Wowereit nimmt die positive wirtschaftliche Entwicklung gerne an. Und er prophezeit Berlin gar goldene Zeiten. Eines Tages, verspricht er, werde die Stadt in den Länderfinanzausgleich einzahlt. „Auch Berlin hat den Ehrgeiz, von der Rolle als Nehmerland wegzukommen und irgendwann Geberland zu werden.“ Berlin habe „in den letzten Jahren einen konsequenten Konsolidierungskurs eingeschlagen haben, den wir fortsetzen werden“. Wowereit erinnert dabei gern auch daran, dass Bayern ebenfalls einmal ein Nehmerland war und nicht immer nur Geberland.
Die aktuelle Lage sieht allerdings ganz anders aus. Immerhin ein Viertel seiner Einnahmen erhält Berlin vom Bund und den anderen Ländern. Mit fast drei Milliarden Euro oder über 800 Euro pro Einwohner ist Berlin das größte Nehmerland, fast die Hälfte des bundesweiten Finanzausgleichs fließt praktisch direkt aus Bayern in die Hauptstadt. Und trotzdem wurden die Schulden nicht weniger. Das Defizit beträgt immer noch rund 60 Milliarden Euro.
Daran wird sich wohl auch nichts ändern. „Zum Nettozahler im Länderfinanzausgleich wird Berlin auch auf mittlere Sicht nicht werden“, ist sich DIW-Konjunkturchef Fichtner sicher. Er mahnt daher die Berliner Politik, die Kirche im Dorf zu lassen, zumal andere Empfängerländer bescheidener aufträten, als die Hauptstadt: Sachsen zum Beispiel bekomme als zweitgrößtes Nehmerland rund 850 Millionen Euro, etwa 200 Euro pro Einwohner. „Bis Berlin zum Nettozahler wird es also noch eine ganze Weile dauern“, so Fichtner. Die Stadt bleibt also noch ein bisschen arm – und sexy sowieso.
















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Alle Kommentare lesen15.09.2011, 09:45 UhrAnonymer Benutzer:Die Zeitung am Morgen
berlin hatte und hat noch ein Problem: Hier treffen Ost und West aufeinander, das alte Ostberlin mit seinen Problemen und das früher hochsubventionierte Westberlin. Hinzu kamen die berliner bankenrettung, war ein kleiner Vorgeschmack auf das, was dann wirklich kam.
berlin profiert als Hauptstadt von überpropotionalen investitionen des bundes, von Fördergeldzuweisungen und natürlich vom Länderfinanzausgleich. Die wirtschaftlichen Entwicklungen sind gespalten und der normale berliner bürger sieht vielleicht, wie sich sein altes berlin verändert, für ihn selbst sicher nicht immer positiv (Mieten, Lebenshaltungskosten, Wohnraumbedarf).
15.09.2011, 08:19 UhrAnonymer Benutzer:Gast aus Berlin
Ein nettes Wahlkampfgeschenk an Hr. Wowereit, aber nicht die Realität.
berlin hat nicht zuletzt dank der Politik von Hr. Wowereit seine industrielle basis fast vollständig verloren. Höchste Sätze bei der Grundsteuer und Gebühren, Spitzenplätze bei der Gewerbesteuer, ein dramatisch schlechtes Schulsystem und Filz und Kungelei, der nach 22 Jahren SPD Regierungsbeteiligung über die gesamte Stadt erstreckt.
Alles was Wowereit tut ist Showpolitik mit Wohlfühlfaktor für ein bestimmtes Klientel. berlin ist Hauptstadt - der Transferleistungsempfänger und prekären beschäftigung. Davon kann aber eine Wirtschaft nur leben, wenn sie dauerhaft von außen alimentiert wird.
Der Großflughafen soll es dann richten - übersehen wird nur, dass schon jetzt der Flughafen ein vielfaches der ursprünglich geplanten Kosten verschlungen hat und nicht die geringste Chance hat, auf überschaubare Zeiträume kostendeckend betrieben zu werden, geschweige denn auch nur seine Zinsen zu erwirtschaften.
Warum haben sich wohl alle privaten investoren zurückgezogen? Warum haben die banken erst die Finanzierung gewährt als berlin, brandenburg un der bund 100% bürgschaften erteilt haben? Warum wird aktuell der Flughafen Tegel noch einmal ausgebaut (sic!), wenn er doch in 7 Monaten geschlossen werden soll? Hier bahn sich berlins nächstes Milliardengrab an, spätestens wenn "die zweite Deutsche Fluggesesellschaft" ihre Probleme nicht in den Griff bekommt.
Mit der Schließung des Flughafen Tempelhof gegen die Mehrheit der berliner bevölkerung hat Klaus Wowereit gezeigt, dass er vor allem ein Prinzip hat: ich bin die Regierung. Wer mitläuft wird belohnt, wer aufmuckt ist "rückwärtsgewandt". Der Westteil berlins hat dies mehrheitlich erkannt. Der Ostteil "baut noch immer auf - eine bessere Zukunft".
Solange sich daran nichts ändert wird es für die meisten Unternehmen heißen - Finger weg von berlin.
14.09.2011, 15:52 UhrAnonymer Benutzer:Gast
So lange der industrieruinengürtel rund um berlin fortbesteht und nichts dafür spricht, dass dort wieder Leben einkehrt, bleibt berlin das was es ist. Eine Kiezhochburg erster Klasse.