Managergehälter: Weckruf aus der Schweiz

KommentarManagergehälter: Weckruf aus der Schweiz

von Henning Krumrey

Nach dem Referendum über die Managergehälter können nun auch die bürgerlichen Parteien in Deutschland gar nicht schnell genug mit gesetzlichen Vorschriften drohen.

Was der einen Fukushima, ist den anderen die Volksabstimmung in der Schweiz. Mit dem lawinenartigen Resultat von 68 Prozent stimmten die Bürger der Alpenrepublik dafür, die Managergehälter zu begrenzen und den Aktionären in der Hauptversammlung die Entscheidung über die Entlohnung ihrer obersten Angestellten zu übertragen.

Und sofort schwappt der Elan über die Grenze. In den bürgerlichen Parteien kann man es nun gar nicht abwarten. „Wir können auch in der Koalition noch vor der Bundestagswahl hier Zeichen setzen“, fiel dem FDP-Spitzenmann Rainer Brüderle nach dem Schweizer Referendum auf. Bisher war das für die Liberalen nicht so dringlich. Aber natürlich: „Wir waren immer dafür, dass die Eigentumsrechte gestärkt werden. Und die Eigentümer sitzen in der Aktiengesellschaft in der Hauptversammlung und nicht im Aufsichtsrat.“ Bloß so richtig aktiv geworden war man nicht. Auch der CDU-Wirtschaftsflügel kann nun diesem Weg plötzlich etwas abgewinnen – schließlich grassiert auf einmal die Sorge, im Gefolge der Schweizer Meinungsdemonstration könnte auch in Deutschland verfangen und die heimische Linke mehr Zulauf erhalten.

Anzeige

Managergehälter Das Ende der Gehaltsexzesse naht

Die Schweiz entscheidet per Volksabstimmung, die EU will Banker-Boni deckeln, VW-Chef Winterkorn wird zum Gehaltsverzicht genötigt. Doch sollte der Staat wirklich in die Gehaltsstrukturen der Bosse eingreifen?

Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Politiker von Linkspartei, SPD und Grünen, die seit Jahren in diese Richtung – und darüber hinaus – zielen, sehen sich bestätigt. So will der Grünen-Vormann Jürgen Trittin mit seiner Partei gern die Managergehälter deckeln, indem Bezüge über 500.000 Euro nicht mehr als Betriebsausgaben von der Steuer abgesetzt werden können. Auch die SPD möchte die Gehälter gesetzlich begrenzen. Die Begründung: Vor allem die Großaktionäre wie Hedgefonds seien „renditegetrieben“ und würden deshalb auf überbordende Boni setzen, um möglichst viel für sich herauszuholen.

Dabei unterscheidet sich der Schweizer Weg deutlich von dem, was die deutschen Linken vorhaben. Denn die Höhe der Gehälter geht nicht den Gesetzgeber etwas an, sondern den Vertragspartner (auch wenn es angesichts der Sehnsucht nach einem gesetzlichen Mindestlohn fast schon konsequent wäre, bald auch noch einen gesetzlichen Höchstlohn festzusetzen).

Weitere Artikel

Richtig ist es, die Rechte der Aktionäre zu stärken. Sie sind die Eigentümer und damit Arbeitgeber der Vorstände. Gerade die Kleinaktionäre sind beispielsweise viel mehr am langfristigen Erfolg des Unternehmens interessiert als beispielsweise Hedgefonds. Das lässt sich schon daran erkennen, dass die Masse der Aktionäre – große wie kleine – nicht hektisch kauft und verkauft, sondern die Papiere lange Jahre ins Depot legt. Auch die meisten Ankeraktionäre, beispielsweise die Investoren aus dem arabischen Raum, setzen auf Dauerengagements. Insofern können mehr Aktionärsrechte durchaus zu einer Beruhigung führen. Mehr Transparenz im Interesse der Anteilseigner und ein Begründungszwang für üppiges Salär schaden nicht. Und vermutlich gibt es etliche VW-Aktionäre, die auch siebzehn Millionen Euro Gehalt für den Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn nicht zu viel finden. Schließlich wurden sie unter seiner Führung um etliche Milliarden reicher. Ob die Belohnung der Belegschaft im Verhältnis zu den Boni für die Unternehmensführung gerecht verteilt ist, das sollen die Betriebsräte mit der Firmenleitung aushandeln.

Auch hier hat der Staat nichts zu suchen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%