Luftfahrt: Kalkuliertes Risiko am Flughafen

Luftfahrt: Kalkuliertes Risiko am Flughafen

von Rüdiger Kiani-Kreß

Weil heftige Wintereinbrüche selten sind, sparen die Airports am Räumgerät – auf Kosten der Airlines.

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Flugzeuge der Fluggesellschaft "airberlin" stehen in Berlin auf dem verschneiten Flughafen Tegel auf dem Rollfeld

Alle europäischen Flughäfen wollen ihren Kunden ungewöhnliche Erlebnisse bieten. Dem wurden sie in der Woche vor Weihnachten anders als geplant gerecht. Weil die Airports der gewaltigen Schneemassen, die Tief Daisy ins Land trug, nicht mehr Herr wurden, fielen an mehreren Tagen teilweise fast alle Flüge aus.

Der unfreiwillige Winterschlaf war aber nicht nur eine Folge des Wetters, sondern auch eines nüchternen Kalküls. Jeder Flughafen hat zwar Geräte und Fachleute, um die Bahnen von Schnee und Eis zu räumen. Doch für besonders krasse Wintereinbrüche reichen Mannschaft und Gerät nicht aus. Das ist keine Fahrlässigkeit, sondern Resultat einer einfachen Kosten-Nutzen-Rechnung. Einen Fuhrpark für einen Wintereinbruch vorzuhalten, wie er höchstens alle paar Jahre mal vorkommt, wäre extrem teuer. Und jahrelang würden die Gerätschaften nicht gebraucht. „Um dieses tote Kapital zu finanzieren, müssten wir gewaltig die Preise erhöhen“, so ein Flughafen-Manager. „Und das wollen trotz aller Kritik am Ende weder Fluglinien noch Passagiere.“

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Traktoren auf die Runway

Darum nehmen die Flughäfen Ausfälle in Kauf – oder behelfen sich mit einfacheren Mitteln. München etwa engagiert Bauern aus der Umgebung, die mit ihren Traktoren den Schnee wegschieben.

Dass die Kosten für die Airports am Ende überschaubar bleiben, dafür sorgt nicht zuletzt das Europäische Verbraucherschutzrecht. Wenn Passagiere nach abgesagten Flügen Essensgutscheine und Hotelübernachtungen bekommen oder auf andere Verkehrsmittel gebucht werden, ist dafür die Fluglinie verantwortlich – und nicht der Flughafen.

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