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Mann der Woche: Jean-Claude Trichet, EZB-Präsident

von Aus der Wirtschaftswoche 31/2006

An den Finanzmärkten gilt es als ausgemacht, dass der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, an diesem Donnerstag die Zinsen erneut anheben wird. Deshalb ist er unser Mann der Woche.

dpa
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erteilte der Leitzinserhöhung eine Absage.

Dieses Mal ist alles anders. Üblicherweise treffen sich die Mitglieder des Zentralbankrats in der Ferienzeit nicht in der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB), sondern diskutieren die Lage per Konferenzschaltung. Doch an diesem Donnerstag reisen sie eigens zur Sitzung nach Frankfurt. Experten an den Finanzmärkten sehen darin ein deutliches Zeichen für ihre Vermutung, dass die EZB bereits in dieser Woche den Leitzins weiter anhebt – voraussichtlich um 25 Basispunkte auf 3,0 Prozent. Es wäre die vierte Zinserhöhung seit Ende 2005. "Starke Wachsamkeit" Bereits Anfang Juli hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet von „starker Wachsamkeit“ gesprochen. Unter den Experten wird das als starkes Signal für einen Zinsschritt nach oben interpretiert. Wenn die Fachleute inzwischen auch auf Indizien wie die Anreise nach Frankfurt zurückgreifen, um das Verhalten der EZB zu dechiffrieren, spricht das allerdings gegen Trichets Kommunikationspolitik. Trichet will nicht überraschen Kritiker werfen dem charismatischen Franzosen vor, dass er seit März fast im Monatstakt seine Einschätzung der Wirtschaftslage verändert. Was wie Wankelmütigkeit erscheinen mag, ist für Trichet allerdings Programm. Sein Credo: Die Geldpolitik funktioniert, solange die Märkte am Tag der Zinserhöhung von dem Schritt nicht überrascht werden. Immerhin kann Trichet in dieser Woche mit dem Wohlwollen der Finanzminister der Euro-Länder rechnen. Die hatten bei ihrem Treffen in Brüssel Mitte Juli signalisiert, dass sie mit steigenden Zinsen durchaus leben können, weil sie die Wirtschaft der Euro-Länder als stabil einschätzten. Bei der letzten Anhebung setzte es Schmähungen Als die EZB vergangenen Dezember zum ersten Mal seit langer Zeit den Leitzins anhob, musste sich Trichet noch lautstarke Schmähungen aus Europas Hauptstädten anhören. Ob sein US-Kollege Ben Bernanke auf der Sitzung der amerikanischen Notenbank am 8. August die Zinserhöhungswelle fortsetzt, ist unter Analysten dagegen umstritten. Offenbar ist er sich noch nicht sicher, wie sich die Konjunktur entwickelt. Von Silke Wettach

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