Media Tenor: Die große Merkel-Show

kolumneMedia Tenor: Die große Merkel-Show

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Aber die Menge allein macht’s nicht.
Massen-Matadore Merkel und Seehofer.

Kolumne von Henning Krumrey

Angela Merkel ist häufiger in den Medien als Wirtschaftsminister Gabriel und Außenminister Steinmeier zusammen. So lautet die Bilanz des neuen Media Tenor.

Eine erfolgreiche Bundeskanzlerin muss zwei Herausforderungen meistern: Sie muss ständig im Bilde sein – und möglichst auch im Bild. Zumindest für die zweite Aufgabe konnte Angela Merkel vergangene Woche wieder kräftig Punkte sammeln: beim Empfang der Sternsinger, auf der Reise zum britischen Premierminister David Cameron und beim Besuch des ukrainischen Regierungschefs Arsenij Jazenjuk. Jedes Foto, jeder Zeitungsbericht zählt.

Zumindest in der Bilanz des Media Tenor. Das Medienforschungsunternehmen hat ermittelt, dass die CDU-Vorsitzende häufiger in Presse, Funk und Fernsehen stattfindet als die beiden nächstplatzierten Regierungsmitglieder zusammen, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Außenamtsleiter Frank-Walter Steinmeier (beide SPD). „Trotz großen Einsatzes und vieler Themen von Vize-Kanzler Gabriel bleibt die Medien-Wahrnehmung des Kabinetts eine Merkel-Show“, sagt Media-Tenor-Chef Roland Schatz.

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Die stolze Bilanz ist Ergebnis einer statistischen Fleißarbeit. Die Experten zählten nicht nur 26 647 Berichte über Parteien und Politiker in 19 führenden heimischen Blättern und Sendungen aus. Sie unterzogen die Beiträge auch einer inhaltlichen Analyse: Urteilten die Autoren eher positiv, neutral oder überwiegend negativ über die Objekte ihrer journalistischen Begierde?

Die erdrückende Übermacht der Kanzlerin paart sich mit der Berichterstattung über die Parteien. Fast 80 Prozent aller Artikel befassen sich mit den Regierenden, die Opposition kommt nur am Rande vor. Bei den notorisch kritischen Journalisten gibt es stets mehr negative als positive Bewertungen. Am ausgewogensten ist die Berichterstattung über die Euro-Kritiker der AfD, schlechter als die FDP sehen die Journalisten nur noch die NPD.

Besonders positiv steht Merkel aber nicht da. Die besten Werte erringen Steinmeier und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU). Am Ende dieser Skala tummeln sich die Genossen Gabriel, Heiko Maas (Justiz), Manuela Schwesig (Familie und Frauen) sowie Andrea Nahles (Arbeit und Soziales). Absolutes Schlusslicht freilich ist ein Christsozialer: Verkehrsminister Alexander Dobrindt, der das ganze Jahr über mit der Maut auf Kollisionskurs war.

Dass Merkel bei der Popularität nur im Mittelfeld rangiert, zeigt übrigens, dass die öffentliche und die veröffentlichte Meinung auseinanderfallen können. Beim Bürger kommt Merkel viel besser weg als bei den professionellen Beobachtern und führt die Beliebtheitsranglisten der Meinungsforschungsinstitute meist an.

Unter seinesgleichen dominanter ist nur ihr Schwester-Vater Horst Seehofer, der CSU-Vorsitzende. Er heimst als einziger sichtbarer Ministerpräsident mehr Meldungen ein als die vier Kollegen auf den folgenden Plätzen gemeinsam.

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Dem Ober-Bayern gelingt es jedoch nicht, Aufsehen in Ansehen umzumünzen. Bei ihm überwiegen die negativen Bewertungen deutlich. Nur einer kam mit seiner Arbeit noch schlechter bei den Journalisten weg: Berlins – inzwischen ehemaliger – Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Für den gab’s rund ums Jahr Prügel wegen seiner amtsmüden Schlaffenskraft und des konsequenten Versagens als Aufsichtsratsvorsitzender beim Pannenfluchhafen BER. Sein Pech: Die wehmütigen Lobeshymnen beim offiziellen Abgang Mitte Dezember – vielfach getragen von der medialen Sorge, der Nachfolger sei seriöser, also dröger – kam eine Woche zu spät. Ausgewertet wurden alle Beiträge, die bis zum 4. Dezember 2014 erschienen sind.

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