Logistik: Streit um Gigaliner wird härter

Logistik: Streit um Gigaliner wird härter

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Fünf Jahre sollen die "Gigaliner" getestet werden.

von Max Haerder

Die Debatte um den geplanten Test von Lang-Lkws auf Deutschlands Straßen eskaliert. Nun warnen Verkehrsverbände und die Polizeigewerkschaft immer lauter vor möglichen Sicherheitsgefahren. Die Bundesregierung hält dagegen – und präsentiert neue Details.

25 Meter lang und bis zu 44 Tonnen schwer - das sind die Eckdaten eines verkehrspolitischen Streits, der mittlerweile immer erbitterter geführt wird. Es geht um Lang-Lkws, auch Euro-Combis oder Gigaliner genannt, die zukünftig auch auf deutschen Straßen getestet werden sollen. So zumindest ist der Wille des Bundesverkehrsministeriums und des Logistikgewerbes. Die Befürworter des Großlaster-Versuchs versprechen sich dank der größeren Volumina weniger und damit effizientere Transportfahrten; das Ministerium hofft, den für die kommenden Jahre erwarteten Anstieg des Güterverkehrs auch per Langlaster bewältigen zu können. Die Schiene alleine, so die Auffassung, werde das nicht schaffen.

Doch der Widerstand ist immer größer. Jetzt machen die Verbände Allianz pro Schiene, Auto Club Europa und die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) mobil gegen den Test. „Dass längere Lastwagen die Autobahnen entlasten, ist eine verkehrspolitische Mär“, sagt Dirk Flege von der Allianz pro Schiene. Gegner wie Flege führen vor allem gravierende Sicherheitsbedenken ins Feld. Der Test sei zu gefährlich für die anderen Verkehrsteilnehmer. „Die Verkehrssicherheit muss Vorrang vor dem Profitstreben einzelner Spediteure haben“, warnt auch der DPolG-Bundesvorsitzende Rainer Wendt.

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Fünf Jahre Probezeit für Gigaliner

Das Bundesverkehrsministerium reagierte prompt: „Am grünen Tisch durchgeführte Studien und regional begrenzte Länderversuche können einen bundesweiten Echtbetrieb nicht ersetzen“, sagte Andreas Scheuer, der parlamentarische Staatssekretär im Ministerium. Das Bundesamt für Straßenwesen soll die Erkenntnisse wissenschaftlich auswerten.

Scheuer präsentierte gleichzeitig mit Hamburg ein weiteres Bundesland, dass sich an den Tests beteiligen will. Das Problem ist nur: In der Hansestadt wird am 20. Februar gewählt. Die jetzt noch amtierende und seit dem Ende der schwarz-grünen Koalition wohlwollende CDU-Minderheitsregierung wird dann aller Voraussicht nach nicht mehr im Amt sein. Der Feldversuch, so heißt es in Ministeriumskreisen, wird erst im Frühling oder Frühsommer danach anlaufen. Auf die wichtigen Erfahrungen im Hafen-Verladebetrieb müsste dann wieder verzichtet werden. Zu einer Beteiligung am Versuch haben sich ansonsten nur sieben Bundesländer bereit erklärt. Mit ihnen berät das Bundesverkehrsministerium zurzeit die rechtlichen Details.

Klar ist mittlerweile, wie lange das Logistikexperiment dauern sollen: fünf Jahre. „Um auch kleineren Spediteuren eine Abschreibungsmöglichkeit für Fahrzeugkombinationen zu geben, die sie extra für den Feldversuch angeschafft haben“, so Scheuer. Dass bringt bei den Kritikern das Fass erst recht zum Überlaufen: Dass mit einem Fünf-Jahres-Test in die Legislaturperiode der nächsten Bundesregierung hineinregiert werde, wertete Allianz-pro-Schiene-Experte Flege als „Sippenhaft“. Offenbar seien „den Spediteuren mehr als großzügige Versprechen gemacht worden“, so Flege.

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