Lohnpolitik: Tarifvertrag für die Metallindustrie steht

Lohnpolitik: Tarifvertrag für die Metallindustrie steht

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Die Kontrahenten: Südwestmetall-Chef Stefan Roell (l.) und IG-Metallbezirksleiter Jörg Hofmann

Gewerkschaft und Arbeitgeber der Südwestdeutschen Metall- und Elektroindustrie haben sich auf die Eckpunkte eines neuen Taritfvertrags geeinigt. Es wird davon ausgegangen, dass andere Bezirke die Einigung der Baden-Württemberger übernehmen.

Im Tarifstreit der Metallindustrie haben Gewerkschaft und Arbeitgeber in letzter Minute einen Arbeitskampf abgewendet. IG Metall und Südwestmetall einigten sich am Mittwoch nach einem mehr als 20-stündigen Verhandlungsmarathon im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg auf zweistufige Einkommenserhöhungen mit einer Gesamtlaufzeit von 18 Monaten. Demnach werden die Löhne und Gehälter der 800.000 Beschäftigten ab Februar zunächst um 2,1 Prozent angehoben und steigen ab Mai um weitere 2,1 Prozent. Für die Monate November, Dezember und Januar wurde eine Einmalzahlung von 510 Euro vereinbart.

Beide Seiten offenbar zufrieden

Baden-Württembergs IG-Metall-Chef Jörg Hofmann zeigte sich zufrieden mit dem Abschluss. „Die Verhandlungen standen anfangs unter keinem guten Stern. Trotzdem konnten wir den Gordischen Knoten durchtrennen und ein Ergebnis finden.“ In den vergangenen Wochen hatte die Gewerkschaft mit bundesweiten Warnstreiks massiv Druck auf die Arbeitgeber ausgeübt. Teile des Abschlusses sollen die Unternehmen flexibel gestalten dürfen. So soll der Beginn der zweiten Erhöhungsstufe unter bestimmten Bedingungen um bis zu sieben Monate verschoben werden können.

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Damit kommt die Gewerkschaft den Arbeitgebern in der unsicheren konjunkturellen Lage entgegen. Für Mai bis Dezember 2009 gibt es laut IG Metall eine weitere Einmalzahlung von je 0,4 Prozent eines Monatsentgelts. Ursprünglich hatte die Gewerkschaft acht Prozent höhere Löhne und Gehälter gefordert, soviel wie seit 16 Jahren nicht mehr. Die Arbeitgeber hatten unter Hinweis auf den sich abzeichnenden Abschwung zunächst 2,1 Prozent für das kommende Jahr sowie eine Einmalzahlung von 0,8 Prozent angeboten. In der zurückliegenden Tarifrunde hatte die IG Metall 6,5 Prozent mehr Lohn gefordert und Erhöhungen in zwei Stufen um 4,1 und 1,7 Prozent durchgesetzt. Mit dem nun erzielten Abschluss schafft es die IG Metall knapp, den ersten Erhöhungsschritt zu toppen. Die Mitgliedschaft hatte den letzten Abschluss als zu niedrig kritisiert, weil wegen der Inflation nur wenig davon in den Taschen übrig blieb.

Im Bezirk Baden-Württemberg waren in der Vergangenheit zahlreiche wegweisende Tarifabschlüsse erzielt worden, die anschließend von der in der gesamten deutschen Metall- und Elektroindustrie mit 3,6 Millionen Beschäftigten wirksam wurden. Unter Volkswirten wurde der Abschluss gelobt. Andreas Scheuerle von der Dekabank erklärte: „Dies liegt knapp über dem Abschluss der chemischen Industrie. Das dürfte aber damit unter den ursprünglichen Erwartungen der Gewerkschaftsmitglieder sein. Die Flexibilisierung im Abschluss ist äußerst zu begrüßen, denn der Metall- und Elektroindustrie stehen schwere Zeiten ins Haus."

Ebenso äußerte sich Stefan Mütze von der Hessischen Landesbank. „Das scheint mir ein relativ vernünftiger Abschluss zu sein. Die IG-Metall hat sich vor dem Hintergrund der aufziehenden Rezession moderat gezeigt. Die geforderten acht Prozent mehr Lohn sind es nicht geworden, sondern gut vier Prozent. Unternehmen, die der Abschluss eigentlich überfordert, haben Zeit durch die Klausel gewonnen, die zweite Anhebungsstufe um bis zu sieben Monate zu verschieben. Mit den Einmalzahlungen können viele Unternehmen gut leben, da sie noch von den Gewinnen der Aufschwungzeit zehren", so der Analyst.

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