelwege akzeptieren. „Eine Lockerung der strikten Sparauflagen und eine erneute Fristverlängerung zum Erreichen der Sparziele darf es nicht geben“, machte der Vorsitzende des Parlamentskreises, Christian von Stetten (CDU), im Gespräch mit Handelsblatt Online unmissverständlich klar. „Wir haben schon mehr rote Linien gezogen und anschließend deren Übertretung sanktionsfrei zugelassen als es Eulen in ganz Athen gibt.“ In dem Kreis sind 145 der 237 Unionsabgeordneten organisiert.

Die klare Ansage des einflussreichen Unions-Wirtschaftsflügels ist nicht zu unterschätzen, zumal Merkel bei veränderten Griechenland-Konditionen auf die Zustimmung des Parlaments und damit auch auf die Unterstützung der Abgeordneten von CDU und CSU angewiesen ist.

Darauf weist indirekt auch SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hin, der ohnehin angesichts der sich zuspitzenden Euro-Krise davon ausgeht, dass sich der Bundestag in diesem Sommer noch zu mehreren Sondersitzungen zusammenfinden wird. „Ein modifiziertes zweites Griechenland-Hilfspaket müsste auf jeden Fall vom Plenum des Deutschen Bundestages beschlossen werden. Darüber hinaus werden wir bald mindestens über die Stabilisierung des spanischen Bankensektors entscheiden müssen. Und auch Zypern könnte noch an die Tür klopfen“, sagte Steinmeier dem Handelsblatt. Es gehe dabei auch um die Frage wie für die hochverschuldeten Länder eine Art „Reset“, ein Neustart erreicht werden könne, betonte Steinmeier. Die Wirkung der bisherigen Maßnahmen werde immer zweifelhafter. „Wir beginnen, gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen.“ Die Politik müsse das Diktat der Märkte aufbrechen.


Griechenland "Monate hinter den Zeitplänen"

Mit diesen Fragen werden sich heute wohl auch die Euro-Finanzminister bei ihrem Treffen in Luxemburg beschäftigen. Jedenfalls soll es um Spanien, aber auch um die nächsten Schritte zur Griechenland-Rettung gehen. Noch ist nicht entschieden, ob die Minister den Hellenen mehr Zeit zum Erfüllen der Sparvorgaben geben werden. Als erste Maßnahme nach dem lähmenden Wahlkampf wird sowieso erst einmal ein neuer Auftrag für die Troika-Experten zu einem Kassensturz in Athen erwartet. Für Ende Juni ist dann ein EU-Gipfel geplant.

Allerdings scheint jetzt schon klar, dass Griechenland ohne einen Reformrabatt nicht auskommt. Das ist jedenfalls die Ansicht des ranghohen Eurogruppen-Vertreters Thomas Wieser. „Das bisherige Programm ist nicht mehr gültig, weil es so weit aus der Spur geraten ist“, sagte der Koordinator der Eurogruppe der Nachrichtenagentur AFP. „Wir müssen ernsthaft nachverhandeln, um es wieder in die Spur zurückzubringen.“ Wieser leitet hauptamtlich die sogenannte Euro Working Group und ist somit für die Vorbereitung der Treffen der Euro-Finanzminister zuständig.

Die Euro-Länder seien sich einig, dass die Vereinbarungen mit Griechenland angepasst werden müssten, sagte der Österreicher. Das könne bis Juli oder August geschehen. Durch den wochenlangen Stillstand in Athen ohne Regierung sei das Land „Monate hinter den Zeitplänen“, fügte Finanzexperte hinzu. „Zudem hat sich die wirtschaftliche Lage schlechter entwickelt als angenommen.“

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.06.2012, 21:28 UhrNichtDumm

    Das Problem mit Westerwelle ist, dass er meint, abundzu was Intelligentes sagen zu müssen, und das Talent hat, dabei immer völlig daneben zu hauen. Leider traut sich keiner, ihm das zu sagen.

  • 21.06.2012, 17:13 Uhrachimizo

    So ein Heuchler...

    „Wir beginnen, gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen.“ Die Politik müsse das Diktat der Märkte aufbrechen. Dies habt Ihr Politiker schon seit dem erstn Tag an getan, als Ihr die Maastrichtkriterien verletzt und Verträge gebrochen habt ... Auf den Müllhaufen der Geschichte mit Euch! Besser gestern als heute.

  • 21.06.2012, 13:05 UhrCarla

    Die Kanzlerin sollte endlich zur Kenntnis nehmen, daß nicht ausschließlich bei den Ärmsten , Normalbürgern laufend und weiterhin hart gekürzt und gespart werden kann . Die Bürger mit ihren Familien brauchen eine Lebensperspektive ,eine Aussicht auf Besserung ihrer Situation . Es kann nicht sein, daß Familien ihre eigenen Kinder aus Verzweiflung in SOS-Dörfer (Stationen) bringen , da sie diese Kinder nicht mehr selbst ernähren können (Gehaltskürzung, Arbeitslosigkeit = Verelendung !) Nochmals =
    Härtepolitik ausschließlich gegen abhängig Beschäftigte, gegen Familien, gegen ältere Bürger ( ich spreche von Bürgern, die ein Leben lang gearbeitet haben,arbeiten und ausgebildet sind und sich weder verzockt haben, noch über ihre Verhältnisse leben ), sollte nicht akzeptiert werden .
    Diese Art Sparpraxis - Verelendungspolitik in Europa ist menschenverachtend .
    Wann endlich sieht die deutsche Kanzlerin dieses betroffen machende wachsende Elend vieler Bürger (nicht nur in Griechenland) mitten in Europa ?

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