KommentarMarkus Söder : Der Schamlose

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Der bayerische Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU).

von Gregor Peter Schmitz

Bayerns Finanzminister Markus Söder zeigt seine Verehrung des einstigen Landesvaters Strauss via Facebook. Das bringt ihm jede Menge Spott, aber Söder dürfte trotzdem zufrieden sein. Schamgefühl ist nicht seine Stärke.

Wenn US-Republikaner in das Weiße Haus einziehen wollen, müssen sie vieles tun, sie müssen Geld sammeln, sie müssen Wähler bezirzen, sie sollten insinuieren, dass sie Demokraten hassen und Gott schätzen. Vor allem aber müssen sie klarmachen, dass sie einen Menschen lieben: Ronald Reagan, aus Sicht vieler Republikaner der erfolgreichste US-Präsident aller Zeiten, der wieder die Sonne in Amerika aufgehen ließ und den Kalten Krieg gewann. Das führt dazu, dass Kandidaten schon mal bei einer Debatte darum wetteifern, wer Reagans Namen in mehr Antworten einbauen kann.

Die CSU hat auch einen Reagan, er heißt Franz-Josef Strauss. Er gilt noch immer, allen Skandalen zum Trotz, als Mann, der das schöne Bayern erfunden hat, die Personifikation eines Landesvaters, der Urvater des Erfolgsrezeptes „Laptop und Lederhose“.

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Ein Poster von Franz Josef Strauß zierte zu Jugendzeiten die Wand über dem Bett von CSU-Politiker Markus Söder. Top oder Flop? Und wer durfte euer Zimmer schmücken?

Posted by wiwo on Montag, 20. Juli 2015

Deswegen ist es nur logisch, dass der Mann, der mehr als alles andere auf der Welt sein Nachfolger werden möchte, sehr gerne herzeigt, wie sehr er Strauss verehrt. Also hat Markus Söder, mittlerweile immerhin 48 Jahre alt und bayerischer Finanz-und Heimatminister, auf Facebook ein Jugendfoto von sich in seinem Jugendzimmer hochgeladen. Söder steckt in einem ziemlich seltsam aussehenden schwarzen Anzug. Er trägt eine ziemlich seltsam aussehende Krawatte. Die linke Hand deutet auf das Strauss-Poster, an der rechten Hand ist der Daumen hochgestreckt, natürlich.

"Das war das Poster über meinem Bett in der Jugendzeit was hing bei euch?", schrieb Söder in eigenwilliger Grammatik und Satzbau dazu.

Söder hat dafür jede Menge Spott geerntet. Auf Twitter und Facebook schrieben Nutzer, dass Söder wohl an posttraumatischer Störung leide. "Spiegel Online" hat einen Nutzer entdeckt, der notierte: „Dieses FB-Posting ist wie ein schrecklicher Verkehrsunfall, von dem man den Blick vor Entsetzen auch nicht abwenden kann.“

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Markus Söder Quelle: dpa

Aber das hat Söder natürlich einkalkuliert. Viele Journalisten verachten ihn. Da nutzt er eben Facebook (wobei er sich zur Sicherheit auch noch gerne in jede Talkshow setzt und sich in der BR-Vorabendserie „Dahoam is Dahoam“ gleich mal selber spielte).

Und Kontroversen passen ihm in den eigenen (Macht)plan. Söder will, möglichst rasch, Horst Seehofer als bayerischer Ministerpräsident beerben. Dafür darf er aber nicht mehr als roher Ehrgeizling wirken, sondern sollte auch als selbstironisch-zwinkender Landesvater auftreten, so wie es Seehofer auch vermag.

Im seltsamen Jugendanzug Strauss anzubeten, ist dafür ein durchaus logischer Schritt. Und Shitstorm hin oder her, es scheint ja zu funktionieren: Deutlich über 1.000 Nutzer haben Söders Facebook-Eintrag bislang geliket, die Medien, auch die WiWo, berichten darüber. Man fürchtet still: Man wird mehr davon sehen.

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So setzt Söder Seehofer weiter unter Druck, der ihn nicht mag und als Nachfolger verhindern will. Aber ob Seehofer noch lange die Kraft haben wird, Söders Begehren abzuwehren, ist ungewiss. In der großen Koalition ist der CSU bislang nicht viel gelungen: Erst kippte die Maut, am Dienstag vermutlich das Betreuungsgeld und den Mindestlohn mussten sie auch noch schlucken. 41 Prozent der Bayern sagen in aktuellen Umfragen, sie könnten mit einem Ministerpräsidenten Söder gut leben.

Schafft Söder das, dann also auch dank Strauss. Das ist durchaus ein Treppenwitz der Geschichte. Strauss, der so barock daher kam, war ein Bildungsbürger im wahrsten Sinne des Wortes. Er las Plutarch im griechischen Original. Sein möglicher Nachfolger Söder, man kann es nicht anders sagen, liest vor allem Facebook. Egal, was man über die (hoch komplexe) Person Strauss denkt - diese beiden Politiker so vermengt zu sehen, hat etwas seltsam Beschämendes. Aber Schamgefühl hat Markus Söder noch niemand vorgehalten.

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