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Mehrwertsteuer: Gutachten: Ermäßigte Mehrwertsteuer nur noch auf Lebensmittel

von Christian Ramthun

Für alles anderen als für Lebensmittel und Trinkwasser gebe es „keine wissenschaftliche Begründung“ für den Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, so ein vom Bundesfinanzministerium angefordertes Gutachten.

Das vom Bundesfinanzministerium angeforderte wissenschaftliche Gutachten zur Mehrwertsteuer enthält ein Plädoyer für eine radikale Reduzierung begünstigter Produkte und Leistungen. Das Gutachten soll zwar erst Ende September veröffentlicht werden, doch nach Informationen der WirtschaftsWoche unter Berufung auf Ministeriumskreise, sieht das Professoren-Team allein bei Lebensmitteln und Trinkwasser einen hinreichenden Grund für einen ermäßigten Satz.

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Für alle anderen Kategorien gebe es hingegen „keine wissenschaftliche Begründung“, heißt es aus dem Ministerium. Das bringt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in eine Bredouille, schreibt die WirtschaftsWoche, da der Minister größere Korrekturen bei der Mehrwertsteuer für unpopulär hält. Der Koalitionsausschuss will sich Ende September damit befassen. Anschließend muss Schäuble das Gutachten an die Mitglieder des Finanzausschusses im Bundestag weiterleiten.

Sicher ist auch die Einsetzung einer Reformkommission, die schon im Koalitionsvertrag fixiert wurde. Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Leo Dautzenberg, kann sich "gut vorstellen, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf den Bereich der Daseinsvorsorge, also auf Lebensmittel, den öffentlichen Nahverkehr und kulturelle Leistungen, zu beschränken". Mit den Mehreinnahmen von rund vier Milliarden Euro sollten Bürger mit niedrigen und mittleren Einkommen entlastet werden.

21 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.10.2010, 16:23 UhrAnonymer Benutzer: Matthias Balz

    Es liegen durchaus politisch praktikable Vorschläge zur Mehrwertsteuerneuregelung sowie –vereinfachung in Deutschland vor, als das aus Angst vor „Nebenwirkungen“ nunmehr ausgesetzte Eingehen auf das vorliegende umfassende Gutachten unter Leitung von Kaul (Uni Saarbrücken) mit der Präferenz der ausschließlichen Anwendung eines einheitlichen Regelsatzes. Die Ursachen für den mangelnden Mut und das Vertrösten auf eine Expertenkommission liegen vielmehr in Aussagen während des Wahlkampfes 2009 von Profalla und auch insbesondere der Kanzlerin begründet. bei den Koalitionsvereinbarungen 2009 mit der bekannten Neuerung einer einseitigen begünstigung von beherbergungsleistungen statt auf Grundlage von Gründlichkeit und Expertise, das Gastgewerbe als Einheit zu behandeln, wurden dann die Folgefehler begangen. Dass man denjenigen, die gegenwärtig den reduzierten Satz (7%) anwenden dürfen, von Seiten einer christ-liberalen amtierenden Regierung schwer zumuten kann, künftig 9 oder 10 Punkte mehr an Mehrwertsteuer (16 oder 17 % als einheitlichen Regelsatz) abzuführen, gehört eigentlich zum kleinen Einmaleins der Politikberatung, ist aber im Elfenbeinturm der reinen Lehre von ökonomischer Effizienz unter ceteris paribus-bedingungen sowie unterstelltem idealtypischem Verhalten von Wirtschaftssubjekten vielleicht nicht so präsent. bei einer lange überfälligen Anpassung des deutschen reduzierten Mehrwertsteuersatzes in praktikabler Form auf z.b. 10 % - alle Erhöhungen seit 1983 betrafen nur den Regelsatz, der ermäßigte Mehrwertsteuersatz wurde hingegen toujours bei 7 % belassen - ergeben sich Spielräume für eine vernünftige und finanzierbare Weiterentwicklung des deutschen Mehrwertsteuersystems im europäischen Kontext. Gleichzeitig würde eine vollständige Harmonisierung zum benachbarten österreichischem System vollzogen.

  • 23.09.2010, 15:52 UhrAnonymer Benutzer: tribal_f

    Eine grundlegende Reform der Mehrwertsteuer ist schon lange überfällig. Zu diesem Schluss gelangen nicht nur die Gutachter der Universität Saarbrücken. Auch andere Finanzwissenschaftler wie beispielsweise Prof. Dr. Rolf Peffekoven, immerhin Mitglied des Sachverständigenrates unter der Regierung Kohl und aktuelles Mitglied des Wissenschaftlichen beirates beim bundesministerium der Finanzen, weisen darauf hin, dass selbst dort, wo der ermäßigte Mehrwertsteuersatz beim Verbraucher ankommt, die soziale Wirkung zweifelhaft ist (siehe hier: http://www.dasrichtigetun.de/index/Mehrwertsteuer/Loesung.html). Was für merkwürdige blüten die derzeitige MwSt-Regelung treibt kann man sich unter anderem hier anschauen: http://www.dasrichtigetun.de/resources/cms/dms-static/d65b1325-c8aa-4224-aebc-c94a98cd7167/MwSt-Chaosspiel.pdf.

  • 20.09.2010, 09:42 UhrAnonymer Benutzer: Na los

    Tja, wieder mal eins von zig tausend Gutachten, die die Politik anfordert, um zu schlaue Professoren ausrechnen zu lassen, was sinnvoll wäre. Nur ändern tut sich in der Praxis nichts, weil -wie hier auch zu lesen - "der Minister größere Korrekturen für unpopulär hält". Wenn man immer nur alles machen würde, was populär ist, gäb´s wohl jeden Tag bundesliga, eine 0-Tage Arbeitswoche und bedingungslosen Grundreichtum für alle. Also, entweder her damit oder mal mutig was sinnvolles umgesetzt - Gerade bei der Mehrwertsteuer hat das Volk als Ganzen sicher noch am ehesten Verständnis, auch wenn sich wieder ein paar Leute aufregen, dass es nicht gerecht wäre, wenn sich der Hartz-iV-Empfänger plötzlich keinen Schnäppchen-Urlaub in Florida mehr leisten kann.

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