Lohngerechtigkeit : Kauder torpediert Schwesigs Pläne zu mehr Gehaltstransparenz

Lohngerechtigkeit : Kauder torpediert Schwesigs Pläne zu mehr Gehaltstransparenz

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Kauder torpediert Schwesigs Pläne für Lohngerechtigkeit.

Ministerin Schwesig will sich auf der Frauenquote für Aufsichtsräte nicht ausruhen. Der Entwurf für ein Entgeltgleichheitsgesetz soll bald kommen. Einigen in der Union geht das zu schnell. Volker Kauder zum Beispiel.

Unionsfraktionschef Volker Kauder tritt bei dem von Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) geplanten Gesetz für Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen auf die Bremse. „In diesem Jahr wird das nichts mehr“, sagte der CDU-Politiker nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ kürzlich im Gespräch mit SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. Ohnehin komme nur eine Regelung für Betriebe mit mehr als 500 Mitarbeitern infrage.

In der Debatte um das Gesetz für die Frauenquote in Führungsgremien hatte sich Kauder bereits mit dem Spruch hervorgetan, die Ministerin solle „nicht so weinerlich sein“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich für diese Äußerung später bei Schwesig entschuldigt.

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Eine Sprecherin der Unionsfraktion sagte am Samstag: „Wir blockieren nichts.“ Das Gesetzesvorhaben werde, wie alle anderen Punkte des Koalitionsvertrages auch, umgesetzt. Zeitlich wollte sich die Sprecherin nicht festlegen. Sie sagte: „Das zuständige Ressort muss einen Gesetzentwurf vorlegen.“

Tipps für Gehaltsverhandlungen - nicht nur für Frauen

  • Gehaltskompromiss ohne Gesichtsverlust

    Wollen Frauen in einem Bewerbungsgespräch 60.000 Euro Jahresgehalt, der Arbeitgeber bietet aber nur 40.000 Euro, bedeutet ein Nachgeben einen Gesichtsverlust für die Bewerberin, selbst wenn sich beide in der Mitte einigen. Die einzige Chance das Gesicht zu wahren und gleichzeitig Selbstsicherheit auszustrahlen liegt nach Ansicht von Claudia Kimich, Verhandlungsexpertin und Autorin des Buches „Um Geld verhandeln“, in folgender Antwort: "Während der Probezeit arbeite ich zu Ihren Bedingungen, danach richten Sie sich nach meinen!" Wichtig ist, sich auf diesen Deal nur mit schriftlicher Vereinbarung einzulassen.

  • Nachlass nur gegen Leistung

    Beim Verhandeln kommt es darauf an, nie ohne Gegenleistung nachzugeben: „Wenn Frauen zuerst ein Gehalt X verlangen und sich dann um 30 Prozent drücken lassen, hätten sie ja gleich weniger verlangen können. Die Glaubwürdigkeit leidet.“ Kimmich rät, weniger Arbeitsstunden, andere Aufgaben, mehr Urlaub, Weiterbildung, Zuschüsse zu Kinderbetreuung oder Kantinenessen oder einen Dienstwagen als Gegenleistung zu verlangen. „Nur dann bleiben Frauen bei ihrer Gehaltsverhandlung auf Augenhöhe und werden auch anschließend im Job ernst genommen.“

  • Schmerzensgeld

    Wenn bei einem Arbeitsplatz nicht alles ideal ist und von dem Jobangebot nicht die gesamte Existenz abhängt, dann sollten Bewerberinnen genau überlegen, was sie gerne tun und was nicht. Kimich schlägt vor, für die weniger angenehmen Dinge entsprechende Mehr-Entlohnung zu verlangen, zum Beispiel wenn viele Reisen notwendig sind. „Ich verlange von meinen Klienten vor 10 Uhr morgens als Schmerzensgeld den doppelten Satz. Ich bin einfach kein früher Vogel und wenn ich schon vor 10 Uhr arbeite, dann zumindest mit Schmerzensgeldaufschlag.“

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer.

Schwesig sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass es Widerstände gegen das geplante Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit gebe, überrasche sie nicht. „Auch diese werden wir überwinden“, erklärte sie mit Blick auf die zurückliegenden langwierigen Verhandlungen zur Frauenquote. Die Quote sei nur der Anfang für mehr Gleichberechtigung, sagte die Ministerin. Sie betonte: „Wir können uns darauf nicht ausruhen.“

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Rückendeckung erhielt die Ministerin von SPD-Parteichef Sigmar Gabriel. Er schrieb auf seiner Facebook-Seite: „In kaum einem anderen Land in Europa werden Frauen so drastisch schlechter bezahlt als Männer.“ Das sei eine Schande.

Schwesig möchte das im Koalitionsvertrag vereinbarte „Gesetz zur Entgeltgleichheit von Frauen und Männern“ möglichst noch dieses Jahr auf den Weg bringen. Sie will, dass jeder Mitarbeiter das Recht hat, das Durchschnittsgehalt der Kollegen mit vergleichbarer Tätigkeit zu erfragen. Denn - so die Annahme der Ministerin - erst wenn Frauen wissen, wie stark sie benachteiligt werden, können sie versuchen, das zu ändern. Außerdem soll in der Pflege, in der Kinderbetreuung und in anderen Branchen mit hohem Frauenanteil das Lohnniveau steigen.

In der vergangenen Woche hatte Schwesig mit Vertretern der Gewerkschaften über mögliche Eckpunkte des Gesetzentwurfs diskutiert. Ein erstes Gespräch mit Unternehmerverbänden fand am Mittwoch statt.

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