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Manager-Kritik: Ifo-Chef entschuldigt sich für Antisemitismus-Vergleich

von rtr

Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat sich heute für seinen Vergleich der Kritik an Managern mit dem Antisemitismus der 1930er Jahre entschuldigt.

Der Präsident des Münchner Quelle: dpa
Der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn Quelle: dpa

„Ich bitte die jüdische Gemeinde um Entschuldigung und nehme den Vergleich zurück“, schrieb Sinn in einem Brief an die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. Sinn hatte in einem heute abgedruckten Interview im „Tagesspiegel“ angesichts der Finanzkrise die Manager in Schutz genommen. „In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken“, sagte er. „Auch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben. Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager.“

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Diese Äußerung stieß auf heftige Kritik. Die Bundesregierung forderte eine öffentliche Erklärung von Sinn. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, er halte den Vergleich für „nicht zulässig und falsch“. Eine Sprecherin des Wirtschaftsressorts ergänzte, auch Wirtschaftsminister Michael Glos sei es wichtig, dass sich alle Institute, die sich am Wirtschaftsleben beteiligten, politisch korrekt verhielten.

Der Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums, Shimon Samuels, schrieb in einem Brief an Sinn, sein Vergleich sei entsetzlich und kurz vor dem Jahrestag des Pogroms vom 9. November 1939 bestenfalls unsensibel. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte Sinn aufgefordert, seinen Vergleich so schnell wie möglich ohne Wenn und Aber zurückzunehmen und sich zu entschuldigen.

An Präsidentin Knobloch schrieb Sinn nun: „Ich bedauere es sehr, dass sich die jüdische Gemeinschaft durch meine Äußerungen im „Tagesspiegel' vom 27. Oktober 2008 verletzt fühlt. Ich habe das Schicksal der Juden nach 1933 in keiner Weise mit der heutigen Situation der Manager vergleichen wollen. Ein solcher Vergleich wäre absurd.“ Es sei ihm allein darum gegangen, Verständnis dafür zu wecken, dass die wirklichen Ursachen weltwirtschaftlicher Krisen Systemfehler seien, die aufgedeckt und beseitigt werden müssten. „Die Suche nach vermeintlichen Schuldigen führt stets in die Irre“, erklärte Sinn. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn kommentierte Sinns Vergleich im Fernsehsender N24 mit den Worten: „Was der Herr Sinn da gesagt hat, war einfach Unsinn.“

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 28.10.2008, 18:12 UhrDieter Thiele

    Zu: Prof...Sinn...

    Solch ähnlichen Unsinn hat Er schon früher von sich gegeben,das
    sind unsere Macher,aber ein Jeder blamiert sich wie Er kann !!!

    M.f.G. Dieter Thiele

  • 28.10.2008, 09:46 UhrMyWay

    Wirtschaftskompetenz heisst nicht gleich soziale Kompetenz. Wann immer die sogenannte (oder die selbsternannte) Wirtschaftselite Stellung nimmt zu gesellschaftlichen Themen, treten sie voll ins Fettnäpfchen (siehe auch Ackermann). Konzentriert Euch lieber auf Eure trockenen und armseligen Zahlen. Aber selbst da habt ihr Euch ja verkalkuliert.

  • 27.10.2008, 23:46 Uhrfir wood

    Mitschuld an dem weltweiten wirtschaftlichen Debakel sind die superschlauen und wahrscheinlich korrupten Professoren a la (Un) Sinn, die geschmierten und wahrscheinlich korrupten Politiker und selbstverständlich auch die anderen Dummschwätzer aus der Wirtschaft und auch die selbsternannten Experten der Presse.
    So lange man glaubt alle in Arbeit, für wenig oder keinen Lohn zu bringen um die Taschen der Multis bis zum blatzen zu füllen, wird es mit der Wirtschaft weiter bergab gehen.
    Die Menschen gehören anständig entlohnt, dann können sich die Menschen auch immobilien leisten. Können Geld für den Konsum ausgeben und man braucht nicht über blödsinnige Steuergeschenke nachdenken.
    Herr blödsinn als einer der Vordenker dieses Systems trägt nach meiner Meinung einen erheblichen Anteil an der allgemeine Volksverarmung.

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