Managergehälter: Aktionärsdemokratie ja, Gehaltsdeckel nein

KommentarManagergehälter: Aktionärsdemokratie ja, Gehaltsdeckel nein

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Die Bundesregierung will die Entscheidung über die Gehälter der Vorstände hervorzerren in das Licht der Hauptversammlungen.

von Henning Krumrey

Es ist ein richtiger Schritt: Die Eigentümer sollten beschließen, welches Gehalt sie ihren leitenden Angestellten zahlen wollen. Doch mehr Rechte für Aktionäre bedeutet nicht automatisch weniger Geld für die Vorstände.

Endlich mal ein staatlicher Eingriff, der die Marktwirtschaft nicht schwächt, sondern stärkt: Die Bundesregierung will die Vergütung der Vorstände aus den Hinter- und Oberzimmern der Aufsichtsräte oder gar der Präsidialausschüsse hervorzerren in das Licht der Hauptversammlungen. Da gehört die Entscheidung auch hin, denn die Eigentümer sollten beschließen, wie viel Gehalt sie ihren leitenden Angestellten zahlen wollen - also die Aktionäre. Kanzlerin Angela Merkel hätte gern eine europaweite Regelung, aber in den Koalitionsfraktionen will man - der Wahlkampf naht - das heikle Thema nicht so lange ohne Lösung lassen. Schon vor der Sommerpause könnte das entsprechende Gesetz vorliegen.

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Das ist richtig, obwohl es unerwünschte Nebenwirkungen gibt. So wie es die Aktionäre alles anzugehen hat, was die Vorstände kassieren, so hat es die Öffentlichkeit nichts anzugehen (so wie ja auch jede andere individuelle Gehaltsvereinbarung vertraulich zu behandeln ist). Das ist natürlich eine Fiktion, weil die Hauptversammlung in der Regel öffentlich ist (und wenn die Presse rausgeschickt wird, weckt das nur größtes Misstrauen). Also gelten damit für Spitzenmanager strengere Regeln und mehr öffentliche Beobachtung als für andere Arbeitnehmer und auch manch anderen Spitzenverdiener, bei dem sich beispielsweise Rednerhonorare, Transfergelder oder Werbeeinnahmen nur grob schätzen lassen.

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Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Zur Ehrlichkeit gehört: Die geplante Neuregelung bedeutet nicht, dass nun die Kleinaktionäre den Bossen die Millionenbezüge zusammenstreichen könnten. Denn in den allermeisten AGs, nicht nur in den DAX-Konzernen, haben die Ankeraktionäre oder Fonds das sagen. Und selbst die Banken, die die Stimmen der Kleinaktionäre gebündelt vertreten, bekommen von ihren Kunden ja in der Regel keine Weisung, nicht mit der Beschlussvorlage zu stimmen. Dennoch: Der detaillierte Einblick der Öffentlichkeit macht Gehaltsexzesse unwahrscheinlicher.

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Klar ist aber auch: Wer die Aktionärsdemokratie stärkt, der verbietet sich selbst weitere Eingriffe. Wer festlegt, dass es das vornehmste Recht der Eigentümer ist, über die Höhe der Bezüge zu entscheiden, der darf nicht von staatlicher Seite festlegen wollen, welcher Betrag dafür angemessen ist. Höchstsummen für Gehälter oder Boni darf es dann nicht geben. Denn jedem Teilnehmer an der Marktwirtschaft muss überlassen bleiben, wie und wofür er sein Geld ausgeben mag - oder aus dem Fenster werfen will. Wer eine Niete in Nadelstreifen mit Millionen belohnen möchte - bitte sehr! 

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