Mehrere Interessenten : ADAC will Nürburgring kaufen

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Mehrere Interessenten : ADAC will Nürburgring kaufen

Der legendäre Nürburgring ist pleite und steht zum Verkauf. Nun hat der mächtige ADAC offiziell sein Interesse angemeldet, wie die Wirtschaftswoche bereits exklusiv im Juni berichtete.

Der ADAC will den Nürburgring kaufen. Der zweitgrößte Automobilclub der Welt hat ein unverbindliches Angebot für die insolvente Rennstrecke in der Eifel abgegeben. Entsprechende Berichte der Koblenzer „Rhein-Zeitung“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bestätigte der ADAC. Dabei trete er als alleiniger Bieter für den Ring auf, der dem Land Rheinland-Pfalz und dem Kreis Ahrweiler gehört. Bereits im Juni berichtete die Wirtschaftswoche, dass der ADAC in das Bieterverfahren für den Verkauf der Rennstrecke eingestiegen ist. Verbandschef Peter Meyer bestätigte damals auf Nachfrage, dass sich der Automobilclub offiziell als Interessent bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gemeldet hat. Diese führt das Verkaufsverfahren im Auftrag der Insolvenzverwalter der staatlichen Nürburgring GmbH durch. „Beim Nürburgring handelt es sich ohne Frage um die Wiege des deutschen Motorsports“, sagt Meyer, „man kann ihn mit Recht als automobiles Kulturgut bezeichnen. Deshalb sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um diese Sportstätte auch für die Zukunft im Sinne des Motorsports zu erhalten.“

Das Nürburgring-Desaster

  • Formel 1-Verluste

    Die legendäre Rennstrecke in der Eifel ist für ihre Eigentümer seit Jahren ein Millionengrab. Die Nürburgring GmbH – sie gehört zu 90 Prozent das Land Rheinland-Pfalz und zu zehn Prozent der Landkreis Ahrweiler – ist seit 2006 bilanziell überschuldet und kann sich nur dank immer neuer Landes-Millionen über Wasser halten. Haupt-Verlustbringer ist die Formel 1, die von 2003 bis 2009 ein Loch von 55 Millionen Euro in die Kasse riss. Für das Rennen 2011 kalkuliert das Land mit einem Minus weiteren 13,5 Millionen Euro. Der Landesrechnungshof geht von höheren Kosten aus.

  • Nürburgring 2009

    Um aus den Miesen zu kommen, wollten der damalige Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz (SPD) und die damalige SPD-Alleinregierung von Kurt Beck mit dem riesigen Erlebnispark „Nürburgring 2009“ zusätzliche Besucher anlocken. Die Einnahmen sollten die Verluste aus der Formel 1 decken. Der Park besteht aus zwei Bauabschnitten: Die Nürburgring GmbH baute ein Erlebniszentrum mit Rennsportmuseum (Ringwerk), eine Achterbahn, eine überdachte Shoppingmeile (Boulevard) sowie zwei Veranstaltungshallen. Der zweite Abschnitt, entwickelt von Kai Richters Firma Mediinvest, umfasst zwei Hotels mit Personalwohnhaus, einen Ferienpark und das Eifeldorf „Grüne Hölle“, in dem sich eine Disco und diverse Restaurants befinden.

  • Finanzdesaster

    Die Baukosten stiegen von ursprünglich geplanten 215 auf 330 Millionen Euro. Der erste Bauabschnitt sollte zur Hälfte, der zweite komplett privat finanziert werden. Bei der Suche nach Investoren für den ersten Bauabschnitt fielen Land und Nürburgring GmbH auf dubiose Finanzvermittler herein. Die für den zweiten Bauabschnitt zuständige Firma Mediinvest von Kai Richter erhielt 85,5 Millionen Euro von der Rheinland-Pfälzische Gesellschaft für Immobilien und Projektmanagement mbH (RIM). Die ist eine hundertprozentige Tochter der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), welche wiederum zu hundert Prozent dem Land gehört. Die MSR wurde später mitsamt der Gebäude von Landesgesellschaften übernommen.

  • Privatisierungsdebakel

    Ab Mai 2010 vergab die Nürburgring GmbH den Betrieb des kompletten Parks inklusive der Rennstrecken an die private Nürburgring Automotive GmbH (NAG), die je zur Hälfte Kai Richters Mediinvest und der Düsseldorfer Lindner-Hotelgruppe gehört. Im Februar 2012 kündigte das Land den Betreibern wegen ausstehender Pachtzahlungen. Die NAG geht juristisch gegen die Kündigung vor. Nach ihrer Sicht der Dinge schuldet das Land den Betreibern noch Geld, diese Forderungen habe man mit der Pacht verrechnet. Streit gibt es um die von den Betreibern angekündigte Entlassung von einem Viertel der Belegschaft. Die EU-Kommission prüft nach mehreren Beschwerden von Konkurrenten, ob das Land bei der Verpachtung an die NAG gegen Vergaberecht verstoßen hat.

  • Investitionsruine

    Die erhofften Besuchermassen bleiben aus. Die als schnellste der Welt geplante Achterbahn funktioniert bis heute nicht. In der „Grünen Hölle“ ist von Oktober bis März nur ein einziges Restaurant durchgängig geöffnet, der Rest ist die meiste Zeit dicht. Das Land wirft den Betreibern zudem vor, die Gebäude vernachlässigt zu haben. In mehreren Restaurants ist Schimmel aufgetreten. Der Landesrechnungshof schätzt den zusätzlichen Investitionsbedarf des Landes in den nächsten 20 Jahren auf bis zu 420 Millionen Euro.

  • Aufarbeitung

    Wegen ihrer Rolle bei der gescheiterten Privatfinanzierung hat die Staatsanwaltschaft Koblenz im Februar 2012 Anklage wegen Untreue gegen den ehemaligen rheinland-pfälzischen Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) erhoben. Auch der frühere Nürburgring-Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz und zwei weitere ehemalige Manager der Nürburgring GmbH wurden wegen Untreue angeklagt. Der frühere ISB-Chef und ein RIM-Manager wurden wegen Beihilfe zur Untreue angeklagt. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen Kai Richter dauern an.

     

ADAC-Motorsportchef Lars Soutschka sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Mit dem unverbindlichen Angebot hoffen wir Zugang zu Zahlen und Daten des Nürburgrings zu erhalten. Danach entscheiden wir über unser weiteres Vorgehen.“ Am Kauf des Freizeitparks, der neben der Grand-Prix-Strecke liegt, hat der ADAC nach früheren Angaben kein Interesse.
Der Sprecher der Ring-Sanierer, Pietro Nuvoloni, wollte einzelne Angebote nicht kommentieren. Es gebe jetzt mehrere unverbindliche Offerten. Verbindliche Angebote könnten bis Jahresende abgegeben werden. Im ersten Quartal 2014 wollen Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt und Sachwalter Jens Lieser die Verhandlungen mit ausgesuchten Bietern vertraglich beenden. Es gibt Interessenten für den gesamten Ring-Komplex und Bieter, die wie der ADAC nur Teile kaufen wollen. Der Automobilclub ist mit dem 1927 eröffneten Nürburgring eng verbunden, etwa über seinen Truck Grand Prix und sein 24-Stunden-Rennen.
Als möglichen Kaufpreis nennen gut informierte Fachleute laut „FAZ“ auf Basis von Gutachten etwa 100 Millionen Euro. Die Landesregierung unter dem früheren SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck hatte allerdings mehr als 330 Millionen Euro Steuergeld in den überdimensionierten Freizeitpark gesteckt, in dem auch eine Achterbahn steht. Insgesamt belaufen sich die von Gläubigern angemeldeten Forderungen jetzt auf mehr als 560 Millionen Euro.

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Bislang war auch schon spekuliert worden, Formel-1-Chef Bernard Ecclestone könne den Nürburgring übernehmen. Oder die Autoindustrie, die den Ring als Teststrecke nutzt. In Sorge sind die Motorsportfans. Der Verein „Ja zum Nürburgring“ befürchtet, dass die Asphaltschleife in die Hände eines Investors fällt, der nur auf Gewinn aus ist, so dass der Breitensport das Nachsehen hat. Der rheinland-pfälzische Landtag hat zwar ein Schutzgesetz verabschiedet, das den öffentlichen Zugang sichern soll. Der Verein hält das aber für zu wenig.
Seit Mitte Mai stehen alle Vermögenswerte der Nürburgring GmbH zum Verkauf. Dazu zählen die beiden Rennstrecken, die legendäre Nordschleife aus dem Jahr 1927 und ein moderner, in den 1980er Jahren erbauter Grand-Prix-Kurs, auf dem unter anderem die Formel-1-Rennen stattfinden. Den Rennstrecken gilt das Hauptinteresse des ADAC.

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