Managergehälter: Das Ende der Gehaltsexzesse naht

Managergehälter: Das Ende der Gehaltsexzesse naht

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Der Rebell: Der Schweizer Unternehmer Thomas Minder ist Initiator einer Volksabstimmung, bei der die Schweizer am 3. März über ein Verbot von Managerabfindungen entscheiden. Nach jüngsten Umfragen sind 60 Prozent der Bürger dafür.

Jetzt wird es ernst: Die Schweiz entscheidet per Volksabstimmung über ein Verbot von Abfindungen, die EU will Banker-Boni deckeln, VW-Chef Winterkorn wird zum Gehaltsverzicht genötigt. Doch sollte der Staat wirklich in die Gehaltsstrukturen der Bosse eingreifen?

Am liebsten würde Thomas Minder es wohl jedem Schweizer persönlich sagen: "Wir müssen der Abzockerei der Top-Manager einen Riegel vorschieben!" Es ist Anfang Februar, Minder ist in das Städtchen Grenchen gekommen, irgendwo im dicht besiedelten Nirgendwo zwischen Zürich und Bern, wo die Schweiz wie das Frankfurter Umland aussieht und die Menschen ihr Geld tatsächlich mit dem Zusammenbauen von Uhren verdienen.

Auf dem Dachboden des Heimatmuseums haben sich rund 40 Nachwuchspolitiker der Grünen versammelt. Sie wollen sich auf eine gemeinsame Linie zu der aufsehenerregenden Initiative Minders einigen, über die die Schweizer am 3. März in einer Volksabstimmung entscheiden. Minder, Unternehmer aus Schaffhausen, schwört sie ein: "Es kann nicht sein, dass Manager das Geld der Aktionäre vernichten und dann auch noch einen goldenen Handschlag dafür kassieren." Die Grünen jubeln – so wie die meisten ihrer Landsleute.

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So viel Regelungswut ist selten

Dabei müsste das, was der Mundwasserfabrikant Minder fordert, den liberalen Schweizern vorkommen wie der Vorhof des Sozialismus: In der Verfassung soll festgeschrieben werden, dass Abfindungen und Antrittsprämien für Manager unzulässig sind. Vorstände von börsennotierten Unternehmen sollen sich ihr Gehalt von der Hauptversammlung jedes Jahr genehmigen lassen. So viel Regelungswut war selten zwischen Boden- und Genfer See. Die Unternehmensverbände in der Schweiz sorgen sich schon um die Wettbewerbsfähigkeit ihres Landes, denn im Herbst steht eine weitere heikle Abstimmung an.

Die "1:12-Initiative" der Jungsozialisten will erreichen, dass Chefsaläre generell auf das Zwölffache des geringsten Lohns in einem Unternehmen beschränkt werden. Nostalgisch erinnern Manager sich an die Zeiten, als die Schweizer in einer Abstimmung freiwillig auf mehr Urlaub verzichteten, weil das der Wirtschaft geschadet hätte. Tempi passati.

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Ein Signal für Europa

Nicht nur für die Schweiz, sondern für ganz Europa könnte von der Volksabstimmung am 3. März ein Signal ausgehen: dass die Politik vor Eingriffen in die konkrete Unternehmenspolitik nicht mehr haltmacht, um ihre Gerechtigkeitskonzepte zu realisieren. Denn zugleich werden die Pläne der EU immer konkreter, im Rahmen der nächsten Runde der Bankenregulierung auch die Höhe von Bonuszahlungen zu begrenzen. VW-Chef Martin Winterkorn, bestbezahlter deutscher Manager, ist bereits vor dem öffentlichen Druck eingeknickt und will sein Gehalt nun freiwillig senken.

Für Revoluzzer Minder sind solche Schritte überfällig. Nachdem er die Jung-Grünen anderthalb Stunden unter rhetorischen Dauerbeschuss genommen hat, geht es in ein nahes Café. Weinrot gepolsterte Holzmöbel, Kurortatmosphäre, er könnte jetzt durchschnaufen. Zur Ruhe kommt Minder dennoch nicht. Seit fast einem halben Jahr tourt er nun unentwegt durch die Schweizer Kantone, spricht vor Versammlungen und in jede Kamera, inzwischen ist der Kampf gegen die Selbstbedienung in den Chefetagen zu seinem Lebensinhalt geworden. Die Bedienung stellt den Kaffee vor ihm ab. "Danke", sagt Minder, hält kurz inne. Dann: "Wir dürfen den Abzockern keine Hintertüre offen lassen."

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