Ludwig Georg Braun im Interview: "Ich nenne das positives Denken"

Ludwig Georg Braun im Interview: "Ich nenne das positives Denken"

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Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)

Die beste Konjunkturhilfe wäre eine Reform der Unternehmenssteuern. Und mehr F&E in den Betrieben, sagt DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun.

WirtschaftsWoche: Herr Braun, das Konjunkturpaket II ist verabschiedet. Unternimmt die Bundesregierung das Richtige gegen die Wirtschaftskrise?

Braun: Eine stärkere Konzentration auf wenige Schwerpunkte wäre besser gewesen. Bei den öffentlichen Investitionen kommt es jetzt darauf an, das Geld zielgenau auszugeben. Generell wäre es sinnvoller, wenn die Regierung vor allem die Rahmenbedingungen für die Breite unserer Unternehmen verbessert.

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Und wie?

Am stärksten wirken steuerliche Anreize. Leider hat die Unternehmenssteuerreform vor gut einem Jahr dazu geführt, dass Unternehmen in der Krise noch stärker belastet werden. Angeschlagene Unternehmen sind dabei besonders betroffen. Die beste Konjunktur- und Überlebenshilfe für unsere Wirtschaft wäre deshalb eine Korrektur der Unternehmenssteuerreform. Das wäre auch eine marktwirtschaftliche Reaktion auf die Krise, anstatt nun einige zehn Milliarden Euro in vielen Einzelimpulsen zu verteilen.

Wo muss die Unternehmenssteuerreform nachgebessert werden?

Am problematischsten sind die Substanzbesteuerung bei der Gewerbesteuer, die eingeschränkte Verrechnung von Verlusten, die Besteuerung von Funktionsverlagerungen sowie die Zinsschranke.

Wie soll denn die Zinsschranke modifiziert werden, die ja eingeführt wurde, um konzerninterne Gewinntransfers ins Ausland einzudämmen, indem etwa hiesige Unternehmensteile in Deutschland Verluste generieren und die Gewinne den ausländischen Teilen zuschustern?

Wegen bedauerlicher Einzelfälle werden jetzt große Teile der Wirtschaft in Sippenhaft genommen. In guten Zeiten können viele Unternehmen die Zinsschranke ja noch verkraften, in der aktuellen Krise ist sie aber lebensgefährlich. Wenn Unternehmen jetzt Kredite aufnehmen müssen, um die Schlechtwetterperiode zu überstehen, können viele nicht mehr die Zinsen vom Ertrag abziehen. Im Gegenteil, sie müssen auf die Fremdzinsen noch Steuern zahlen. Auf solch vergiftete Steuereinnahmen, die Arbeitsplätze und unternehmerische Existenzen gefährden, sollte der Staat verzichten. Das ist eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung unserer Politiker.

Ein weiterer Kritikpunkt an der Unternehmenssteuerreform ist die Einschränkung, bei der Übernahme einer Firma nicht mehr deren Altverluste absetzen zu können...

…weil damit innovative Existenzgründer diskriminiert werden. Wenn jemand eine gute Idee hat und diese umsetzt, sammeln sich anfangs Verluste an. Die müssen auch dann absetzbar sein, wenn ein anderes Unternehmen später dort einsteigt. Das passiert in Deutschland vieltausendfach und ist Teil eines partnerschaftlichen Systems von innovativen Tüftlern und starken Unternehmen.

Damit ist aber auch Missbrauch getrieben worden, indem von Pleitefirmen nur noch deren Verlustmantel für einen Euro gekauft wurde, um damit den Gewinn zu drücken.

Es müsste reichen, dass Verluste beim Mantelkauf vor allem dann steuerwirksam werden, wenn Arbeitsplätze erhalten bleiben – zum Beispiel bei der Übernahme sanierungsfähiger Betriebe, wie sie in der Krise jetzt öfter vorkommen werden. Ich nenne das positives und chancenorientiertes Denken, das unsere Politiker anstelle der notorischen Verdächtigungen pflegen sollten.

Ein großes Problem ist die Eigenkapitalschwäche von Personengesellschaften. Für diese meist kleinen und mittleren Unternehmen lohnt es sich steuerlich oft nicht, Eigenkapital anzusammeln. Das macht diese Unternehmen in der Krise anfälliger und weniger kreditwürdig. Was soll hier geschehen?

Unternehmer sollten prüfen, ob sie nicht lieber als GmbH oder kleine Aktiengesellschaft firmieren. Bei meinem Unternehmen hilft die AG-Form, Gewinne zu thesaurieren und Eigenkapital zu bilden. Den vermeintlichen Nachteil einer größeren Offenlegungspflicht halte ich dabei für vertretbar.

Was empfehlen Sie Unternehmen, um die Krise zu überstehen?

Noch mehr in Forschung und Entwicklung zu investieren! Wenn die Wirtschaftskrise vorbei ist, können die Unternehmen dann mit besseren Produkten kräftig durchstarten.

Aber wie sollen die Unternehmen mehr in Forschung und Entwicklung investieren, wenn sie von den Banken keine Kredite mehr bekommen?

Zunächst einmal gibt es diese flächendeckende Kreditklemme nach wie vor nicht. Generell müssen Unternehmen mehr Fantasie entwickeln. Ein interessantes Finanzierungsinstrument ist zum Beispiel eine Kapitalaufstockung durch Wandelanleihen.

Schließen Sie sich der Kritik an den Kreditinstituten nicht an?

Da ist schon viel gesagt worden. Natürlich schießt manche Bank bei einer restriktiven Kreditvergabe auch über das Ziel hinaus. Aber als überzeugter Marktwirtschaftler kann und will ich die Banken nicht zwingen. Ich appelliere an die Banken, gerade auf regionaler Ebene Konsortialgruppen zu bilden und so nicht nur kleine und mittlere, sondern auch größere Kreditvolumina bedienen zu können. Das ist eine große Chance für innovative Kreditinstitute. Die Marktwirtschaft bietet ausreichende Möglichkeiten, die Wirtschaftskrise zu bewältigen.

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