Lohndebatte: Lieber Niedriglöhner in Deutschland als Durchschnittsverdiener in Bulgarien

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KommentarLohndebatte: Lieber Niedriglöhner in Deutschland als Durchschnittsverdiener in Bulgarien

von Henning Krumrey

Der Vergleich schreckt auf: Mehr Geringverdiener in Deutschland als in Bulgarien! Hinter der überraschenden Nachricht steckt aber vor allem eines: Statistik.

Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), der wissenschaftliche Ableger der Bundesagentur für Arbeit, hatte mal wieder den Niedriglohnsektor in Deutschland eingehend untersucht. Dabei stellten die Wissenschaftler auch Vergleiche mit anderen Ländern in Europa an. So ermittelten sie, dass knapp ein Viertel aller hiesigen Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor tätig ist – genau 24,1 Prozent. In anderen Ländern ist der Anteil teilweise deutlich geringer. In Dänemark, Finnland und Belgien liegt er unter zehn Prozent, am anderen Ende rangiert, direkt vor Deutschland, nur noch Litauen. Besonders plakativ ist dann ein Vergleich, dass der Anteil der Niedriglöhner hierzulande sogar größer ist als in Bulgarien oder auf Zypern.

Doch diese Zahlen sagen nichts über Armut und Bedürftigkeit; sie bilden lediglich die Einkommensverteilung bei den Beschäftigten ab, beinhalten auch keine sonstigen Einnahmen. Ausgangspunkt der Berechnungen des IAB ist der so genannte Medianlohn. Er teilt die Gesamtheit der Beschäftigten in zwei gleich große Gruppen: Die eine Hälfte verdient mehr als dieser Betrag, die andere weniger. In Deutschland sind dies 14,31 Euro. (Nicht zu verwechseln mit dem Durchschnittslohn, dessen Wert höher liegt, da einige wenige Spitzenverdiener den Wert nach oben ziehen.)

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Der Niedriglohnsektor beginnt nach international angewendeter Definition bei zwei Dritteln des Medianlohns. Für Deutschland sind das also 9,54 Euro. Wer weniger als diese 9,54 Euro als Lohn erhält, arbeitet als Geringverdiener. Das gilt eben für 24,1 Prozent aller Beschäftigten oder rund 8,3 Millionen Menschen. Wobei etwas weniger als die Hälfte von ihnen bei einem Stundenlohn zwischen sieben und 9,54 Euro liegt.

Armut bilden diese Werte nichts ab. Wer Vollzeit arbeitet und 9,54 Euro verdient, trägt am Monatsende 1526 Euro brutto nach Hause. Auch nach Abzug von Steuern und Sozialversicherung ist das mehr als der Hartz-IV-Satz - für einen Single wohlgemerkt. Zum Ernähren einer vierköpfigen Familie reicht dieser Betrag natürlich nicht aus.

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