Maßnahmen geplant: Vorzeigeland Bayern gehen die Fachkräfte aus

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Maßnahmen geplant: Vorzeigeland Bayern gehen die Fachkräfte aus

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Voller Durchblick. Der Schutzbrillenproduzent Uvex will gut 100 neue Leute einstellen

von Matthias Kamp

Nirgendwo in Deutschland ist der Mangel an Fachkräften so gravierend wie im Freistaat. Wie Wirtschaft und Politik jetzt gegensteuern wollen.

Nein, diese Gegend sieht nicht nach einer High-Tech-Oase aus. Eine Carglass-Werkstatt, eine Spielhalle und ein Tedi-Discountladen säumen die Ausfallstraße im Westen Fürths. Dazwischen warten ein Stehcafé und eine Tankstelle auf Kundschaft. Bei diesem Ambiente fällt der zurückgesetzte graue Kasten gar nicht mehr auf. Doch was sich hinter den Mauern des vierstöckigen Gebäudes verbirgt, ist deutsche Spitzentechnologie. Hier, im Norden Bayerns, fertigt das aus dem Wintersport bekannte Unternehmen Uvex modernste Schutzbrillen für die Industrie.

Uvex will 100 neue Leute

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Teile der Fabrik gleichen einem Labor. In Reinräumen lassen Mitarbeiter eine zähe Flüssigkeit über die halb fertigen Kunststoffbrillen fließen. Der Lack bildet eine widerstandsfähige Schicht und sorgt unter anderem dafür, dass die Brillen nicht verkratzen und extremen Temperaturen standhalten. Die chemische Zusammensetzung des gelartigen Extrakts hält der Uvex-Chef streng geheim. "Die haben wir nicht einmal patentieren lassen", sagt Michael Winter, der den Familienbetrieb in dritter Generation führt. "Weil wir dann zu viel Know-how offenlegen müssten."

Job-Mekka Bayern

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Rund 2100 Mitarbeiter beschäftigt Winter in seinem Unternehmen; am Stammsitz in Fürth sind es gut 700. Und die Mannschaft wächst. Mehr als 100 neue Leute will der Mittelständler, der zuletzt einen Umsatz von 340 Millionen Euro erwirtschaftete, in diesem Jahr noch einstellen.

Wenn er sie denn findet.

Vorbereitung auf den "War of Talents"

Der demografische Wandel, die gute Konjunktur und die strukturelle Stärke der bayrischen Wirtschaft haben dazu geführt, dass qualifiziertes Personal in Deutschland nirgendwo so knapp ist wie im südlichsten Bundesland. Etwa 35 Prozent der Betriebe hier betrachten den Fachkräftemangel inzwischen als Risiko für die weitere Expansion. "Wir müssen uns auf einen War for Talents vorbereiten", sagt Unternehmer Winter. Ob Mittelständler wie Uvex, kleine Ingenieurbüros in München oder Milliardenkonzerne wie BMW und Schaeffler – kaum ein Unternehmen im Freistaat, das nicht über zunehmende Probleme bei der Suche nach gut ausgebildeten Mitarbeitern klagt. Die Arbeitslosenquote liegt in Bayern bei 3,6 Prozent; einen solchen Wert schafft kein anderes Bundesland (siehe Grafik). Ökonomen nennen das Vollbeschäftigung.

Experten gehen davon aus, dass bereits jetzt im Freistaat rund 200 000 Fachkräfte fehlen. Die Bayerische Industrie- und Handelskammer hat errechnet, dass die Unternehmen im Jahr 2030 etwa 650 000 Stellen mit erhöhtem Anforderungsprofil nicht werden besetzen können, der Großteil davon in technischen und kaufmännischen Berufen. Nach einer Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft werde es 2035 nur noch in Berufen der Landwirtschaft und des Gastgewerbes nennenswerte Arbeitslosenquoten geben.

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